Irland

Kaum in Irland eingefahren, holt uns die Realität gleich wieder ein. Auf der Suche nach einem Zeltplatz brauchen wir mehrere Anläufe, da die Nordiren über das Wochenende und Sommerferien die irische Region Donegal komplett in Beschlag genommen haben. Die Zeltplätze sind mehrheitlich triste Caravan Parks wo ein Motorhome neben dem anderen steht. Durch einen Tipp kommen wir doch noch für überteuerte 25€ in einer Caravan Siedlung unter. Der “Zeltplatz” ist eine weitere Perle der Kategorie Hinterhof. Das Zeltareal ist ein schmaler Streifen vollgemüllte Wiese, zwischen Zaun und Motorhomes. Duschen kann man nur im benachbarten Leisure Center, welches aber erst um 12:00 Uhr öffnet und um 18:00 Uhr wieder schliesst. Unsere einzigen Zeltnachbarn kommen um 02:00 Uhr vom Pub nach Hause und haben offenbar noch reichlich Rede-und anderen Bedarf. Der nächste Morgen gibt sich Mühe, uns mit schönem Wetter gnädig zu stimmen und fast hätten wir den besoffenen Iren, welcher neben unserem Zelt im Koma liegt, übersehen. Die Region ist eigentlich sehr schön, wenn unser Einstieg nur nicht so holprig verlaufen wäre. Verfolgt von den Nordiren flüchten wir von der Nordküste an die Westküste und nutzen den sonnigen Tag für eine wunderschöne Küsten-Wanderung. Kaum haben wir den Touristenparkplatz verlassen, laufen wir alleine am Rande der 300 Meter abfallenden Klippen entlang und geniessen die warmen Temperaturen und die schöne Wanderung auf den Slieve League.

Die Steilküste Slieve League

Die Steilküste Slieve League

Auf dem Weg zum gleichnamigen Gipfel

Auf dem Weg zum gleichnamigen Gipfel

und oben...

und oben…

Das Zelt schlagen wir wieder auf einem unattraktiven Camping & Caravan Park auf, jedoch mit wesentlich mehr Grünfläche. Das Frühstücks-Highlight bieten unsere selbstgebackenen Scones. Anschlissend fegt der Landcruiser mit 100 Sachen über die irischen Landstrassen und wir fahren gegen Nachmitag in Galway ein. Galway ist die erste britische/irische Stadt, die einen gewissen Charme ausstrahlt. Mit dem Klang von Uillean Pipes und Stepptanz in den Gassen nimmt uns die schöne Kleinstadt in Empfang. Wir schlendern herum, gönnen uns ein Cheeseboard mit Weisswein und in einem touristenarmen Quartier finden wir auch ein Lokal das uns gefällt und bestellen uns ein Irish Beef auf den Teller. Auf dem nach Hause Weg bleiben wir noch bei den diversen Strassenmusikern stehen und geniessen die ausgelassene Stimmung in den lebhaften Gassen von Galway. Die Nacht verbingen wir im B&B Bayview House (allerdings eher mit Wall View als mit Bay View) und schlafen wiedermal richtig schön aus.

Cheese

Cheese

Eine tolle Band namens Bianco Sporco, die irgendwie latino Klänge mit irischem Steptanz verbinden

Eine tolle Band namens Bianco Sporco, die irgendwie latino Klänge mit irischem Steptanz verbinden

Die Strassen sind auch an einem gewöhnlichen Montagabend brechend voll

Die Strassen sind auch an einem gewöhnlichen Montagabend brechend voll

Auch Kayaker gibt's in Galway zu bestaunen

Auch Kayaker gibt’s in Galway zu bestaunen

Als wir uns gegen Mittag auf dem weiteren Weg in richtung Süden machen, kommen wir an den “Cliffs of Moher” vorbei, der wohl bekannteste Sight Seeing Spot in ganz Irland. Dank eines ausgeklügelten Plans sparen wir uns die Parkgebühr und rollen vom benachbarten Kaff mit den Velos ein. Die Steilklippen bieten eine beeindrukende Szenerie, jedoch mit hunderten von Touristen. Allen Warnungen zum Trotz posieren diese gefährlich nahe am Abgrund – uns bleibt nur das Staunen. Bald hat uns jedoch das schlechte Wetter eingeholt und wir düsen auf unseren Fahrrädern zurück zum Auto.

