Sommerferien mit Daunenjacke, 69°N

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Mit den letzten Sonnenstrahlen sind wir am Vorabend aus dem Hafen von Sisimiut gefahren. Die grossen Wellen bereiteten Katrin eine unruhige Nacht, ich hingegen fiel umgehend in einen komatösen Tiefschlaf.
Kaum Wach am nächsten Morgen stehe ich auch schon gegen 6.00 Uhr auf dem Oberdeck. Riesige Eisberge die sich in die Schären verirrt haben saugen das Morgenrot in sich auf, die Morgenstimmung fesselt mich trotz dem kalten Fahrtwind. Wenig später fahren wir in Aasiaat ein, der Ort markiert das südliche Ende der Disko Bucht und gilt als Hotspot für Whale Watching. Als wir im Hafen liegen, tummeln sich auch tatsächlich vier Zwergwale im Hafenbecken herum, fantastisch!

Eisberge in der Morgenröte

Eisberge in der Morgenröte

 

In Ilulissat

Ilulissat liegt etwa in der Mitte der riesigen Disko Bucht. Je weiter wir in Richtung Norden fahren, desto mehr und gewaltiger sind die Eisberge. Die Überfahrt mit dem Schiff von Sisimiut nach Ilulissat ist ein absolutes Spektakel und sehr empfehlenswert.
Wir haben die Überfahrt frühzeitig gebucht. Im Internet haben wir davon gelesen, dass Reisegesellschaften oft grössere Kontingente aufkaufen. Ende August scheint das jedoch wohl eher weniger ein Problem zu sein.

Noch mehr Eisberge...

Noch mehr Eisberge…

Und noch mehr Eisberge...

Und noch mehr Eisberge…

In der drittgrössten Stadt von Grönland finden wir uns schnell zu recht. Als Unterkunft haben wir ein Doppelzimmer in der Jugendherberge für schlappe CHF 110 für eine Nacht gebucht. Auch wenn es nun gegen Ende der Sommersaison geht, ist die Unterkunft noch ziemlich voll mit Touristen. Die 35 jährigen Arbeiterhütten sind schon etwas in die Jahre gekommen und haben ihren eigenen Charme. Hellhörige wände und ein karrendes Bettgestell, aber was soll’s. Wir geniessen jede art von Luxus.

Ilulissat in der Abendsonne

Ilulissat in der Abendsonne

Mystisches Wandern im Nebel

Mystisches Wandern im Nebel

Eisberge in der Abendsonne

Eisberge in der Abendsonne

 

 


 

Abstecher zum Eqi Gletscher

Noch weiter in den Norden? Bereits schon von Zuhause aus haben wir eine Reise mit Übernachtung in der Glacier Lodge Eqi über den “World of Greenland” gebucht, dem lokalen Platzhirsch unter den Anbietern. Ursprünglich einige wenige Hütten für Polarforscher gebaut, stehen diese modernisiert den Touristen als Lodge zur Verfügung. Erst fahren wir per Schiff vor den imposanten Eqi Gletscher. In sicherer Distanz (3km) bestaunen wir die 150 Meter hohe und 3.5 km breite Eiswand. Alle paar Minuten kalbert der Gletscher mit viel Getöse direkt ins Meer.

Blaues Gletschereis

Blaues Gletschereis

An Land darf nur, wer in der Hütte übernachtet. Vor dem Abendessen unternehmen wir auf eigene Faust einen kleinen Spaziergang in Richtung des Flussdelta. Die Kulisse ist einfach nur Traumhaft. Nach dem Abendessen der Sonnenuntergang, schon wieder Traumhaft. Kaum ist die Sonne weg, kühlt es stark ab. Wir sind froh, dass wir eine Standard-Hütte mit Gasheizung haben. Die Luxus-Hütten hätten auch ein eigenes WC.
So wird für uns der Gang auf die 50m entfernte Toilette in den langen Unterhosen zum Sprint-lauf bei Minusgraden.

Flussdelta bei Eqi

Flussdelta bei Eqi

Eqi in voller Breite

Eqi in voller Breite

Sonnenuntergang

Sonnenuntergang

Nach dem Frühstück bewältigen wir einige Höhenmeter, so dass wir den Gletscher aus nächster Nähe beobachten können. Bevor wir gegen Nachmittag wider an Board der täglichen Eqi Schiffsrundtour gelangen, geniessen wir die noch verbleibenden Stunden in totaler Einsamkeit.

