Nordirland

Nach knapp 3 Stunden Fahrt erreichen wir den Fährhafen in Cairnryan. Am Checkin werden wir von zwei Fährmitarbeitern empfangen. Die beiden Kontrolleure nennen wir mal Good Cop und Bad Cop. Bad Cop und Good Cop würden gerne den Inhalt unserer Boxen sehen. Good Cop hätte eigentlich schon aufgegeben, als er erfährt, dass wir den Kofferraum nicht ohne abmontieren der Bikes öffnen können. Bad Cop allerdings reicht das nicht. So entfernen wir Bikes und Spanngurte und dürfen eine Kiste nach der anderen ausladen. “Ah..just camping gear”..ah nei ächt? Während Bad Cop uns rumkommandiert, ist es dem Good Cop ein wenig unangenehm. Zuerst entschuldigt er sich diverse Male für die Unanemhlichkeiten und drückt dann ein wenig verlegen bewundernd an den Bremshebeln unserer Bikes herum, “nice Bikes!”…”really nice bikes!”….den Flugrost den die Bikes mittlerweile angesetzt haben, hat er dabei wohl übersehen. Während wird alles wieder einpacken, nimmt Bad Cop unser Auto im Vorderbereich auseinander und fördert dabei zielsicher Dinge zu Tage, von denen wir selbst nicht mal hätten sagen können, wo in unserem Auto diese sich gerade befinden. Blöderweise befindet sich darunter Adrian’s in Finnland erworbenes Samen Messer. “WHAT DO YOU NEED THIS FOR?”…ähm…cutting..food and…wood?…”WHY DO YOU HAVE THIS IN YOUR FRONT DOOR!”…wilmer villicht sit 5 Wuche mehr oder weniger i dem Auto lebed und oise ganz Hushalt mitschlepped huere siech!!…Bad Cop behandelt uns jetzt erst recht wie ein hochverdächtiges Terroristenpärchen, als hätten wir vor, mit einem finnischen Souvenir die ganze Fähre abzuschlachten. Wir werden noch etwa 5 mal gefragt ob wir andere spitze Gegenstände im Auto hätten..mmm…No?..nur noch etwa 4 Küchenmesser, einen Leatherman, ein Sackmesser und eine…Axt? Bad Cop klärt uns darüber auf, dass unser Messer als dangerous Weapon klassifiziert wird, weil die Klinge länger als 7cm sei, was sie natürlich auf den ersten Blick und ohne Nachmessen erkannt hat (ich werde das zu Hause nach messen). Ein Supervisor müsse nun darüber entscheiden, ob wir es behalten dürfen oder nicht. Echt jetzt?…also wird der Supervisor gerufen, welcher glücklicherweise äusserst gut gelaunt ist und so dürfen wir das Messer behalten. Good Cop entschuldigt sich nochmals ausführlich und dann dürfen wir uns endlich in die Warteschlange einreihen. Mein Güte..wir haben ja schon so einige Fähren genommen auf unseren Reisen. Aber noch gar nie hat sich auch nur irgendwer für den Inhalt unserers Autos intressiert, geschweige den selbiges durchsucht. Ist ja irgendwie auch ein Witz. Wahrscheinlich hat jedes Wohnmobil und jeder Camper Messer mit Klingen um die 7cm an Board. Ja nu…kaum sind wir an Board ist der Ärger verflogen und wir geniessen eine schöne Überfahrt bei Sonnenschein. Nur 2h später sind wir in Nordirland, genauer in Larne, etwa eine halbe Autostunde nördlich von Belfast.

