Bretagne

Unser Basislager für die nächsten Tage ist das Camping La Vallée, ein schöner und vor allem kleiner Camping-Platz mit knapp 50 Stellplätzen. Wir bekommen den letzten freien Platz in einer schönen ruhigen Ecke. Nachdem die Kette geschmiert und der Sattel auf die richtige Höhe eingestellt ist, folgen wir mit dem Bikes dem ausgeschilderten Fahrradweg auf die andere Seite der Halbinsel. Für den Rückweg suchen wir uns selber eine Route zusammen, was allerdings dazu führt, dass wir unsere Bikes ab und über ein paar Strände schieben müssen. Das Schaltwerk und die Scheibenbremsen freuts. An einem dieser Strände machen wir einen Zwischenhalt und geniessen die warmen Sonnenstrahlen. Mit der Zeit füllt sich dieser mit immer mehr Menschen. Wir packen unser Badetuch ein und fahren weiter der Küste entlang bis zum Cap d’Erquy. Die Klippen erheben sich etwa 40 Meter aus dem Wasser. Die Rundumsicht ermöglicht uns, Taucher, Kajak-Paddler und Segelbote zu beobachten. Einige Kilometer weiter sind wir bereits wieder zurück bei unserem Zelt. Beim guten Wetter backen wir uns gleich noch eine leckere Aprikosenwähe fürs Abendessen.

Ähm wodure gahts?

Ähm wodure gahts?

Wenn Biker auf Boote treffen..

Wenn Biker auf Boote treffen..

Die Wetterprognosen in der Bretagne sind in etwa so präzise wie jene in Schottland. Etwa die nächsten drei Stunden können vorhergesagt werden, alles andere ist blühende Meteorologen-Fantasie. So verbringen wir den Morgen bei überraschend kühlem und nassem Wetter im Zelt. Immer wieder drückt die Sonne durch, sie schafft es jedoch nicht gegen die dunklen Regenwolken anzukommen. Erst gegen den Nachmittag lockert sich die Wolkendecke und wir fahren nach St. Malo. Bisher kennen wir die Stadt nur vom Aufdruck auf diversen Milchprodukten. Wir haben Mühe einen Parkplatz zu finden, da es a) keinen freien Platz Nähe der Innenstadt oder b) eine Einfahrsperre für Fahrzeuge grösser 1.9M hat. Frankreich ist wohl bis heute für den Citroen 2CV normiert. Mit etwas Glück finden wir dann doch noch einen Parkplatz und zwängen uns in die Touristenmassen von St. Malo. Die Gassen sind in etwa so voll wie in Zürich höchstens am 6i Lüte und selbst vor den Bankomaten bilden sich lange Schlangen.
Die damalige Piraten-Stadt ist von einer begehbaren Stadtmauer umgeben, welche einen schönen Blick auf die Stadt selber und die umliegenden Miniinseln bietet. Auch können wir die Gezeiten hautnah miterleben. Wir beobachten, wie zwei Bademeister bei Flug das Fort National räumen und die Touristen über eine immer kleiner werdende Landzunge zurück zu den Stadtmauern eilen. Binnen wenigen Minuten ist die kleine Insel vom Meer eingenommen. Nach dem Abendessen in einem der hunderten von Restaurants gehen wir erneut auf die Stadtmauer. Gerade noch rechzeitig bestaunen wir den schönen Sonneruntergang und den beeindruckenden Unterschied zwischen Ebbe und Flut. Wo zuvor noch Kinder Strandfussball spielten und Sonnenanbeter auf ihren Badetüchern lagen, ist nur noch metertief Wasser zu sehen.

Zwei Bademeister sorgen dafür, dass alle rechtzeitig die Insel verlassen

Zwei Bademeister sorgen dafür, dass alle rechtzeitig die Insel verlassen

Sonnenuntergang in St. Malo

Sonnenuntergang in St. Malo

Uns zieht es weiter, weiter westwärts in den äusseren Zipfel der Bretagne, dem Department Finistere. Nach fast drei Stunden Fahrt erreichen wir den Camping-Platz Ty Provost. Einmal anders als sonst, trohnt der Camping-Platz hoch über einem Fluss auf etwa 170 M.ü.M. Beim Abendessen geniessen wir die überragende Aussicht von unserem Horst aus.

Camping mit Aussicht

Camping mit Aussicht

Anschliessend planen wir die Biketour für den nächsten Tag.Die Tour ist im Schwierigkeitsgrad “dificile” eingeorndet, lässt sich jedoch auch nach einer intensiven Cidre und Camembert Diät gut fahren. In Sachen Sumpffaktor kann der Track mit jedem schottischen Wanderweg mithalten. Der Weg führt über Stock und Stein, mal bis zu 30cm unter Wasser, bis auf den mit 330 M.ü.M höchsten Hügel in der Umgebung . Viel höheres hat die Bretagne nicht zu bieten. Hier oben treffen sich Segelsportler aller Art, vom Paraglider bis zum Modellflieger. Allerdings ist deren Aktionsradius genau auf diesen einen Hügel beschränkt und es ist schon fast ein Wunder, dass sich hier niemand Gegenseitig in die Quere kommt. Wir schauen eine Weile dem regen Treiben zu und verlassen dann den Hügel über einen ruppigen Singletrail.

Wunderschöne Biketour..

Wunderschöne Biketour..

sogar mit Singletrail

sogar mit Singletrail

Das Wetter für die kommenden Tage ist eher trübe und nass. Wir nehmen die Gelegenheit wahr und führen kleinere Wartungs- und Reinigungsarbeiten an unseren Fahrrädern durch, welchen die vielen hundert Kilometern auf dem Radträger langsam deutlich anzusehen sind. Anschliessend fahren wir in die nächst grössere Stadt Quimper. Mit 60’000 Einwohner eine gute Grösse für ein anständiges Kaffee. Zu meiner Verwunderung verfügt Quimper aber auch über Charme. Alte Werkshäuser, Crepperien, Patisserien und in der Mitte der Stadt eine gigantische gothische Kathedrahle ähnlich der Notre Dame.
Im Cafe “Kafeenn” geniessen wir den ersten anständigen Kaffee in Frankreich.

