Askja, Kverkfjöll und zurück zum Anfang

Ruhig schlafen im Hochland? Bestimmt nicht, wenn es sich um einen der schönsten Hochlandzeltplätze handelt, Hedubreidarlindir. Kaum in den Schlafsack gekrochen werden wir von geschätzten zehn Iglu-Zelten umringt. Obschon der Zeltplatz genügend Platz zur Verfügung stellt – russische Zelte sind offenbar Rudeltiere. So durften wir auf ein Neues bis in die Nacht der slavischen Sprache, dem Zeltaufbau und den Kochgeräuschen lauschen.

Rache ist süss – wir wollten wegen der langen Fahrt und des Verkehrs möglichst Früh zur Askja fahren, der Wecker piepste pünktlich um Sieben. Bereits 15 Minuten vor dem Wecker liessen unsere Nachbarn (das nächste Zelt war quasi in unserem Vorzelt aufgebaut worden, 50cm neben uns) den Reisverschluss-Schlitten sanft einige Male hin und her gleiten… rrrrrrrrrrrrrrratschhhhhhhhhh rrrrrraaaatschhhhhhhhh… – Grml. Wir gaben uns dann auch nicht mehr sonderlich Mühe leise zu sein.

Bei fast perfektem Wetter ging es über die F88 und F894 bis zum Askja-Parkplatz, die letzten Meter geht man zu Fuss. Zwei Tage zuvor wurde (extra für uns ;)) das letzte Teilstück bis zum Parkplatz für Autos freigegeben, zuvor war das Teilstück noch wegen Schnee gesperrt und nur durch Snowcat oder zu Fuss zu bewältigen.

Öskjuvatn in der Askja Caldera

Öskjuvatn in der Askja Caldera

Ganz alleine durften wir nun die Askja für uns geniessen, kurz darauf kamen vereinzelt andere Individualreisende – zu unserem Erstaunen liegt dort oben noch einiges an Schnee, praktisch der ganze Weg bis zum Vitikrater liegt noch unter einer weissen Decke. Auf dem Rückweg pilgerte uns dann bereits der Bustourismus entgegen. Glück gehabt, dass wir dem entkommen sind. Bei der Weiterfahrt waren wir dann schon fast ein wenig sentimental. Vor drei Jahren sind wird diese Strecke mit dem Superjeep von Geotravel chauffiert worden. Wer hätte gedacht, dass wir sie einmal mit unserem eigenen Auto befahren werden?

Herdubreid

Herdubreid

Weiter ging es durch eindrückliche scharfkantige Lavalandschaft über die F910 und F902 zum Hochlandzeltplatz Kverkfjöll. Bis wir dort ankamen habe ich um unsere BFGoodrich Reifen Blut und Wasser geschwitzt, höhrte ein Pffffffffffffft…, sah den Reifen schon platt vor mir und mich am Hi-Lift. Aber alles nur Paranoia, ohne Probleme rollten die Reifen bis zu unserem Tagesziel. Geschafft!

Eine kleine Wanderung am frühen Nachmittag kann ja nicht Schaden, und so machten uns auf zur nahegelegenen Ishellir. Drei Kilometer, 200 Moränenhügel und zwei Stunden später liefen wir an der unspäktakulären Eishöhle unbemerkt vorbei, genervt vom permanenten Gegenwind der um die Ohren pfiff. Dass die Höhle vor ein paar Jahren eingestürzt ist, wussten wir. Aber da trotzdem ständig von Eishöhlen die Rede ist, dachten wir, dass zumindest noch irgendwas zu sehen ist. Aber entweder waren wir nicht am richtigen Ort, oder dass was man hier vollmundig Ice Caves nennt, wäre in jedem anderen Land einfach in Gletschertor, für dass keine Sau 100km in die absolute Einöde fahren würde. Auf dem Rückweg setzte dann der Hunger ein und so wurde das Gehen in den Schuttbergen des Gletschers noch mühsamer. Aus dem kleinen Abendspatziergang wurde eine fast 4 stündige Wanderung. Die Laune war etwas getrübt, aber nichts was ein Hörnlisalat und eine Packung Maltesers nicht richten könnte.

Kverkfjöll

Kverkfjöll

Gemäss gestrigen Abklärungen liebäugelten wir heute mit einer Gletscherbesteigung zum geothermalen Gebiet auf 1800 M.ü.M. Der Wetterdienst erzählte jedoch von Schauern bis zu Sonnenschein alles – und das bei Windgeschwindigkeiten von 20m/s. Der Hüttenwart riet uns von dem Unternehmen ab. Immer wieder verwunderlich, wie unterschiedlich die Aussagen zum Teil sind. Die Hüttenwartin vom Vortag meinte noch, es wäre eigentlich nicht so schwierig. Aber irgendwie waren wir auch nicht so wahnsinnig motiviert und so ging es mit dem Auto weiter dem schönen Wetter entgegen Richtung Egilsstadir. Es dauerte ca 2 Stunden bis wir auf Gegenverkehr trafen.

Mitten in der Wüste

Mitten im Nirgendwo

Schönste Pisten, frische Sandverwehungen und einige Furten erlebten wir auf der F903 und F910 bis wir in der Hauptstadt des Ostens wieder auf Zivilisation trafen. Bei der letzten Furt warteten 5 Zuschauer mit ebenso vielen Kameras auf uns, was die Fahrerin etwas nervös machte. Prompt die Untersetzung nicht richtig drinn und mitten im Fluss stehen geblieben. Aber das Wasser war zum Glück nicht tief und das Malheur schnell behoben.

In Egilsstadir dann das totale Kontrastprogramm. Männer oben ohne und Frauen im Top mit knappen Röcken – Logisch, es ist ja auch Sommer, Sonnig und 23 Grad warm. Auf einer Sonnenterasse bei Kaffee und Kuchen beschliessen wir, erstmal hier zu bleiben. Vom ersten angesteuerten Campingplatz fahren wir allerdings gleich wieder rückwärts raus. Rätselhaft wie man auf diese Quadratmeterzahl so viele Caravans bringt. Erinnert irgendwie ein wenig an Tetris. Der nächste Platz gefällt und dann schon viel besser und wir geniessen es, einfach mal wieder den ganzen Abend draussen zu sitzen, ohne Orkanböen und ohne Insektenwolke vor dem Gesicht. Mittlerweile haben wir beschlossen, dass wir für den restlichen Zeitraum im Osten bleiben werden. Mal abgesehen von den klimatischen Vorteilen, ist dies auch die Region die wir noch am wenigstens kennen.

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2 Responses to Askja, Kverkfjöll und zurück zum Anfang

  1. Mila says:

    läbed eigentlich uf dere insle au na mensche?

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