Wir landen auf einem sehr seltsamen Campingplatz wo wir von Nelson mit 4 Zähnen in Empfang genommen werden. Das Zelt schlagen wir neben einem Baucontainer auf. Dafür ist der Platz unschlagbar billig, für 20 £ bleiben wir zwei Nächte. Für den nächsten Tag ist ein Citytrip nach Belfast geplant. Mit dem Zug fahren wir eine knappe Stunde in die Hauptstadt Nordirlands. Belfast ist keine Schönheit…und das ist noch freundlich ausgedrückt. Es ist sicherlich nicht hilfreich für den ersten Eindruck, dass wir als erstes im heruntergekommenen Westbelfast landen. Hier merkt man schnell, dass der Nordirland Konflikt alles andere als Geschichte ist. Dies liegt hauptsächlich darann, dass hier die sogenannten “Peace Walls” stehen. Ein hoher Zaun, welcher die katholischen von den protestantischen Quartiern trennt. Die grossen Tore im Zaun werden auch heute noch in der Nacht geschlossen und ein Grossteil von Belfasts Einwohnern ist der Meinung, dass die Peace Walls nach wie vor nötig sind, um den Frieden zu wahren. Rund um die Peace Walls besichtigt man als Tourist hautpsächlich die Murals, Wandgemälde die zwar sehr schön aussehen, allerdings hauptsächlich für Propaganda und sonstige politischen Parolen gentutz werden. Ob man sich auf der katholischen oder protestantischen Seite der Mauer befindet, merkt man relativ schnell anhand der Botschaften auf den Murals und der gehissten Flaggen. Wir befinden uns auf der katholischen Seite, entsprechend wehen Irland Flaggen und die Parolen sind sehr anti Britisch. Mich persönlich bedrückt dieses Viertel mit seinen Mauern, Zäunen und Stracheldrähten sehr und dass dies eine der Haupttouristenattraktionen Belfasts ist, macht das Ganze nur noch depremierender. 15 Minuten Fussmarsch später finden wir dann noch noch einen ansehnlichen Teil Belfasts und hier ist dann gar nichts mehr von politischen Botschaften zu sehen. Wir landen in einem sehr hippen Cafe, wo wir wieder einmal den Versuch Filterkaffee wagen. Nein, es schmeckt uns immer noch nicht. Danach besuchen wir das Titanic Musuem, welches 2016 zur weltbesten Touristenattraktion gekürt wurde. Überhaupt ist in Grossbritannien immer alles “Award Winning”, vom Glace bis zum Smoke House. Das Museum ist jedoch wirklich sehr aufwändig und schön gemacht und so kommen wir erst 2 Stunden später wieder ans Tageslicht. Nach einem eher faden Abendessen nehmen wir den Zug zurück nach Larne.

Peace Walls eignen sich auch für Werbung

Peace Walls eignen sich auch für Werbung

Aber hauptsächlich für Murals mit politischen Botschaften

Aber hauptsächlich für Murals mit politischen Botschaften

cof

cof

Am nächsten Tag packen wir zusammen und fahren der Küste entlang Richtung Norden. Die Küstenstrasse wurde uns als “schönste Küstenstrasse in ganz Irland” angepriesen, wir findens eher so mässig. In Nordirland gibt es neben Belfast drei Attraktionen, the Giants Causeway (Basaltsäulen), eine Hängebrücke und Game of Thrones Schauplätze. Die Serie wird seit 5 Jahren zu einem grossen Teil in Nordirland gedreht. Darauf ist man hier sehr stolz und es ist ein ganzer Tourismuszweig daraus entstanden. Da wir beide die Serie noch nie gesehen haben, bleiben Basaltsäulen und Hängebrücke. Wir haben allerdings keine Lust 40 Franken Eintritt zu bezaheln und lassen somit beides aus.

Letze Station ist Derry (eigentlich Londonderry, aber das mögen die katholischen Einwohner wohl nicht so). Auch Derry war ein wichtiger Schauplatz des Nordirland Konflikts. Im katholischen Teil sind wiederum Murals zu sehen, Plakate fordern die Freilassung ehemaliger IRA Mitglieder und riesige Graffitis “End british rule”.

IMG_20170722_121641

Doch noch was schönes gefunden

In den Strassen von Derry

In den Strassen von Derry

Murals am Free Derry Corner

Murals am Free Derry Corner

Ich habe nun definitiv genug von dem Ganzen und bin nicht unfroh, dass wir wenig später die Grenze zu Irland passieren. Dies merken wir allerdings nur, weil plötzlich km/h unter der Geschwindigkeitsbegrenzung steht. Nordirland verbuchen wir unter “interessant”.

This entry was posted in Camping, Irland, Roadtrip 2017. Bookmark the permalink.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *