Isle of Skye

Wie immer stehen wir auf und zählen als erstes unsere neuen Stiche, welche uns Midges über Nach zugefügt haben. Diesmal habe ich wohl meine Hände nicht im Schlafsack gehabt, ein Dutzend neuer Stiche kommen hinzu.
Wir packen zusammen und stärken uns für die Reise zur Isle of Skye bei einem Zwischenhalt in Fort William. Unsere Reise führt über eine wunderschöne Küstenstrasse vorbei am legendären Glenfinnan-Viadukt (Harry Potter Filme) – sorry, der Parkplatz war uns zu teuer – bis zum Fährhafen Mallaig. Wir können ohne warten gleich in die Fähre fahren, welche uns wenig später in Armadale auf der Isle of Skye wieder auslädt. Das Wetter wird zunehmend schlechter, die Fahrt zum Camping Platz fühlt sich an wie eine Reise ans Ende der Welt. Bevor der strömende Regen anfängt, haben wir das Tipi nahe dem Meer aufgestellt, kochen bei gemütlicher Ofenwärme während es draussen stürmt und lassen so den Tag ausklingen.

Kurz vor dem Sturm noch ein wenig blauer Himmel

Kurz vor dem Sturm noch ein wenig blauer Himmel

Die Isle of Skye hat Parallelen zu Island, zumindest Wettertechnisch. Es wechselt ständig von bewölkt zu Regen und zurück. Hin und wieder sind vereinzelt blaue Löcher zu erkennen, jedoch nicht für lange. Für eine lange Bergwanderung ist es uns zu wechselhaft, wir entscheiden uns Heute für die Quiraing, eine wilde Steinlandschaft auf der Halbinsel Trotternish. Nach einem kurzen Abstecher in die Brauerei des Isle of Skye Bieres müssen wir schön ein wenig suchen, um auf dem übervollen Parkplatz noch irgend eine Lücke zu finden. Anfängerhaft entscheide ich mich für die Halbschuhe mit abgelaufenem Profil und so wird der Aufstieg auf den nahegelegenen Sumpfhügel zu einer ziemlichen Rutschpartie für mich und die anderen optimistischen Halbschuhtouristen. Katrin hingegen hat sich für die Wanderschuhe entschieden und hat keine Probleme dem Pfad voller Matschlöcher zu folgen. Auf dem Hügel angekommen hat sich die ganze Matscherei jedoch gelohnt, es umgibt uns eine wunderschöne Landschaft mit hervorragender Weitsicht. Zudem machen die wenigsten Touristen die ganze Umrundung und so sind wir für eine Weile sogar recht einsam unterwegs.

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Am Samstag Morgen sind wir unentschlossen, wie wir den weiteren Verlauf angehen möchten. Voraussichtlich sollte es ein schöner Tag werden. Es ist jedoch bereits am Morgen Schlechtwetter absehbar. Die Bergwanderung ist daher erneut gestrichen. Wir entscheiden uns für eine Küstenwanderung mit Zeltübernachtung weiter Südlich und packen bei (noch) trockenem Wetter all unser Hab und Gut ein und bereiten alles Nötige für die Wanderung vor. Der Weg südwärts führt uns an Talisker vorbei – der weltbekannten Whisky-Distillerie. Wir schauen uns die Raritäten und das besondere Verfahren für den Rauchgeschmack im Whisky an und kaufen eine gute Flasche Scotch für zu Hause ein. Auf den ersten paar Metern nach der Distillerie schlägt das Wetter auf Regen um. Unser Tagesprogramm ist gezwungen, sich am Wetter anzupassen und so wird aus Wandern eine Inselrundfahrt. Auf der Fahrt um Insel kommen wir an einem winzigen Kaffee-Häuschen vorbei, wo wir uns je ein Stück der hervorragenden Kuchenauswahl gönnen. Weiter geht’s zu Skyeskyns, eine der letzen Gerbereien Schottlands. In einer kurzen Tour wird uns erklärt, wie durch aufwändige Handarbeit aus einem blökenden Schaf ein kuscheliges Fell wird. Eigentlich wollten wir ja nichts kaufen, aber im Showroom können wir es dann doch nicht lassen, unserem isländischen Schaf ein Kollege von den Hebriden mitzubringen.