Franzosen können auch Kaffee (ein paar wenige zumindest)

Franzosen können auch Kaffee (ein paar wenige zumindest)

Quimper

Quimper

Anschliessend gehen wir zu Leclerc einkaufen. Im riesigen Hypermarche komme ich aus dem Staunen in der Fisch- und Meeresfrüchte-Abteilung kaum heraus. Lebende Meeres-Schnecken, Moules Selbstbedienungstheke oder freilaufende Krabben die sich versuchen aus dem Staub zu machen, alles gibt es zu kaufen. Wir begnügen uns mit paniertem Fisch und Kartoffeln – lässt sich schliesslich mit unserer Camping-Ausrüstung auch besser zubereiten. Zurück in unserem Basislager lassen wir den Tag gemütlich ausklingen. Die Nachtruhe wird für einmal von zwei Igeln gestört, die sich direkt neben unserem Zelt stundenlang der Fortpflanzung widmen. Sachen gibt’s.

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Normandie

Als wir mit der Oscar Wilde in Cherbourg einfahren heisst uns das gute Wetter bereits wilkommen. Kurz darauf rollen unsere Reifen wieder auf dem Festland und endlich darf ich die Kreisel wieder Rechts umfahren.
In der Normandie kommt man natürlich um ein ganz grosses Thema nicht herum, egal wieviel Mühe man sich gibt; Der zweite Weltkrieg und insbesondere der D-Day vom 6. Juni 1944. Bereits auf der Autobahn machen grosse Plakate auf die Schauplätze des D-Day’s aufmerksam. Landungsstrände, Soldatenfriedhöfe, Museen und Gedenkstätten sind allgegenwärtig. Vorerst rauschen wir an allen vorbei und gelangen zügig bis nach Creully, ziemlich in der Mitte der schönen Normandie. Nach langer Recherche haben wir den Camping-Platz Les 3 Rivieres ausgewählt, da dieser über keinen Kinderspielplatz, keinen Wasserpark und keine Nachmittagsanimation verfügt. Hier bleiben wir gerne ein paar Tage. Nach einer kurzen Erkundungstour an den Juno Beach (Landungsstrand der Kanadier) gibt’s passend zur Region Camembert, Baguette und Cidre zum Znacht.

Typische Landschaft der Normandie

Typische Landschaft der Normandie

Um mein Französisch aufzufrischen besuche ich am Morgen als Erstes die nahegelegene Boulangerie. Zwei Croissants und ein Brot später geniessen wir unser Frühstück und machen uns dann mit den Velos auf nach Arromanches-les-Bains. Der Ort liegt am Gold Beach, dem Landungsstrand der Briten. Heute kann man hier zwischen verrosteten Überresten des Alliertenhafens den Badeurlaub verbringen. Vorbei an Panzern und Flugabwehrkanonen bahnen wir uns den Weg zum bekannten 360°-Kino. Dort lassen wir uns mit einem Kurzfilm zum “Débarquement du Jour-J” berieseln. Der Film ist gut gemacht, aber auch stellenweise etwas sehr dramatisch und irgendwie haben es die Macher geschafft, in einem Kurzfilm über den 2. Weltkrieg auch noch Katzenbabies unterzubringen. Weil Katzenbabies gehen immer. Im angrenzenden Souvenirshop kann man sich so ziemlich alles kaufen, auf dem sich das Wort D-Day aufdrucken lässt. Das ist uns dann doch ein wenig zu viel des Guten und so pedalen wir auf gemütlichen Landstrassen wieder heimwärts.

Arromanches mit den Überresten des Alliertenhafens

Arromanches mit den Überresten des Alliertenhafens

Allgegenwärtiger D-Day

Allgegenwärtiger D-Day

Der nächste Tag startet mit Regen. Die Sonne mag nicht wirklich durch die Wolken durchdringen. Gegen Mittag schaffen wir es dann doch noch, uns in Bewegung zu setzen und fahren mit dem Auto nach Bayeux. Bayeux gehört zu den wenigen normannischen Städten, welche im 2. Weltrkieg nicht dem Erdboden gleich gemacht wurden und verfügt daher noch über einen intakten alten Stadtkern. Im charmanten Städtchen ziehen wir durch die Gassen, kaufen sinnlose Souvenirs, trinken hässlichen Kaffee und mampfen leckere Crepes. Als der Regen wieder einsetzt, sind wir jedoch bereits wieder zurück im gemütlichen Tipi.

Adrian auf der Suche nach dem nächsten Sujet in Bayeux

Adrian auf der Suche nach dem nächsten Sujet in Bayeux

Am Mittwoch wollen wir uns ein wenig näher mit einem der drei Cs der Normandie (Cidre, Calvados, Cidre) beschäftigen. Im Hinterland der Normandie führt die Tour du cidre sternförmig von einem Produzenten (a.k.a. Bauernhof) zum nächsten. Auf 30km kommt man so an 25 Cidreproduzenten vorbei. Wir beschliessen die Route mit dem Fahrrad abzufahren, irgendwie müssen wir ja der allabendlichen Völlerei etwas entgegen wirken. Die Tour verläuft dabei über wenig befahrenen Nebenstrassen mit schöner Aussicht und an kleinen Dörfern, sowie logischerweise tausenden von Apfelbäumen vorbei. Irgendwann zwischen der zweiten und dritten Mosterei, genau dann als Katrin einige hundert Meter vor mir fährt, geht mir wortwörtlich die Luft aus. Anstatt dann an Ort und Stelle den Reifen zu flicken laufe ich Katrin hinterher und wähle dabei bei einem Abzweiger auch gleich noch den falschen Weg. Als ich nach 500 Metern keine Katrin finden kann, versuche ich sie per Mobiltelefon zu kontaktieren. Kein Netz. Ich laufe weiter bis mir endlich der Mobilfunkanbieter einen spärlichen Balken Netzabdeckung anbietet. Sogleich schicke ich Ihr meinen Standort und “han en Platte”. Leider hat auch sie kein Netz. Daraufhin entscheide ich mich dann doch, den Schlauch auszutauschen – haben ja glücklicherweise einen Ersatzschlauch dabei. Nach einer gefühlten Ewigkeit finden wir uns 2km abseits unserer Route an einer einsamen Strassenkreuzung wieder. Sogleich wird eine neue Regel für die Zukunft aufgestellt: Wer einen Platten hat, bleibt an Ort und Stelle!
Aufgrund des Zeitverlusts beschliessen wir die Tour etwas abzukürzen, der Nachmittag war ja nun aufregend genug. In Beuvron en Auge kaufen wir noch den einen oder anderen Cidre ein und machen uns dann auf den Heimweg. Und wie wir so im Stau von Caen stehen fällt uns auf, dass wir schon wieder nur mit einem funktionierenden Scheinwerfer unterwegs sind. Merde!