Eqi von der Moräne aus

Eqi von der Moräne aus

Die Tour ist fantastisch, hat aber auch seinen Preis. Da es etwas ist, das das in die Kategorie “Einmal im Leben” gehört, geht das auch in Ordnung.


 

Zurück in Ilulissat

Bevor wir von Ilulissat via Kangerlussuaq zurück auf’s Festland reisen, buchen wir noch spontan ein “Whale watching” und finden promt auch einige Zwergwale. Robben und Buckelwale bleiben leider verborgen.

Kirche von Ilulissat

Kirche von Ilulissat

Whale watching

Whale watching

Eiswürfel XXL

Eiswürfel XXL


Fazit

Zur Vorbereitung haben wir Reiseberichte (Grönland: Arctic Circle Trail, Conrad Stein Verlag), Blogs und Kartenmaterial (Kangerlussuaq, Pingu und Sisimiut) studiert. Der ACT ist technisch nicht anspruchsvoll, der Weg führt jedoch durch ein sehr abgelegenes Gebiet. Selbstversorgung planen und Risiken einschätzen sind wichtige Bestandteile für eine erfolgreiche Tour. Weil der Sommer in Gröndland kurz ist, wurde für uns auch die Wahl des richtigen Zeitpunkts entscheidend. Wir haben den Spätsommer ausgewählt, denn dann sind die Wasserstände niedrig und die Sumpfgebiete trocken(er).

Erst der Arcitc Circle Trail und anschliessend einige zusätzliche Tage in Ilulissat ist eine Reise mit vielen Kontrasten. Einerseits geht es im ACT um die eigene körperliche Leistungsfähigkeit und das geistige Durchhaltevermögen. Wind und Wetter sind die stetigen Begleiter in der wunderschöne arktischen Landschaft. Andererseits Ilulissat, eine Kleinstadt, die durch ihre Lage in einer wunderschönen Landschaft beeindruckt.

Die Reise war eine Chance, um uns auch mit den Themen “Walfang als Tradition alter Kulturen”, “Perspektivlosigkeit der Inuit” und “Tourismus als Treiber der Klimaerwärmung” zu befassen. Es war eine sehr schöne Reise die uns nicht nur wegen den atemberaubenden Bilder noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Sonnenuntergang im Eismeer

Sonnenuntergang im Eismeer

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Lego-Stadt Sisimiut

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Welch ein ungewohnter blumiger Duft an unseren Kleider, als wir diese frisch gewaschenen und getrockneten (im Gästepreis inklusive) zurückbekommen. Als wir erneut auf Erkundunstour in Sisimiut gehen, finden wir auch die lokale Bäckerei.
Die Inhalte der Sandwiches werden uns durch gestikulieren erklärt, da uns englisch nicht weiterbringt und wir kein Kalaallisut sprechen. Gleich geht es uns, als wir nach einer Apotheke fragen.

Schwarzes Haus links nach der grossen Kreuzung? Nichts einfacher als das. Es sind ja alle Häuser in verschiedenen Farben angemalt, denn die Alternative wäre der Strassenname “Aqqusinersuaq”. Im Allerleiladen mit Heilmittelecke erfahren wir, dass einige Tage zuvor etwa 100 Personen der HSBC in einer Wohltätigkeitsaktion für WaterAid den ACT gelaufen sind. Wir sind froh darüber, dass wir auf der Suche nach der Einsamkeit dem Pulk nicht begegnet sind.

Sisimiut - Ortsansicht mit Nasaasaaq im Hintergrund

Sisimiut – Ortsansicht mit Nasaasaaq im Hintergrund

Im einzigen Kaffee mit Free-WiFi treffen wir den einen oder anderen Wanderer wieder. Das Lokal ist gut besucht von Touristen, weil a) das Hotel-WiFi langsam und überteuert ist und b) das Datenpaket des Mobilfunkanbieters nocht teurer ist. Für uns ist es eine gute Gelegenheit, die weitere Reise zu Organisieren und uns über die Wetterbedingungen zu informieren oder einfach ein neues Buch herunter zu laden.