Zwischenzeitlich wird das Wetter im schlechter und am Fährenhafen in Uig beschliessen wir spontan zu versuchen, heute noch auf die äusseren Hebriden zu gelangen. Die Fähre ist allerdings bereits voll, wir reihen uns in die Stand-by Schlange ein und warten, während es Katzen und Hunde regnet. Zwei Stunden später ist klar, heute gibt es keinen Platz mehr auf der Fähre. Da wir bei dem Wetter keine Lust haben zu kochen, geschweige denn das Zelt nochmals aufzubauen, suchen wir die umliegende Gegend nach einem warmen Zimmer ab. Hotel wie auch Bed & Breakfast melden alle “No Vacancies” – seriously?!? Nach sechs gescheiterten Versuchen wird uns klar, dass wir heute kein Zimmer mehr bekommen werden. Also zumindest ein Tisch fürs Abendessen..aber auch das ist schwerer als gedacht. Es scheint, als sei auf der gesamten verdammten Insel jedes Bett und jeder Tisch besetzt. Die Stimmung wir langsam immer bedrückter, als wir gegen 21:00 Uhr doch noch ein Restaurant finden, welches uns aufnimmt. In Portree kehren wir in einem hippen Lokal ein und schlagen uns die Bäuche voll. Wieder etwas besser gelaunt, steuern wir den nächstgelegenen Camping-Platz an, die Platzwartin meint jedoch “we are Full”. Die Argumentation dass unser Zelt gerade mal knappe 2×1 Meter misst zieht nicht, obschon noch viel Grünfläche zu sehen ist wo wir unser Zelt locker noch 10 mal aufstellen könnten. Auch beim nächsten Camping-Platz werden wir abgewimmelt. Im strömenden Regen wir uns erklärt, dass 22.30 Uhr zu spät ist, um noch ein Zelt aufzustellen. Selbst das Wetter und die Tatsache, dass der nächste Campingplatz 30km weit entfernt ist, mögen das Herz der Platzwartin nicht erweichen. Ich verstehe die die Welt nicht mehr und habe auch keine Lust zu argumentieren. Wir kapitulieren und wählen die nächst beste Seitenstrasse und danach die nächst beste Grünfläche, in dem Fall eine vollgeschissene Schafweide, um einfach irgendwo schlafen zu können. In der Dämmerung finden wir die einzigen 2qm ohne Scheisse und immerhin Petrus hat noch ein wenig erbarmen und stellt für kurze Zeit den Regen ab. “Bäääh…”-Laute begleiten uns sanft in den verdienten Schlaf.

Viel Scheisse aber gute Aussicht - im Biwak zum bähenden Schaf

Viel Scheisse aber gute Aussicht – im Biwak zum bähenden Schaf

Um 07:00 Uhr werden wir von drei Seiten gleichzeitig angebäht, Zeit aufzustehen und die Wiese wieder den Schafen zu überlassen. Immerhin ist heute das Wetter schon wieder viel freundlicher und unser “Zeltplatz” hat eigentlich eine ganz schöne Aussicht.
Zurück in Uig stellen wir sicher, dass wir heute definitiv für die 18.30 Uhr Autofähre nach Lochmaddy gebucht sind. Uns bleibt noch viel Zeit und so mischen wir uns unter die anderen Touristen und pilgern zusammen mit ganzen Busladungen an Asiaten und Amerikanern zum Old Man of Storr. Der Aussichtspunkt für die bekannte Felsnadel wird einmal mehr auf äusserst sumpfigen Pfaden erklommen. Wie so oft in Schottland ist es schwierig, bei den herrschenden Lichverhältnissen und unseren limitierten Knipsfähigkeiten, Fotos zu machen, die der Schönheit der Gegend gerecht werden.

The old man of Storr und seine Familie

The old man of Storr und seine Familie

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Je später der Tag desto besser das Wetter. Am äussersten Zipfel von Skye finden wir ein winziges Cafe namens Single Track. Wer hätte gedacht, dass wir hier am Ende der Welt den besten Kaffee seit langem bekommen? Gestärkt mit Kuchen geht’s weiter zu Rubha Hunish & The Lookout, einer schönen Wanderung zum nördlichsten Punkt der Isle of Skye. Von da aus erblicken wir bei (endlich, endlich, endlich) strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel unser nächstes Ziel, die äusseren Hebriden.

 

Feiner Kaffee am Ende der Welt

Feiner Kaffee am Ende der Welt

The Lookout - Bothy (Schutzhütte) mit Aussicht

The Lookout – Bothy (Schutzhütte) mit Aussicht

Wir geniessen noch ein wenig die Sonnenstrahlen und sind zeitig zurück in Uig. Die Fähre bringt uns pünktlich auf die äusseren Hebriden und als eine der ersten verlassen wir die Fähre und zischen über die einzige Hautstrasse der Insel zu Moorcroft Holidays, einem wunderschön gelegenen Campingplatz inklusive Sonnenuntergang. Wir schlafen nach einem langen Tag schnell ein.

Ende gut, alles gut

Ende gut, alles gut

Fazit: Die Isle of Skye ist wirklich wunderschön, aber zur Hauptsaison sehr sehr voll. Wer nicht vorbucht hat schlechte Karten irgendwo spontan etwas zum Übernachten zu finden.

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