Bretagne

Unser Basislager für die nächsten Tage ist das Camping La Vallée, ein schöner und vor allem kleiner Camping-Platz mit knapp 50 Stellplätzen. Wir bekommen den letzten freien Platz in einer schönen ruhigen Ecke. Nachdem die Kette geschmiert und der Sattel auf die richtige Höhe eingestellt ist, folgen wir mit dem Bikes dem ausgeschilderten Fahrradweg auf die andere Seite der Halbinsel. Für den Rückweg suchen wir uns selber eine Route zusammen, was allerdings dazu führt, dass wir unsere Bikes ab und über ein paar Strände schieben müssen. Das Schaltwerk und die Scheibenbremsen freuts. An einem dieser Strände machen wir einen Zwischenhalt und geniessen die warmen Sonnenstrahlen. Mit der Zeit füllt sich dieser mit immer mehr Menschen. Wir packen unser Badetuch ein und fahren weiter der Küste entlang bis zum Cap d’Erquy. Die Klippen erheben sich etwa 40 Meter aus dem Wasser. Die Rundumsicht ermöglicht uns, Taucher, Kajak-Paddler und Segelbote zu beobachten. Einige Kilometer weiter sind wir bereits wieder zurück bei unserem Zelt. Beim guten Wetter backen wir uns gleich noch eine leckere Aprikosenwähe fürs Abendessen.

Ähm wodure gahts?

Ähm wodure gahts?

Wenn Biker auf Boote treffen..

Wenn Biker auf Boote treffen..

Die Wetterprognosen in der Bretagne sind in etwa so präzise wie jene in Schottland. Etwa die nächsten drei Stunden können vorhergesagt werden, alles andere ist blühende Meteorologen-Fantasie. So verbringen wir den Morgen bei überraschend kühlem und nassem Wetter im Zelt. Immer wieder drückt die Sonne durch, sie schafft es jedoch nicht gegen die dunklen Regenwolken anzukommen. Erst gegen den Nachmittag lockert sich die Wolkendecke und wir fahren nach St. Malo. Bisher kennen wir die Stadt nur vom Aufdruck auf diversen Milchprodukten. Wir haben Mühe einen Parkplatz zu finden, da es a) keinen freien Platz Nähe der Innenstadt oder b) eine Einfahrsperre für Fahrzeuge grösser 1.9M hat. Frankreich ist wohl bis heute für den Citroen 2CV normiert. Mit etwas Glück finden wir dann doch noch einen Parkplatz und zwängen uns in die Touristenmassen von St. Malo. Die Gassen sind in etwa so voll wie in Zürich höchstens am 6i Lüte und selbst vor den Bankomaten bilden sich lange Schlangen.
Die damalige Piraten-Stadt ist von einer begehbaren Stadtmauer umgeben, welche einen schönen Blick auf die Stadt selber und die umliegenden Miniinseln bietet. Auch können wir die Gezeiten hautnah miterleben. Wir beobachten, wie zwei Bademeister bei Flug das Fort National räumen und die Touristen über eine immer kleiner werdende Landzunge zurück zu den Stadtmauern eilen. Binnen wenigen Minuten ist die kleine Insel vom Meer eingenommen. Nach dem Abendessen in einem der hunderten von Restaurants gehen wir erneut auf die Stadtmauer. Gerade noch rechzeitig bestaunen wir den schönen Sonneruntergang und den beeindruckenden Unterschied zwischen Ebbe und Flut. Wo zuvor noch Kinder Strandfussball spielten und Sonnenanbeter auf ihren Badetüchern lagen, ist nur noch metertief Wasser zu sehen.

Zwei Bademeister sorgen dafür, dass alle rechtzeitig die Insel verlassen

Zwei Bademeister sorgen dafür, dass alle rechtzeitig die Insel verlassen

Sonnenuntergang in St. Malo

Sonnenuntergang in St. Malo

Uns zieht es weiter, weiter westwärts in den äusseren Zipfel der Bretagne, dem Department Finistere. Nach fast drei Stunden Fahrt erreichen wir den Camping-Platz Ty Provost. Einmal anders als sonst, trohnt der Camping-Platz hoch über einem Fluss auf etwa 170 M.ü.M. Beim Abendessen geniessen wir die überragende Aussicht von unserem Horst aus.

Camping mit Aussicht

Camping mit Aussicht

Anschliessend planen wir die Biketour für den nächsten Tag.Die Tour ist im Schwierigkeitsgrad “dificile” eingeorndet, lässt sich jedoch auch nach einer intensiven Cidre und Camembert Diät gut fahren. In Sachen Sumpffaktor kann der Track mit jedem schottischen Wanderweg mithalten. Der Weg führt über Stock und Stein, mal bis zu 30cm unter Wasser, bis auf den mit 330 M.ü.M höchsten Hügel in der Umgebung . Viel höheres hat die Bretagne nicht zu bieten. Hier oben treffen sich Segelsportler aller Art, vom Paraglider bis zum Modellflieger. Allerdings ist deren Aktionsradius genau auf diesen einen Hügel beschränkt und es ist schon fast ein Wunder, dass sich hier niemand Gegenseitig in die Quere kommt. Wir schauen eine Weile dem regen Treiben zu und verlassen dann den Hügel über einen ruppigen Singletrail.

Wunderschöne Biketour..

Wunderschöne Biketour..

sogar mit Singletrail

sogar mit Singletrail

Das Wetter für die kommenden Tage ist eher trübe und nass. Wir nehmen die Gelegenheit wahr und führen kleinere Wartungs- und Reinigungsarbeiten an unseren Fahrrädern durch, welchen die vielen hundert Kilometern auf dem Radträger langsam deutlich anzusehen sind. Anschliessend fahren wir in die nächst grössere Stadt Quimper. Mit 60’000 Einwohner eine gute Grösse für ein anständiges Kaffee. Zu meiner Verwunderung verfügt Quimper aber auch über Charme. Alte Werkshäuser, Crepperien, Patisserien und in der Mitte der Stadt eine gigantische gothische Kathedrahle ähnlich der Notre Dame.
Im Cafe “Kafeenn” geniessen wir den ersten anständigen Kaffee in Frankreich.

Franzosen können auch Kaffee (ein paar wenige zumindest)

Franzosen können auch Kaffee (ein paar wenige zumindest)

Quimper

Quimper

Anschliessend gehen wir zu Leclerc einkaufen. Im riesigen Hypermarche komme ich aus dem Staunen in der Fisch- und Meeresfrüchte-Abteilung kaum heraus. Lebende Meeres-Schnecken, Moules Selbstbedienungstheke oder freilaufende Krabben die sich versuchen aus dem Staub zu machen, alles gibt es zu kaufen. Wir begnügen uns mit paniertem Fisch und Kartoffeln – lässt sich schliesslich mit unserer Camping-Ausrüstung auch besser zubereiten. Zurück in unserem Basislager lassen wir den Tag gemütlich ausklingen. Die Nachtruhe wird für einmal von zwei Igeln gestört, die sich direkt neben unserem Zelt stundenlang der Fortpflanzung widmen. Sachen gibt’s.

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