Cliffs of Moher bei sehr undankbarem Fotowetter

Cliffs of Moher bei sehr undankbarem Fotowetter

Cliffs of Moher

Cliffs of Moher

Mit bitzeli vill Lüt

Mit bitzeli vill Lüt

Wir fahren weiter zum Strand Camping Doonbeg, endlich ein Camping-Platz der nach unseren Recherchen auf die Bedürfnisse von Zeltbewohnern eingeht. Als wir ankommen erfahren wir, dass es keine freien Plätze mehr gibt. Katrin ahnt schon böses, geht nun schonwieder die lange Suche nach einem Zeltplatz los?!? Der nächste Camping-Platz liegt zwar nur 20 Minuten entfernt, jedoch ist es bereits 18.30 Uhr. Auf den Britischen Inseln gehört es zum guten Ton, zwischen 16.00 und 18.00 Uhr anzureisen. Purecamping auf der schönen Halbinsel Loop Head hat jedoch noch genügend Platz, sogar für unser Tipi. Mit Schubkarren schieben wir unser Material quer über den Zeltplatz und bauen unser Basecamp für die nächsten Tage auf. Kaum aufgestellt peitscht der irische Sommerregen aus allen Richtungen nur nicht von oben mit bis zu 60km/h auf das Zelt ein, von Nachtruhe keine Rede. Und so ist die stürmische Nacht dann auch das ultimative Thema am Frühstückstisch in der Gemeinschaftsküche.
Dem launischen Wetter zum Trotz machen wir einen Ausflug zum Loop Head Leuchtturm. Nach einem kurzen Versorgungsstop im nächsten Art-Caffee geht es über schmale Hinterlandstrassen zur Spitze der Halbinsel. Selbstverständlich sind wir wiederum geizig und bezahlen keine 7€/Person um den Minileuchtturm zu besteigen. Als wir den Klippen entlang spatzieren, endecken wir endlich Delphine (drei grosse Tümmler). Kaum entdeckt sind die Drei auch schon wieder abgetaucht.

Der stürmische Wind sorgt für hohe Wellen..

Der stürmische Wind sorgt für hohe Wellen..

bringt aber auch das schlechte Wetter mit

bringt aber auch das schlechte Wetter mit

cof

Wind macht lustig

Wind macht lustig

Als der Regen naht, flüchten wir ins Auto und fahren zurück zum Zelplatz. In der Campers-Kitchen ist schon reger Betrieb. Hervorragend geeignet für allerlei zwischenmenschliche Studien, aber auch immer wieder ein Beweis dafür, dass die meisten Menschen einfach Schweine sind. Erschwerend kommt hinzu, dass Briten und Iren beim Fleisch anbraten in der Regel einen dichten Krematoriumsnebel produzieren. Wir verschwinden als die Düfte ungeniessbar werden. Zurück im Zelt stellen wir uns auf eine weitere windige Nacht ein.
Die Nacht ist entsprechend lange und unruhig. Die Wetterprognose für die nächsten Tage lässt kaum auf Besseres hoffen. Mit Windchill reicht es gerade Mal für 10°C – Wow! Ausser Wäsche waschen, Essen einkaufen und eine neue Gas-Flasche besorgen, geschieht an diesem Donnerstag nicht viel. Meine Stimmung ist gedämpft. Etwas demotiviert von Wind und Wetter entscheiden wir uns dafür, die nächstmögliche Fähre nach Frankreich zu buchen. Diese fährt am Sonntag Nachmittag ab Rosslare (am südwestlichen Zipfel von Irland), so haben wir noch knapp 2 Tage Zeit, um die 440km bis dorthin zurück zu legen.
Am nächsten Tag brechen wir bei trügerisch heiterem Wetter gegen Mittag mit Sack und Pack auf. Gerade noch auf den letzten Drücker schaffen wir es auf die Fähre für die Flussüberfahrt vom River Shannon. Auf der anderen Seite angekommen fahren wir weiter nach Kenmare, einem schönen alten irischen Städchen. Wir schlagen unser kleines Zelt auf und schlendern durch das Dörfchen. Eine Verkäuferin erzählt uns, dass Kenmare unter den Top Cities rangiere und sich gar President Trump schon überlegt habe, hier zu wohnen. Im Coachmans Townhouse lassen wir es uns gut gehen bei ungewohnt gut gewürztem Essen und lokalem Ale. Nach der musikalischen Darbietung des Gastmusikers gehen wir müde und zufrieden zu Bett. Da der wind nach drei Tagen etwas nachgelassen hat, freuen wir uns darauf, wieder einmal durch zu schlafen. Unsere Hoffnungen werden um 1 Uhr Morgens durch ein Pärchen zerstört, welches den ganzen Campingplatz an seinen Beziehungsproblemen teilhaben lässt.
In den Tag starten wir dafür im äussers gut besuchten Maison Gourmet. Einem authentischen französischen Caffee mit erstklassigen Backwaran wie wir sie schon lange nicht mehr erlebt haben. Die Vorfreude auf die Normandie steigt sprunghaft an. 8000 Kalorien später sitzen wir wieder im Auto in Richtung Rosslare. Unsere Reise führt uns für einen Zwischenhalt in die zweitgrösste Stadt Irlands, Cork. Als Touristen haben wir keine Parkkarte, also frage Ich den Polizisten wo ich eine solche erhalte. Er: “You have a swiss plate? ah, go away – we can’t find you anyway, can we?”. Aha, hätten wir das von Anfang an gewusst, so hätten wir uns sämtliche Parkuhren sparen können :-)

cof
Cork hat nicht wirklich viel zu bieten und wir fahren nach einem ausgedehnten Stadtspaziergang, Sushi Rollen und Kaffee weiter nach Waterford, genauer nach Dunmore East. Es erwartet uns die quirlige Enda und Bob in unserer ersten Airbnb Unterkunft. Gegen Abend folgen wir Bob’s Tipp und Essen inmitten der Irischen Upperclass im “The Strand Inn”. Mein erster Hummer zu knacken gelingt ziemlich gut. Bis auf die verdammte letzte Schere, welche wie in Zeitlupe in hohem Bogen bis zum Nachbartisch fliegt. Möglichst unaufällig sammeln wir diese wieder ein, s’hets niemert gseh!
Kugelrund gehts dann ab ins Bett.

Nachdem wir sicherheitshalber alle Sharp Objects in den tiefsten Untiefen unserers Autos versteckt habe, verläuft der Checkin diesmal ohne Probleme und wir befinden uns nun bereits auf der Fähre Richtung Frankreich. Irland haben wir leider etwas im Asiatenmodus durchreist. Es ist zweifelsohne ein sehr schönes Land, aber nach 5 Wochen Schottland merken wir, dass uns die vorherrschenden Landschatfsformen nicht mehr genug reizen um jede Halbinsel und jeden Zipfel ab zu fahren. Zudem haben wir einfach langsam Lust auf Temperaturen über 20 Grad und Campingplätze die diesen Namen auch verdienen. Irland hat uns und unsere Ausrüstung wettertechnisch nochmals richtig gefordert. Im Vergleich dazu, erscheinen uns unsere 2 Monte Island wie Ferien in der Südsee. Vielleicht ist unsere Erinnerung aber auch ein wenig verklärt, weil wir die Hälfte des Tages jeweils in einem 42 Grad warmen Hotpot verbracht haben.

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