Aif der Route de Cidre..wieder vereint

Aif der Route de Cidre..wieder vereint

Google Maps sucht uns eine Toyota Garage auf dem Weg zu den Felsen von Étretat heraus, unserem nächsten Tagesprogramm. Wir schaffen es gerade noch vor der heiligen Siesta und die Franzosen geben sich äusserst viel Mühe, ihre schottischen Kollegen noch ein wenig zu übertreffen. Keine Minute müssen wir warten bis sich jemand um unser Problem kümmert und eine Viertelstunde später sind wir bereits wieder unterwegs. Mit all den neu glernten Ausdrücken könnte ich glatt ein eigenes Kapitel im Schulbuch verfassen – Adrian chez le garagiste.
Über die riesige Pont de Normandie, welche uns alleine über 10 € Maut kostet, gelangen wir nach Étretat. Der Ort ist bekannt für seine weissen Kreidefelsen und so spatzieren wir dem Küstenweg entlang und wundern uns wieder einmal über die unerschrockenen Touristen, welche auf jedem verfügbaren Vorsprung herum turnen.

Die Felsen von Étretat

Die Felsen von Étretat

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Auf dem Heimweg kommen wir noch an Honfleur vorbei, ein äusserst schönes Städtchen welches nur leider aus allen Nähten platzt. Wir belassen es bei einer kurzen Besichtigung und kämpfen uns dann durchs Verkehrschaos wieder Richtung Creully.
Am letzten Tag in der Normandie besuchen wir das alljährliche Käsefestival in Livarot. Das Festival besteht aus vielen kleinen Ständen, an denen sich hauptsächlich alles um Käse, Fleisch und Wein dreht. Kaum bleibt man länger als 2 Sekunden stehen, wird man so gleich dazu eingeladen etwas zu probieren. Wir kaufen Käse (der fortan dafür sorgt, dass man zum Öffnen unserer Kühlbox eine Gasmaske benötigt), natürlich Cidre und klemmen uns noch ein Baguette unter den Arm. Somit fallen wir schon fast nicht mehr als Touristen auf, den das einzige Vorurteil welches wir über die Franzosen bis anhin bestätigen können ist, dass sie praktisch in jeder Lebenslange, immmer und überall, mit mindestens zwei Baguettes unter dem Arm unterwegs sind.

Ein letzter Sonnenuntergang in der Normandie

Ein letzter Sonnenuntergang in der Normandie

Auf den Klippen bei Arromanches

Auf den Klippen bei Arromanches

Nach einer Woche Normandie ist es Zeit zu packen. Unser nächstes Ziel ist die Bretagne. Auf dem Weg dahin kommen wir am Tourihighlight schlechthin vorbei, dem Mont St. Michel. Über 3.5 Millionen Besucher im Jahr machen den Klosterberg zur meist besuchten Sehenswürdigkeit der ganzen Region. Da sich bereits ein Dorf vor dem offiziellen Parkplatz die Autos stapeln und man von Weitem ein Bus nach dem anderen über die Brücke fahren sieht, beschränken wir uns auf die Aussenansicht…auch schön.

Mont St. Michel

Mont St. Michel

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Irland

Kaum in Irland eingefahren, holt uns die Realität gleich wieder ein. Auf der Suche nach einem Zeltplatz brauchen wir mehrere Anläufe, da die Nordiren über das Wochenende und Sommerferien die irische Region Donegal komplett in Beschlag genommen haben. Die Zeltplätze sind mehrheitlich triste Caravan Parks wo ein Motorhome neben dem anderen steht. Durch einen Tipp kommen wir doch noch für überteuerte 25€ in einer Caravan Siedlung unter. Der “Zeltplatz” ist eine weitere Perle der Kategorie Hinterhof. Das Zeltareal ist ein schmaler Streifen vollgemüllte Wiese, zwischen Zaun und Motorhomes. Duschen kann man nur im benachbarten Leisure Center, welches aber erst um 12:00 Uhr öffnet und um 18:00 Uhr wieder schliesst. Unsere einzigen Zeltnachbarn kommen um 02:00 Uhr vom Pub nach Hause und haben offenbar noch reichlich Rede-und anderen Bedarf. Der nächste Morgen gibt sich Mühe, uns mit schönem Wetter gnädig zu stimmen und fast hätten wir den besoffenen Iren, welcher neben unserem Zelt im Koma liegt, übersehen. Die Region ist eigentlich sehr schön, wenn unser Einstieg nur nicht so holprig verlaufen wäre. Verfolgt von den Nordiren flüchten wir von der Nordküste an die Westküste und nutzen den sonnigen Tag für eine wunderschöne Küsten-Wanderung. Kaum haben wir den Touristenparkplatz verlassen, laufen wir alleine am Rande der 300 Meter abfallenden Klippen entlang und geniessen die warmen Temperaturen und die schöne Wanderung auf den Slieve League.