Schlittenhündlein

Schlittenhündlein

Besonders gefällt uns der Blick über die Stadt, als wir auf einem Hügel das Treiben der Stadt beobachten. Alles ist wie eine Truman Show. Eine kleine Stadt, die sich künstlich beschäftigt, weil es sonst nichts zu tun gibt. Taxis und Ortsbus fahren unablässig die gleichen Routen, Bewohner laufen aus langweile die Strasse auf und ab. Und der Radbagger verschiebt Erdmassen mit voller Schaufel quer durch die Lego-Stadt. Durch das Expeditionsschiff erlebt die Stadt eine Invasion von Personen mit roten Jacken, diese lassen sich vom Hügel herab besonders gut erkennen.

Sisimiut Ortsansicht vom Hügel herab.

Sisimiut Ortsansicht vom Hügel herab.

Am Abend des 25.08 steigen wir endlich an Board der M/S Sarfaq Ittuk, dem grönländischen Postschiff. Baaj (Auf Wiedersehen) Sisimiut, auf geht’s nach Ilulissat!

Die MS Sarfaq Ittuk im Hafen von Sisimiut

Die MS Sarfaq Ittuk im Hafen von Sisimiut

Dramatische Stimmung beim Verlassen des Hafens

Dramatische Stimmung beim Verlassen des Hafens

Immer noch dramatische Stimmung

Immer noch dramatische Stimmung

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Arctic Circle Trail – Been there, done that.

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Tag 10

Ab etwa 6 Uhr in der Früh frischt der Wind gewaltig auf. Wie ein riesiger Kärcher Hochdruckreiniger fegt der Regen über uns. Was gibt’s schöneres, als vom Wind sachte aus dem Schlaf geschaukelt zu werden? (Ironie).
Ausreichend Erfahrung mit der Situation haben wir damals bereits schon am Kungsleden gesammelt und so drücken wir das Gestänge dem Wind entgegen, bevor es das Leicht-Alu verbiegt. Zwar hat der Regen nach 3h nachgelassen, der Wind gibt sich jedoch keine Blösse. Uns vergeht die Lust am ausharren und wir Packen zusammen.
Das Zelt haben wir gerade so knapp im Griff und die Heringe haben wir auch schnell wieder gefunden. Das Frühstück gibt’s später hinter einem grossen Stein, beinahe Windstill.

Das Wetter übertrifft sich selber...

Das Wetter übertrifft sich selber…

An der letzten Hüte vorbei auf dem Trampelpfad folgend bewältigen wir noch schnell 500 Höhenmeter. Der steile Anstieg bringt uns auf das letzte Hochebene, wo im Fjell noch Altschnee liegt. Je weiter wir in den letzten Tagen in Richtung der Küste unterwegs waren, desto kühler wurden die Temperaturen.

Als wir im Fjäll entgegenkommenden Fernwanderern begegnen, riechen wir den blumigen Duft von frisch gewaschenen Kleidern. Wir deuten dies als klares Zeichen, dass wir nur noch wenige Kilometer von der Zivilisation entfernt sind. Weil wir aber noch über genügend Proviant und Zeit verfügen, nächtigen wir noch ein letztes Mal in der freien Natur. Das Wetter meint es gut und so geniessen wir den sonnigen Nachmittag mit nichts tun.


 

Tag 11

Die Kälte treibt mich schon Früh aus den Federn. In der Nacht sind die Temperaturen unter Null Grad gefallen und haben mit Raureif unser Zelt überzogen. Den Sonnenaufgang habe ich ganz alleine für mich, gehüllt in die wärmende Daunenjacke.

Frostig kalter Morgen

Frostig kalter Morgen

Die letzten Kilometer der insgesamt 170 Kilometer sind schnell Hinter uns gebracht. Bevor wir in die 5000 seelen Stadt Sisimiut eintauchen, schauen wir uns das Städtchen und den Fjord gerne vom Aussichtspunkt aus der Ferne an. Bereits aus der Distanz ist das immerwährende Geheul der Schlittenhunde zu hören.

ACT - Been there, done that.

ACT – Been there, done that.

