Hohtürli Biwak

Das letzte heisse Augustwochenende steht vor der Tür. Perfekte Bedingungen um eine lang gehegte Wunschtour auf unserer To Do Liste zu verwirklichen. Das Hohtürli soll es werden, kombiniert mit einer Biwaknacht. So können wir am Samstag recht entspannt zmörgele, bevor wir die über 3h Anreise auf die Griesalp antreten. Es sind unglaublich viele Leute unterwegs, man könnte meinen, die ganze Schweiz geht heute wandern. Zum Glück wollen aber nur die wenigsten auf die Griesalp. Im Minipostauto geht es ins Kiental und am Schluss die berühmte, steile Strecke zur  Griesalp hoch. Im Restaurant ist einiges los, aber sobald das Kurhaus hinter sich lässt wird es ruhiger. Die erste Stunde gestaltet sich ein wenig harzig. Der Körper hat so gar keine Lust bei 30° mit schwerem Rucksack auf dem Buckel bergauf zu laufen. So benötigen wir bereits bei der Bundalp den ersten Salsiznotstop. Von hier sieht man auch bereits den Bergrpeis, die Blüemlisalphütte. Man kann kaum glauben, dass man bis dorthin noch 3h benötigt. Zum Glück verschwindet die Hütte aber bald wieder aus dem Gesichtsfeld und tauch erst kurz vor Schluss zur Motivation wieder auf. Wir jedenfalls starten nun bei der oberen Bundalp den Aufstieg richtung Hohtürli. Und der ist vor allem eines: sausteil. Bei den Temperaturen sind bald sämtliche Flüssigkeiten und Mineralien raus geschwitzt. Da hilft nicht mal mehr eine Packung Salznüssli. Irgendwann verändert sich dann der Weg, man durchquert eine kurze, steinschlägige Passage und steht dann vor einem steilen Couloir.

Wie jetzt, da hoch?

Wie jetzt, da hoch?

Dank höchster Wanderwegingeniuerskunst ist die Überwindung dessen aber nicht schwerer als in einem Treppenhaus in den 20. Stock zu laufen. Die montierten Treppen sehen recht neu aus und die Eisentritte von denen man in älteren Berichten liest wurden ausrangiert. Treppensteigen macht das Ganze aber nicht weniger anstrengend. Vor der letzten Treppe taucht dann unverhoft eine Hütte mit weiss roten Fensterläden auf. Unverhofft desswegen, weil wir uns 200 Höhenmeter weiter unten wähnten, als wir effektiv waren. Für einmal eine freudige Fehleinschätzung, meistens ist es ja eher umgekehrt. So nehmen wir beschwingt auch noch die letzten 50 Höhenmeter bis zur Hütte unter die Füsse. Eigentlich müssten wir ja nicht unbedingt da hoch, aber der Gedanke an einen kühlen Süssmost erleichtert uns die Entscheidung enorm. Bei der Hütte ist einiges los, man trifft hier fast alles an. Vom ambitionierten Bergsteiger bis zum asiatischen Tagestourist in Turnschuhen oder der Bikinitragenden Sonnenanbeterin.

Aber es hat sich gelohnt

Aber es hat sich gelohnt

Bei der Hütte geniessen wir nichts desto trotz noch ein wenig die Sonne und begutachten das Plateau, dass wir anhand der Karte und Google Earth für einen möglichen Biwakplatz auserkoren haben. Vom Weg nicht direkt einsehbar und von der Hütte aus würde ein Zelt höchstens auf den zweiten Blick erkennbar sein, perfekt. So stiegen wir noch etwa 20 Minuten ab und konnten uns ein gemütliches Plätzchen an der warmen Abendsonne suchen und uns fürs Znacht noch ein wenig Zeit lassen. Auch nachdem die Sonne verschwunden war, war es immer noch recht angenehm warm und so lagen wir für einmal nicht bereits um 20:00 in unseren Schlafsäcken. Es ging auch nicht lange, da tauchte ein paar Hügel weiter vorne ein weiteres Zelt auf. Hatten wir das mit der Einsamkeit wieder mal nicht geschafft. Jä nu..

Biwak zum Gletscherblick

Biwak zum Gletscherblick

Abendstimmung

Abendstimmung

Auch die Nacht war Temperatur- und Schlaftechnisch, trotz gelegentlichem Besuch der ansässigen Schafsherde, sehr angenehm. Am nächsten Morgen krochen wir gegen 07:00 Uhr gut ausgeschlafen aus den Federn und machten uns auf den Abstieg Richtung Oeschinensee. Wir entscheiden uns für den Weg, der oberhalb des Oeschinensee entlang führt und dann mehr oder weniger direkt bei der Gondelbahn endet. Man könnte auch direkt an den See absteigen, aber der Tiefblick und die dahinterliegenden Schneegipfel sind noch einmal ein echtes Highlight.

Ein letztes Highlight..

Ein letztes Highlight..

Ab Heuberg nimmt das Verkehrsaufkommen dann markant zu. Grüezi…Grüessech..Bonjour…Hallo zäme..guete Morge im Minutentakt. Es ist dann auch nicht mehr weit bis zum Gondeli und wir entscheiden uns einstimmig für die motorisierte Abstiegshilfe. Die Schlange für die Bergfahrt reicht schon bis zum Parkplatz und wir sind  richtig froh, so früh unterwegs gewesen zu sein. In Kandersteg genehmigen wir uns noch Kaffee & Kuchen und treten dann die 3h Heimreise an. Zu Hause lassen wir das Biwakwochenende standesgemäss mit einem Cordon Bleu ausklingen.

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