Die Steilküste Slieve League

Die Steilküste Slieve League

Auf dem Weg zum gleichnamigen Gipfel

Auf dem Weg zum gleichnamigen Gipfel

und oben...

und oben…

Das Zelt schlagen wir wieder auf einem unattraktiven Camping & Caravan Park auf, jedoch mit wesentlich mehr Grünfläche. Das Frühstücks-Highlight bieten unsere selbstgebackenen Scones. Anschlissend fegt der Landcruiser mit 100 Sachen über die irischen Landstrassen und wir fahren gegen Nachmitag in Galway ein. Galway ist die erste britische/irische Stadt, die einen gewissen Charme ausstrahlt. Mit dem Klang von Uillean Pipes und Stepptanz in den Gassen nimmt uns die schöne Kleinstadt in Empfang. Wir schlendern herum, gönnen uns ein Cheeseboard mit Weisswein und in einem touristenarmen Quartier finden wir auch ein Lokal das uns gefällt und bestellen uns ein Irish Beef auf den Teller. Auf dem nach Hause Weg bleiben wir noch bei den diversen Strassenmusikern stehen und geniessen die ausgelassene Stimmung in den lebhaften Gassen von Galway. Die Nacht verbingen wir im B&B Bayview House (allerdings eher mit Wall View als mit Bay View) und schlafen wiedermal richtig schön aus.

Cheese

Cheese

Eine tolle Band namens Bianco Sporco, die irgendwie latino Klänge mit irischem Steptanz verbinden

Eine tolle Band namens Bianco Sporco, die irgendwie latino Klänge mit irischem Steptanz verbinden

Die Strassen sind auch an einem gewöhnlichen Montagabend brechend voll

Die Strassen sind auch an einem gewöhnlichen Montagabend brechend voll

Auch Kayaker gibt's in Galway zu bestaunen

Auch Kayaker gibt’s in Galway zu bestaunen

Als wir uns gegen Mittag auf dem weiteren Weg in richtung Süden machen, kommen wir an den “Cliffs of Moher” vorbei, der wohl bekannteste Sight Seeing Spot in ganz Irland. Dank eines ausgeklügelten Plans sparen wir uns die Parkgebühr und rollen vom benachbarten Kaff mit den Velos ein. Die Steilklippen bieten eine beeindrukende Szenerie, jedoch mit hunderten von Touristen. Allen Warnungen zum Trotz posieren diese gefährlich nahe am Abgrund – uns bleibt nur das Staunen. Bald hat uns jedoch das schlechte Wetter eingeholt und wir düsen auf unseren Fahrrädern zurück zum Auto.

Cliffs of Moher bei sehr undankbarem Fotowetter

Cliffs of Moher bei sehr undankbarem Fotowetter

Cliffs of Moher

Cliffs of Moher

Mit bitzeli vill Lüt

Mit bitzeli vill Lüt

Wir fahren weiter zum Strand Camping Doonbeg, endlich ein Camping-Platz der nach unseren Recherchen auf die Bedürfnisse von Zeltbewohnern eingeht. Als wir ankommen erfahren wir, dass es keine freien Plätze mehr gibt. Katrin ahnt schon böses, geht nun schonwieder die lange Suche nach einem Zeltplatz los?!? Der nächste Camping-Platz liegt zwar nur 20 Minuten entfernt, jedoch ist es bereits 18.30 Uhr. Auf den Britischen Inseln gehört es zum guten Ton, zwischen 16.00 und 18.00 Uhr anzureisen. Purecamping auf der schönen Halbinsel Loop Head hat jedoch noch genügend Platz, sogar für unser Tipi. Mit Schubkarren schieben wir unser Material quer über den Zeltplatz und bauen unser Basecamp für die nächsten Tage auf. Kaum aufgestellt peitscht der irische Sommerregen aus allen Richtungen nur nicht von oben mit bis zu 60km/h auf das Zelt ein, von Nachtruhe keine Rede. Und so ist die stürmische Nacht dann auch das ultimative Thema am Frühstückstisch in der Gemeinschaftsküche.
Dem launischen Wetter zum Trotz machen wir einen Ausflug zum Loop Head Leuchtturm. Nach einem kurzen Versorgungsstop im nächsten Art-Caffee geht es über schmale Hinterlandstrassen zur Spitze der Halbinsel. Selbstverständlich sind wir wiederum geizig und bezahlen keine 7€/Person um den Minileuchtturm zu besteigen. Als wir den Klippen entlang spatzieren, endecken wir endlich Delphine (drei grosse Tümmler). Kaum entdeckt sind die Drei auch schon wieder abgetaucht.

Der stürmische Wind sorgt für hohe Wellen..

Der stürmische Wind sorgt für hohe Wellen..

bringt aber auch das schlechte Wetter mit

bringt aber auch das schlechte Wetter mit

cof

Wind macht lustig

Wind macht lustig

Als der Regen naht, flüchten wir ins Auto und fahren zurück zum Zelplatz. In der Campers-Kitchen ist schon reger Betrieb. Hervorragend geeignet für allerlei zwischenmenschliche Studien, aber auch immer wieder ein Beweis dafür, dass die meisten Menschen einfach Schweine sind. Erschwerend kommt hinzu, dass Briten und Iren beim Fleisch anbraten in der Regel einen dichten Krematoriumsnebel produzieren. Wir verschwinden als die Düfte ungeniessbar werden. Zurück im Zelt stellen wir uns auf eine weitere windige Nacht ein.
Die Nacht ist entsprechend lange und unruhig. Die Wetterprognose für die nächsten Tage lässt kaum auf Besseres hoffen. Mit Windchill reicht es gerade Mal für 10°C – Wow! Ausser Wäsche waschen, Essen einkaufen und eine neue Gas-Flasche besorgen, geschieht an diesem Donnerstag nicht viel. Meine Stimmung ist gedämpft. Etwas demotiviert von Wind und Wetter entscheiden wir uns dafür, die nächstmögliche Fähre nach Frankreich zu buchen. Diese fährt am Sonntag Nachmittag ab Rosslare (am südwestlichen Zipfel von Irland), so haben wir noch knapp 2 Tage Zeit, um die 440km bis dorthin zurück zu legen.
Am nächsten Tag brechen wir bei trügerisch heiterem Wetter gegen Mittag mit Sack und Pack auf. Gerade noch auf den letzten Drücker schaffen wir es auf die Fähre für die Flussüberfahrt vom River Shannon. Auf der anderen Seite angekommen fahren wir weiter nach Kenmare, einem schönen alten irischen Städchen. Wir schlagen unser kleines Zelt auf und schlendern durch das Dörfchen. Eine Verkäuferin erzählt uns, dass Kenmare unter den Top Cities rangiere und sich gar President Trump schon überlegt habe, hier zu wohnen. Im Coachmans Townhouse lassen wir es uns gut gehen bei ungewohnt gut gewürztem Essen und lokalem Ale. Nach der musikalischen Darbietung des Gastmusikers gehen wir müde und zufrieden zu Bett. Da der wind nach drei Tagen etwas nachgelassen hat, freuen wir uns darauf, wieder einmal durch zu schlafen. Unsere Hoffnungen werden um 1 Uhr Morgens durch ein Pärchen zerstört, welches den ganzen Campingplatz an seinen Beziehungsproblemen teilhaben lässt.
In den Tag starten wir dafür im äussers gut besuchten Maison Gourmet. Einem authentischen französischen Caffee mit erstklassigen Backwaran wie wir sie schon lange nicht mehr erlebt haben. Die Vorfreude auf die Normandie steigt sprunghaft an. 8000 Kalorien später sitzen wir wieder im Auto in Richtung Rosslare. Unsere Reise führt uns für einen Zwischenhalt in die zweitgrösste Stadt Irlands, Cork. Als Touristen haben wir keine Parkkarte, also frage Ich den Polizisten wo ich eine solche erhalte. Er: “You have a swiss plate? ah, go away – we can’t find you anyway, can we?”. Aha, hätten wir das von Anfang an gewusst, so hätten wir uns sämtliche Parkuhren sparen können :-)

cof
Cork hat nicht wirklich viel zu bieten und wir fahren nach einem ausgedehnten Stadtspaziergang, Sushi Rollen und Kaffee weiter nach Waterford, genauer nach Dunmore East. Es erwartet uns die quirlige Enda und Bob in unserer ersten Airbnb Unterkunft. Gegen Abend folgen wir Bob’s Tipp und Essen inmitten der Irischen Upperclass im “The Strand Inn”. Mein erster Hummer zu knacken gelingt ziemlich gut. Bis auf die verdammte letzte Schere, welche wie in Zeitlupe in hohem Bogen bis zum Nachbartisch fliegt. Möglichst unaufällig sammeln wir diese wieder ein, s’hets niemert gseh!
Kugelrund gehts dann ab ins Bett.

Nachdem wir sicherheitshalber alle Sharp Objects in den tiefsten Untiefen unserers Autos versteckt habe, verläuft der Checkin diesmal ohne Probleme und wir befinden uns nun bereits auf der Fähre Richtung Frankreich. Irland haben wir leider etwas im Asiatenmodus durchreist. Es ist zweifelsohne ein sehr schönes Land, aber nach 5 Wochen Schottland merken wir, dass uns die vorherrschenden Landschatfsformen nicht mehr genug reizen um jede Halbinsel und jeden Zipfel ab zu fahren. Zudem haben wir einfach langsam Lust auf Temperaturen über 20 Grad und Campingplätze die diesen Namen auch verdienen. Irland hat uns und unsere Ausrüstung wettertechnisch nochmals richtig gefordert. Im Vergleich dazu, erscheinen uns unsere 2 Monte Island wie Ferien in der Südsee. Vielleicht ist unsere Erinnerung aber auch ein wenig verklärt, weil wir die Hälfte des Tages jeweils in einem 42 Grad warmen Hotpot verbracht haben.

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Nordirland

Nach knapp 3 Stunden Fahrt erreichen wir den Fährhafen in Cairnryan. Am Checkin werden wir von zwei Fährmitarbeitern empfangen. Die beiden Kontrolleure nennen wir mal Good Cop und Bad Cop. Bad Cop und Good Cop würden gerne den Inhalt unserer Boxen sehen. Good Cop hätte eigentlich schon aufgegeben, als er erfährt, dass wir den Kofferraum nicht ohne abmontieren der Bikes öffnen können. Bad Cop allerdings reicht das nicht. So entfernen wir Bikes und Spanngurte und dürfen eine Kiste nach der anderen ausladen. “Ah..just camping gear”..ah nei ächt? Während Bad Cop uns rumkommandiert, ist es dem Good Cop ein wenig unangenehm. Zuerst entschuldigt er sich diverse Male für die Unanemhlichkeiten und drückt dann ein wenig verlegen bewundernd an den Bremshebeln unserer Bikes herum, “nice Bikes!”…”really nice bikes!”….den Flugrost den die Bikes mittlerweile angesetzt haben, hat er dabei wohl übersehen. Während wird alles wieder einpacken, nimmt Bad Cop unser Auto im Vorderbereich auseinander und fördert dabei zielsicher Dinge zu Tage, von denen wir selbst nicht mal hätten sagen können, wo in unserem Auto diese sich gerade befinden. Blöderweise befindet sich darunter Adrian’s in Finnland erworbenes Samen Messer. “WHAT DO YOU NEED THIS FOR?”…ähm…cutting..food and…wood?…”WHY DO YOU HAVE THIS IN YOUR FRONT DOOR!”…wilmer villicht sit 5 Wuche mehr oder weniger i dem Auto lebed und oise ganz Hushalt mitschlepped huere siech!!…Bad Cop behandelt uns jetzt erst recht wie ein hochverdächtiges Terroristenpärchen, als hätten wir vor, mit einem finnischen Souvenir die ganze Fähre abzuschlachten. Wir werden noch etwa 5 mal gefragt ob wir andere spitze Gegenstände im Auto hätten..mmm…No?..nur noch etwa 4 Küchenmesser, einen Leatherman, ein Sackmesser und eine…Axt? Bad Cop klärt uns darüber auf, dass unser Messer als dangerous Weapon klassifiziert wird, weil die Klinge länger als 7cm sei, was sie natürlich auf den ersten Blick und ohne Nachmessen erkannt hat (ich werde das zu Hause nach messen). Ein Supervisor müsse nun darüber entscheiden, ob wir es behalten dürfen oder nicht. Echt jetzt?…also wird der Supervisor gerufen, welcher glücklicherweise äusserst gut gelaunt ist und so dürfen wir das Messer behalten. Good Cop entschuldigt sich nochmals ausführlich und dann dürfen wir uns endlich in die Warteschlange einreihen. Mein Güte..wir haben ja schon so einige Fähren genommen auf unseren Reisen. Aber noch gar nie hat sich auch nur irgendwer für den Inhalt unserers Autos intressiert, geschweige den selbiges durchsucht. Ist ja irgendwie auch ein Witz. Wahrscheinlich hat jedes Wohnmobil und jeder Camper Messer mit Klingen um die 7cm an Board. Ja nu…kaum sind wir an Board ist der Ärger verflogen und wir geniessen eine schöne Überfahrt bei Sonnenschein. Nur 2h später sind wir in Nordirland, genauer in Larne, etwa eine halbe Autostunde nördlich von Belfast.

Wir landen auf einem sehr seltsamen Campingplatz wo wir von Nelson mit 4 Zähnen in Empfang genommen werden. Das Zelt schlagen wir neben einem Baucontainer auf. Dafür ist der Platz unschlagbar billig, für 20 £ bleiben wir zwei Nächte. Für den nächsten Tag ist ein Citytrip nach Belfast geplant. Mit dem Zug fahren wir eine knappe Stunde in die Hauptstadt Nordirlands. Belfast ist keine Schönheit…und das ist noch freundlich ausgedrückt. Es ist sicherlich nicht hilfreich für den ersten Eindruck, dass wir als erstes im heruntergekommenen Westbelfast landen. Hier merkt man schnell, dass der Nordirland Konflikt alles andere als Geschichte ist. Dies liegt hauptsächlich darann, dass hier die sogenannten “Peace Walls” stehen. Ein hoher Zaun, welcher die katholischen von den protestantischen Quartiern trennt. Die grossen Tore im Zaun werden auch heute noch in der Nacht geschlossen und ein Grossteil von Belfasts Einwohnern ist der Meinung, dass die Peace Walls nach wie vor nötig sind, um den Frieden zu wahren. Rund um die Peace Walls besichtigt man als Tourist hautpsächlich die Murals, Wandgemälde die zwar sehr schön aussehen, allerdings hauptsächlich für Propaganda und sonstige politischen Parolen gentutz werden. Ob man sich auf der katholischen oder protestantischen Seite der Mauer befindet, merkt man relativ schnell anhand der Botschaften auf den Murals und der gehissten Flaggen. Wir befinden uns auf der katholischen Seite, entsprechend wehen Irland Flaggen und die Parolen sind sehr anti Britisch. Mich persönlich bedrückt dieses Viertel mit seinen Mauern, Zäunen und Stracheldrähten sehr und dass dies eine der Haupttouristenattraktionen Belfasts ist, macht das Ganze nur noch depremierender. 15 Minuten Fussmarsch später finden wir dann noch noch einen ansehnlichen Teil Belfasts und hier ist dann gar nichts mehr von politischen Botschaften zu sehen. Wir landen in einem sehr hippen Cafe, wo wir wieder einmal den Versuch Filterkaffee wagen. Nein, es schmeckt uns immer noch nicht. Danach besuchen wir das Titanic Musuem, welches 2016 zur weltbesten Touristenattraktion gekürt wurde. Überhaupt ist in Grossbritannien immer alles “Award Winning”, vom Glace bis zum Smoke House. Das Museum ist jedoch wirklich sehr aufwändig und schön gemacht und so kommen wir erst 2 Stunden später wieder ans Tageslicht. Nach einem eher faden Abendessen nehmen wir den Zug zurück nach Larne.

Peace Walls eignen sich auch für Werbung

Peace Walls eignen sich auch für Werbung

Aber hauptsächlich für Murals mit politischen Botschaften

Aber hauptsächlich für Murals mit politischen Botschaften

cof

cof

Am nächsten Tag packen wir zusammen und fahren der Küste entlang Richtung Norden. Die Küstenstrasse wurde uns als “schönste Küstenstrasse in ganz Irland” angepriesen, wir findens eher so mässig. In Nordirland gibt es neben Belfast drei Attraktionen, the Giants Causeway (Basaltsäulen), eine Hängebrücke und Game of Thrones Schauplätze. Die Serie wird seit 5 Jahren zu einem grossen Teil in Nordirland gedreht. Darauf ist man hier sehr stolz und es ist ein ganzer Tourismuszweig daraus entstanden. Da wir beide die Serie noch nie gesehen haben, bleiben Basaltsäulen und Hängebrücke. Wir haben allerdings keine Lust 40 Franken Eintritt zu bezaheln und lassen somit beides aus.

Letze Station ist Derry (eigentlich Londonderry, aber das mögen die katholischen Einwohner wohl nicht so). Auch Derry war ein wichtiger Schauplatz des Nordirland Konflikts. Im katholischen Teil sind wiederum Murals zu sehen, Plakate fordern die Freilassung ehemaliger IRA Mitglieder und riesige Graffitis “End british rule”.

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Doch noch was schönes gefunden

In den Strassen von Derry

In den Strassen von Derry

Murals am Free Derry Corner

Murals am Free Derry Corner

Ich habe nun definitiv genug von dem Ganzen und bin nicht unfroh, dass wir wenig später die Grenze zu Irland passieren. Dies merken wir allerdings nur, weil plötzlich km/h unter der Geschwindigkeitsbegrenzung steht. Nordirland verbuchen wir unter “interessant”.

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Northern Highlands

Wie geplant stehen wir am Freitag um punkt 12:00 Uhr vor dem Checkin für die Fähre. Trotzdem schaffen wir es “nur” auf Platz 2 in der Standby Lane. Die Zeit bis zum Boarding und der Entscheidung ob wir mit dürfen oder nicht, vertreiben wir uns bei Kaffee und Shopping im kleinen Stornoway. Kurz vor 14:00 beginnt pünktlich das Verladen der Fähre und nachdem alle drin sind geht’s ruckzuck, Tickets abgeben und drin sind wir. Heute haben sogar alle Glück und die gesamte Standby Lane findet noch Platz auf der Fähre. So rollen wir 2 Tage früher in Ullapool wieder zurück aufs Festland. Etwa eine Autostunde nördlich von Ullapool schlagen wir unser Basecamp auf. Leider ist das Wetter alles andere als gemütlich und wir müssen wieder einmal im Zelt kochen. Während der Zeltofen unsere Füsse wärmt und den Kaffee kocht beschliessen wir, dass dies der nördlichste Punkt unserer Reise sein wird und wir uns somit langsam Richtung Fähre nach Nordirland bewegen werden. Da diese unterhalb von Glasgow fährt, wird es allerdings noch ein wenig dauern, bis wir die Strecke zurück gelegt haben.
Am nächsten Tag erwachen wir bei 1A schottischem Sprühnebelregen und so ist est einmal Ausschlafen angesagt. Erst gegen Abend wird es dann ein wenig trocken und wir wagen uns doch noch nach draussen um eine kleine Küstenwanderung zu unternehmen, welche uns wie immer durch sumpfige Wiesen zu einer Felsnadel im Meer führt. Danach geniessen wir sogar noch so etwas wie einen Sonnenuntergang beim Stoer Lighthouse, während uns der eiskalte Wind um die Ohren pfeift.

Stoer Lighthouse

Stoer Lighthouse

Ebendieser starke Wind, sorgt dann auch für eine äusserst unruhige Nacht und das Zusammenpacken am nächsten Tag wird zur richtigen Challenge. Irgendwann ist dann alles Material ohne Verluste im Auto verstaut und wir machen uns auf die Suche nach etwas zu essen. Als uns wieder mal nur Closed Schilder begrüssen wird uns klar, dass heute Sonntag ist und so müssen wir vorerst hungern. Da Petrus gerade ein vierstündiges Schönwetterfesnter eingelegt hat, machen wir Halt beim Stac Pollaidh, einem kleinen Berg zwischen Lochinver und Ullapool. Da wir immer noch nichts gegessen haben, müssen wir notgedrungen einfach das essen, was gerade verfügbar ist und sich nicht irgendwo in einer Kiste im Kofferraum befindet. In dem Falle 4 Bananen, eine Tüte Chips und Macadamia Nüsse. Dies reicht vorerst um den Gipfel zu besteigen und der weiterhin heftige Wind schiebt uns freundlicherweise schon fast den Berg hoch. Wir geniessen soweit möglich das schöne Panorama und kämpfen uns dann gegen den Wind wieder runter. Dieser ist allerdings so heftig, dass wir stellenweise fast nicht mehr vorwärts kommen.

Gipfel geschafft

Gipfel geschafft

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Abstieg

Abstieg

Aber irgendwann ist es dann doch noch geschafft und in Ullapool finden wir dann endlich auch noch etwas richtiges zu essen. Nach einer weiteren Stunde sind wir bei unserem Campingplatz für die kommende Nacht angekommen. Das Wetter ist mittlerweile einfach nur scheisse. Orkanwinde, Sprühnebelregen und gefühlte 0 Grad. Brrr! Aber der Wetterbericht verspricht für die kommenden Tage Sonne und motiviert uns zum durchhalten. Den Abend verbringen wir in der Gemeinschaftsküche des Campingplatzes. Man könnte Stunden zubringen, den Briten bei ihren Kochverbrechen zu zu schauen. Verkohlte Fajitas mit Tomatenpüree und Tütenkäse Füllung ist dabei das Highlight.
Am nächsten Tag hat endlich der Wind nachgelassen und wir finden zur Abwechslung ein nettes Cafe fürs Frühstück und siehe da, bis wir fertig gegessen haben werden die blauen Löcher in der Wolkendecke immer grösser und grösser. Liegt wohl darann, dass Adrian mutig seinen Blackpudding (Blutwurst) aufgegessen hat. Bereits eine Stunde später düsen wir bei schönstem Sommerwetter der Küste entlang, von der wir für einmal auch etwas sehen.

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Unser Zwischenziel heisst Applecross, ein Miniort der eigentlich nur aus zwei Restaurants und einem Campingplatz besteht. Wir beschliessen hier zu bleiben und geniessen für einmal einfach nur das schöne Wetter bei Bier, Lachsbrötchen und Steinpilz Polenta. Sogar die kurzen Hosen kommnen zu ihrem ersten schottischen Einsatz. Nahtlos geht es am nächsten Tag mit Sonne weiter. Nachdem wir endlich wieder einmal draussen frühstücken können, machen wir noch eine kurze Wanderung. Dazu befahren wir den Bealach na Bà, einer der höchsten Strassenpässe Grossbritanniens. Dies klingt spektakulärer als es ist, aber die Aussicht rüber nach Skye ist phänomenal. Nur gerade 15 Minuten nach dem wir den Rummel auf dem Parkplatz des Passes hinter uns gelassen haben, finden wir uns in absoluter Bergeinsamkeit wieder. Unser Ziel ist ein weiterer unausprechlicher Berggipfel namens Sgurr a’ Chaorachain welchen wir über einen sehr schönen Grat nach gut einer Stunde erreichen.

Der heutige Bergpreis

Der heutige Bergpreis

Mit schönen Weit..