 

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Arctic Circle Trail – Auf und Ab

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Tag 7 – Feuchtwiese

Ein Mal mehr beginnt unser Tag mit einem Abstieg. Vorbei geht’s im Anschluss an einem kleineren See, in welchem sich die ganze Welt zu spiegeln scheint. Wetter und Temperatur sind wieder in den komfortablen Bereich gerückt.

Upside-down

Upside-down

Feuchtwiese

Feuchtwiese

Das Auf und Ab auf den nachfolgenden Kilometern geben uns keinen Rhythmus und wegen dem fehlenden Wind schwirren uns ständig Mücken in Schaaren um den Kopf.
Gegen Nachmittag queren wir eine Feuchtwiese, die es in sich hat. Wanderstöcke helfen beim Sondieren der Haltbarkeit, der hohe Schaft der Wanderschuhe und Gamaschen bieten ausreichend Schutz. Schmatzgeräusche sind der ständige Begleiter.

 

Die Durchquerung des feuchten Geländes ist zwar gut Machbar, jedoch war es für uns sehr Kräfte raubend. Am unbenannten See südöstlich des Innajuattoq kommen wir zur Ruh.

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Abendessen vorbereiten


 

Tag 8

Wir nehmen unser Haferbrei bei wärmender Sonne in einer traumhaften Kulisse zu uns. Selbst nach acht Tagen haben wir den Brei gemischt mit Trockenfrüchten und Milchpulver noch nicht satt. Zusammen mit Wasser aufkochen und Zelt abbauen gehört dies nun seit Tagen zu unserem eingespielten Morgenritual.

Perfekter Start in den neuen Tag

Perfekter Start in den neuen Tag

Wir wandern über ein Fjäll mit vielen kleinen Seen und sehen immer wieder Rentiere. Bald schon steigen wir in ein Flusstal ab und wandern im Tal dem Bergmassiv Nerumaq entlang. Blaubeeren laden am Wegrand zum Verkosten ein. Zum Abendessen gibt’s Pedruzzi Salsiz und Gemüse Polenta. Kaum vorstellbar, wie gut ein Salsiz in Grönland sein kann.

Wolkenband über Nerumaq

Wolkenband über Nerumaq


 

Tag 9

Mit jedem Tag und jeder Mahlzeit werden unsere Rucksäcke um einige Gramm leichter. Das führt dazu, dass die Etappen inzwischen etwas länger geworden sind. Anfangs lag die Tagesstrecke bei 10-15 km, inzwischen liegt Sie bei 15-20 km. Die heutige Etappe soll uns bis zum Fjord bringen, ein 17 km Fussmarsch.

Anfangs ist der Weg sehr schön und wir beobachten Arktische Saiblinge im glasklaren Wasser. Bald sind wir umgeben vom sumpfiges Gelände, mannshohe Kriechweide oder müssen den Fluss zwei Mal überqueren. Das Steinehüpfen gelingt Mittelmässig gut. Katrin’s Laune erreicht den Tagestiefpunkt, als Sie mit nassen Schuh im Wasser steht. Glück im Unglück, Sie hatte bereits zuvor auf die leichten Turnschuhe umgesattelt.

Strandspaziergang in Vollmontur

Strandspaziergang in Vollmontur

In unserem Reiseführer lesen wir “Der Wanderweg wandelt sich zu einem wunderschönen und sehr angenehm zu laufenden Strandspaziergang.” Unser Empfinden und dem Text im Buch liegen kilometerweit auseinander. So trotten wir am See entlang und weiter, bis wir den Fjord Kangerluarsuk Tulleq erreichen. Theoretisch trennen uns nun “nur” noch ein Tagesmarsch von 20 Kilometer von unserem Zielort Sisimiut.

 

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Arctic Circle Trail – Halbzeit

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Tag 5 – Halbzeit

Irgendwo im Nirgendwo, so lässt sich unsere Situation wohl treffend beschreiben. Wir befinden uns nun etwa auf halber Strecke und haben das Vergnügen unsere erste wirkliche Hochebene zu durchqueren. Für uns geht’s erstmal im Schneckentempo auf über 400 Meter über Meer hinauf und anschliessend schier Endlos über die Hochebene. Die Regenwolken kleben am Berg. Wunderschöne Aussicht auf den riesigen See Tasersuaq geniessen? Fehlanzeige. Duzende Mücken schwirren uns unablässig um den Kopf. Die kühlen Temperaturen und Nieselregen machen den Plagegeistern wohl nichts aus.

Highlight in der Tristesse

Highlight in der Tristesse

Im verlauf des Tages passt sich meine Laune dem Wetter an. Die Pausen sind spärlich, weil Heute nichts wirklich Spass macht. Kalt, feucht und das Mückennetz ist etwa ähnlich Lästig wie die Mücken. Die Temperatur ist gerade so, dass es beim Gehen zu warm für eine Fleece-Jacke und zu Kalt für im Kurzarm-Shirt. Auch dient die Jacke zum Schutz vor den blutrünstigen Plaggeister, meistens. Aber was wäre denn auch ein Artic Circle Trail ohne Mückenstiche?!

Die Hütte auf der Hochebene lassen wir – so wie die bisherigen Hütten – links liegen. Auf schnarchende Bettnachbaren, Bettwanzen und der schmuddeliger Hüttenromantik verzichten wir gerne. Einige hundert Meter von der Hütte entfernt schlagen wir unser Hotel auf und geniessen die kühle Einsamkeit zu Zweit.

See Tasersuaq

See Tasersuaq

Tag 6 – Die Flussquerung

Die ganze Nacht hindurch hat es unablässig aus Kübeln geschüttet. Für ein gesteigertes Wohlbefinden habe ich mir irgendwann Schaumstöpsel in die Ohren gedrückt. Den Wettercheck können wir Heute akustisch erledigen, gleiches prasselndes Geräusch wie am Vorabend. Wir bleiben lange in den Federn liegen. Entweder eine Wetterbesserung, oder 10.00 Uhr als spätesten Zeitpunkt für den Abmarsch. Ausharren kommt für uns nicht in Frage, denn in unserem Outdoor Handbuch steht, dass diese Etappe häufig von starkem Wind, Regen und schlechter Sicht begleitet wird.

Kurz vor 10.00 Uhr stellt sich der Regen ein, der Nebel verzieht sich und wir erspähen wenig später die ersten Fernwanderer. Diese haben wohl in der Hütte übernachtet und sind vor kurzem aufgebrochen. Wir es Ihnen gleich und gehen den Abstieg ins Tal an. Beim Absiegt haben wir freie Sicht und überblicken das ganze Flusstal Itinneq (Ole’s Lakseelv).

Aussicht beim Abstieg über Itinneq - Ole's Lakseelv

Aussicht beim Abstieg über Itinneq – Ole’s Lakseelv

Auf den heutigen Tag sind wir besonders gespannt, da heute eine Flussquerung beinhaltet. Diverse Berichte beschreiben eine Brücke inkl. weitem Umweg, eine Flussfurt in Unterhosen durch eiskaltes Wasser oder ein Boot. Beim Abstieg haben wir das Boot bereits in der Ferne ausgemacht und für die Querung angesteuert.

Zwar liegt das Boot am gegenüberliegenden Flussufer, jedoch lässt sich dieses mittels Tau auf unsere Seite ziehen. Die anschliessende Zurückrudern mit dem Boot gelingt uns auf Anhieb und wir legen Trocken am Ufer an. Kein Furten, kein Umweg – Phu.

Stetig am Berghang folgend erreichen wir bald darauf das Etappenziel einiger Fernwanderer, eine Hütte. Wir fühlen uns noch nicht Erschöpft und so gehen wir gleich noch den nächsten Anstieg zum Iluliumanersuup Portornga an. Nach den 400 Höhenmetern ist dann auch für Uns genug. Die Linsen mit getrockneter Mango haben wir uns definitiv verdient.

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Kurze Pause nach 400 Höhenmeter aufstieg.

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Arctic Circle Trail – Am Amitsorsuaq entlang

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Tag 2

Die erste Nacht ist ganz schön frisch, da es in der Nacht aufgeklart hat. Satte 5°C zeigt der Temperaturfühler an. Es braucht Überwindung den warmen Schlafsack zu verlassen. Noch etwas steif von der Kälte rühren wir unser erstes Haferflocken-Frühstück mit heissem Wasser an, so dass sich das Milchpulver gut vermengt und die Erdbeeren quellen können. Spätestens nach dem Zeltabbau ist die Betriebstemperatur erreicht, um die nächsten Kilometer in Angriff zu nehmen.

Von Gletschern geformte Berge

Von Gletschern geformte Berge

Der Weg führt uns durch hügeliges Gelände. Am frühen Nachmittag kommen wir am Amitsorsuaq an, ein länglicher See an dessen Anfang sich die Hütte Katifikk befindet. Sind vieleicht entgegenkommende Wanderer mit Kanus ankommen? Denn am anderen Ende des See befindet sich ein verlassenes Kanuzentrum. Vier übrig gebliebenen Kanus können für die 20km Überfahrt benutz werden, anstatt diese zu Fuss zurück zu legen.

Ren mit Prachtsgeweih, Hütte Katifikk im Hintergrund

Leider ist kein einziges Kanu am Seeufer aus zu machen. Da wir gut im Zeitplan sind, beschliessen wir den Wandertag früh zu beenden und das schöne Wetter zu geniessen. Die Sonne lässt uns selbst beim Faulenzen schwitzen, Abkühlung finden wir im kalten See – zumindest für die Füsse.

Gegen Abend zeigt sich ein Rentier Bulle zum Äsen ganz nahe bei unserem Zelt. Ruhig zieht das Tier seine Kreise und trabt ungestört in die Ferne, wo es dann in der unendlichen Landschaft verschmilzt.


 

Tag 3

Unter den Wandervögeln gehören wir hier definitiv zu den Frühaufstehern. Zwar ist es Morgens etwas Kühl und der Himmel noch mit Wolken verzogen, jedoch klarte es jeweils gegen Mittag schnell auf. Bereits gegen 9.00 Uhr haben wir unsere schweren Rucksäcke geschultert und sind bereit zum Weiterlaufen.

Endlose Weiten anfangs See

Endlose Weiten anfangs See

Der Pfad verläuft gut erkennbar und fast ohne Höhenmeter direkt am Seeufer entlang. Kilometer um Kilometer vergehen und der See nimmt kein Ende. Etwas Spannung kommt auf, als wir mit unseren riesigen Rucksäcken zwischen den Fahrzeug grossen Granitblöcken umhersteigen, die von einem vergangenen Felssturz zeugen.

Bald wieder geht es dem Trampelpfad weiter in der pittoresken Landschaft und der Monotonie. Windstill spiegeln sich die Felsen im Wasser und auf einmal entdecken wir gar gleich drei Kanuten. Irgendwie sieht das viel Entspannter aus, wie die Über das Wasser gleiten. Ein kleinbisschen Neid macht sich breit.

Perfekte Spiegelung der Landschaft

Perfekte Spiegelung der Landschaft

Kanus, doch kein Gerücht

Kanus, doch kein Gerücht

Endlose Weiten mit Abendhimmel

Endlose Weiten mit Abendhimmel


Tag 4

Unser Nachtlager haben wir nach etwa 18km trekken am Vortag auf einer schönen Landzunge aufgebaut. In weiser Voraussicht wollten wir nicht in unmittelbarer Nähe des Kanuzentrums unser Zelt aufschlagen. Vor der Abreise haben wir in einem Blog gelesen, dass die Plätze um die befestigten Hütten durch Unrat und Kot ziemlich verschmutzt sind. Beim Vorbeigehen bestätigte sich dieses traurige Bild und wir sind froh über unsere Entscheidung. Wortlos gehen wir am Schauplatz vorbei.

Kurz vor dem Abfluss am Amitsorsuaq durchqueren wir Hektaren von verbrannter Erde. Offenbar ist es vor Jahren hier zu einem Buschbrand gekommen, der sich durch die Torfböden unterirdisch unkontrolliert weit ausbreiten konnte. Nur zaghaft gelingt es den Pflanzen wieder Fuss zu fassen.

Grau in Grau - Verbrannte Erde

Grau in Grau – Verbrannte Erde

Dem Abfluss folgend durchqueren wir morastiges Gelände und stehen daraufhin auf einem Hügel mit Weitblick über den riesigen Tasersuaq. Genug gelaufen, hier bleiben wir für eine Nacht.

Noch einige KM bis zum nächsten See

Noch einige KM bis zum nächsten See

 

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