Mit schönen Weit..

und Tiefblicken

und Tiefblicken

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Für einmal ist es sogar warm genug für eine Gipfelrast und wir geniessen noch ein wenig das weitreichende Panorama über die Highlands und die Isle of Skye, ehe wir uns wieder auf den Rückweg machen. Den restlichen Nachmittag liegen wir faul an der Sonne und nach einer Schüssel Pasta Carbonara geht’s zum Sundowner ins Pub, wo wir sogar bis um 22:00 Uhr im T-Shirt draussen sitzen können. Ach Schottland, hättest du doch nur ein paar Tage mehr wie diesen, wir würden es noch viel länger bei dir aushalten. Der Wetterbericht prognostiziert jedoch bereits das Ende des kurzen Ausfluges in den Sommer.

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Auch auf dem Weg ins Pub?

Sad Hochlandrind

Von Applecross geht es, unterbrochen von einem kurzen Seafood Dinner Stop in Oban, zurück an den Loch Lomond, wo wir uns wieder einmal in einem Hotel einmieten. Hier in den Trossachs startete vor fast 5 Wochen unser Schottland Abenteuer und hier ist es wieder fast zu Ende. Nur noch 2h Fahrt trennen uns von der Fähre nach Nordirland.

Es waren tolle Wochen in diesem Land mit seiner wilden Natur, den schön geformten Munros, den türkisblauen Stränden, den äusserst freundlichen Menschen und dem (meistens) beschissenen Wetter :) Aber jetzt ist es Zeit für etwas (halbwegs) Neues. Wir freuen uns auf Nordirland und Irland!

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Äussere Hebriden

Der erste Tag auf North Uist bringt erst einmal Regen, obwohl der Wetterbericht nur Sonne vorausgesagt hat. So verbringen wir den Vormittag mit Auto aufräumen, Wäsche waschen und Blog schreiben. Am Nachmittag trifft dann der Wetterbericht doch noch ein und wir verbringen ein paar Stunden an den schönen Stränden von Northern Uist. Kaum haben wir dann unser Znacht gekocht, wird es dann auch recht schnell ziemlich kühl und wir verkriechen uns bei kuschligen 9 Grad in unsere Schlafsäcke.

Südseefeeling..

Südseefeeling..

auf den äusseren Hebriden

auf den äusseren Hebriden

cof

Ebbe

Ebbe

Am Dienstag packen wir dann unser Tipi bereits wieder zusammen und nehmen die paar Meilen nach Eriskay unter die Räder. Am Fährhafen lassen wir unser Auto stehen und fahren für einmal nur mit zwei Rädern und unserer leichten Zeltausrüstung auf die Fähre nach Barra, einer kleinen Insel unterhalb von South Uist. Das Wetter ist für einmal prächtig und so rollen wir 40 Minuten später mit unseren Bikes gut gelaunt von der Fähre. Erstes Ziel ist der Flughafen von Barra, wo die Flieger auf einem flachen, langen Strand landen. Wir haben Glück und nur wenige Minuten nach unserer Ankunft fliegt eine Twin Otter weniger Meter an uns vorbei um zu landen. Wir genehmigen uns noch ein Sandwich im Flughafen Cafe und strampeln dann weiter auf die Ostseite der Insel, bis wir im stetigen auf und ab am südlichsten Zipfel der Insel angekommen sind. Einen der Strände suchen wir für unser Nachtlager aus. Wir wähnen uns schon in totaler Einsamkeit, als am späteren Abend noch eine ca. 20 köpfige Jugendgruppe auftaucht und ihre Zelte direkt neben uns aufbaut. Das war’s dann mit unserer Einsamkeit..jä nu. Wir schauen aus unserem Zelt noch eine Weile dem Sonnenuntergang zu, bevor wir begleitet vom Wellenrauschen einschlafen.

Twin Otter im Anflug, Glasgow - Barra

Twin Otter im Anflug, Glasgow – Barra

Der Flughaven von Barra

Der Flughaven von Barra

Vorbei an Traumstränden..

Vorbei an Traumstränden..

zu unserem Nachtlager

zu unserem Nachtlager

Der nächste Morgen weckt uns früh, weil es zu warm wird im Schlafsack. Wir packen zusammen und pedalen zurück Richtung Fähre. Die vielen Steigungen bringen uns in unseren langen Hosen dann doch recht ins Schwitzen, ehe wir knapp 2 Stunden später am Fährhafen eintrudeln. Zuürck auf South Uist fahren wir einmal quer über die Insel um am anderen Ende die Fähre nach Harris zu erwischen. Wir haben für einmal Glück und unser Auto passt gerade noch als Letztes auf die kleine Fähre.

Glück gehabt..

Glück gehabt..

Da für die nächsten Tage Schlechtwetter angesagt ist, schlagen wir wiederum nur unser kleines Zelt auf. Wir wollen möglichst bald wieder zurück aufs Festland, von Stornoway fährt eine weitere Fähre nach Ullapool. Doch im Ticketoffice in Tarbert heisst es wieder einmal: Sorry, fully booked. Der nächste freie Platz gibt’s erst am Sonntag! Uff…wir lassen uns auf die Sonntagsfähre buchen und beschliessen, trotzdem mal Richtung Stornoway zu fahren. Bis am Sonntag können wir uns theoretisch zweimal täglich in die “Standby Lane” stellen und hoffen, dass es doch noch Platz hat.
Heute ist es zudem recht schwierig, irgendwo ein Cafe zu finden. Die wenigen Möglichkeiten rund um Tarbert empfangen uns alle mit einem “Closed” Schild. Heute ist irgend eine Agrikultur Show, an deren sich offenbar die halbe Insel befindet und daher hat niemand Zeit, die Touristen zu bedienen. Dafür treffen wir auf einem Parkplatz auf einen Schotten, der Fisch aus seinem Kofferraum verkauft. Wir erstehen geräucherte Makrelen und “because you’re on vacation you buy 1 and get 2!”…für schlappe 2.50£ erstehen wir also 2 Packungen und unser Znacht steht somit auch schon fest. Aufgrund des Wetters schlafen wir heute für einmal in einem “Bunk House”, also sowas ähnliches wie eine Jugendherberge. Morgen wollen wir es dann doch einmal mit der Standby Lane versuchen. Wir werden sehen!

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