Normandie

Als wir mit der Oscar Wilde in Cherbourg einfahren heisst uns das gute Wetter bereits wilkommen. Kurz darauf rollen unsere Reifen wieder auf dem Festland und endlich darf ich die Kreisel wieder Rechts umfahren.
In der Normandie kommt man natürlich um ein ganz grosses Thema nicht herum, egal wieviel Mühe man sich gibt; Der zweite Weltkrieg und insbesondere der D-Day vom 6. Juni 1944. Bereits auf der Autobahn machen grosse Plakate auf die Schauplätze des D-Day’s aufmerksam. Landungsstrände, Soldatenfriedhöfe, Museen und Gedenkstätten sind allgegenwärtig. Vorerst rauschen wir an allen vorbei und gelangen zügig bis nach Creully, ziemlich in der Mitte der schönen Normandie. Nach langer Recherche haben wir den Camping-Platz Les 3 Rivieres ausgewählt, da dieser über keinen Kinderspielplatz, keinen Wasserpark und keine Nachmittagsanimation verfügt. Hier bleiben wir gerne ein paar Tage. Nach einer kurzen Erkundungstour an den Juno Beach (Landungsstrand der Kanadier) gibt’s passend zur Region Camembert, Baguette und Cidre zum Znacht.

Typische Landschaft der Normandie

Typische Landschaft der Normandie

Um mein Französisch aufzufrischen besuche ich am Morgen als Erstes die nahegelegene Boulangerie. Zwei Croissants und ein Brot später geniessen wir unser Frühstück und machen uns dann mit den Velos auf nach Arromanches-les-Bains. Der Ort liegt am Gold Beach, dem Landungsstrand der Briten. Heute kann man hier zwischen verrosteten Überresten des Alliertenhafens den Badeurlaub verbringen. Vorbei an Panzern und Flugabwehrkanonen bahnen wir uns den Weg zum bekannten 360°-Kino. Dort lassen wir uns mit einem Kurzfilm zum “Débarquement du Jour-J” berieseln. Der Film ist gut gemacht, aber auch stellenweise etwas sehr dramatisch und irgendwie haben es die Macher geschafft, in einem Kurzfilm über den 2. Weltkrieg auch noch Katzenbabies unterzubringen. Weil Katzenbabies gehen immer. Im angrenzenden Souvenirshop kann man sich so ziemlich alles kaufen, auf dem sich das Wort D-Day aufdrucken lässt. Das ist uns dann doch ein wenig zu viel des Guten und so pedalen wir auf gemütlichen Landstrassen wieder heimwärts.

Arromanches mit den Überresten des Alliertenhafens

Arromanches mit den Überresten des Alliertenhafens

Allgegenwärtiger D-Day

Allgegenwärtiger D-Day

Der nächste Tag startet mit Regen. Die Sonne mag nicht wirklich durch die Wolken durchdringen. Gegen Mittag schaffen wir es dann doch noch, uns in Bewegung zu setzen und fahren mit dem Auto nach Bayeux. Bayeux gehört zu den wenigen normannischen Städten, welche im 2. Weltrkieg nicht dem Erdboden gleich gemacht wurden und verfügt daher noch über einen intakten alten Stadtkern. Im charmanten Städtchen ziehen wir durch die Gassen, kaufen sinnlose Souvenirs, trinken hässlichen Kaffee und mampfen leckere Crepes. Als der Regen wieder einsetzt, sind wir jedoch bereits wieder zurück im gemütlichen Tipi.

Adrian auf der Suche nach dem nächsten Sujet in Bayeux

Adrian auf der Suche nach dem nächsten Sujet in Bayeux

Am Mittwoch wollen wir uns ein wenig näher mit einem der drei Cs der Normandie (Cidre, Calvados, Cidre) beschäftigen. Im Hinterland der Normandie führt die Tour du cidre sternförmig von einem Produzenten (a.k.a. Bauernhof) zum nächsten. Auf 30km kommt man so an 25 Cidreproduzenten vorbei. Wir beschliessen die Route mit dem Fahrrad abzufahren, irgendwie müssen wir ja der allabendlichen Völlerei etwas entgegen wirken. Die Tour verläuft dabei über wenig befahrenen Nebenstrassen mit schöner Aussicht und an kleinen Dörfern, sowie logischerweise tausenden von Apfelbäumen vorbei. Irgendwann zwischen der zweiten und dritten Mosterei, genau dann als Katrin einige hundert Meter vor mir fährt, geht mir wortwörtlich die Luft aus. Anstatt dann an Ort und Stelle den Reifen zu flicken laufe ich Katrin hinterher und wähle dabei bei einem Abzweiger auch gleich noch den falschen Weg. Als ich nach 500 Metern keine Katrin finden kann, versuche ich sie per Mobiltelefon zu kontaktieren. Kein Netz. Ich laufe weiter bis mir endlich der Mobilfunkanbieter einen spärlichen Balken Netzabdeckung anbietet. Sogleich schicke ich Ihr meinen Standort und “han en Platte”. Leider hat auch sie kein Netz. Daraufhin entscheide ich mich dann doch, den Schlauch auszutauschen – haben ja glücklicherweise einen Ersatzschlauch dabei. Nach einer gefühlten Ewigkeit finden wir uns 2km abseits unserer Route an einer einsamen Strassenkreuzung wieder. Sogleich wird eine neue Regel für die Zukunft aufgestellt: Wer einen Platten hat, bleibt an Ort und Stelle!
Aufgrund des Zeitverlusts beschliessen wir die Tour etwas abzukürzen, der Nachmittag war ja nun aufregend genug. In Beuvron en Auge kaufen wir noch den einen oder anderen Cidre ein und machen uns dann auf den Heimweg. Und wie wir so im Stau von Caen stehen fällt uns auf, dass wir schon wieder nur mit einem funktionierenden Scheinwerfer unterwegs sind. Merde!

Aif der Route de Cidre..wieder vereint

Aif der Route de Cidre..wieder vereint

Google Maps sucht uns eine Toyota Garage auf dem Weg zu den Felsen von Étretat heraus, unserem nächsten Tagesprogramm. Wir schaffen es gerade noch vor der heiligen Siesta und die Franzosen geben sich äusserst viel Mühe, ihre schottischen Kollegen noch ein wenig zu übertreffen. Keine Minute müssen wir warten bis sich jemand um unser Problem kümmert und eine Viertelstunde später sind wir bereits wieder unterwegs. Mit all den neu glernten Ausdrücken könnte ich glatt ein eigenes Kapitel im Schulbuch verfassen – Adrian chez le garagiste.
Über die riesige Pont de Normandie, welche uns alleine über 10 € Maut kostet, gelangen wir nach Étretat. Der Ort ist bekannt für seine weissen Kreidefelsen und so spatzieren wir dem Küstenweg entlang und wundern uns wieder einmal über die unerschrockenen Touristen, welche auf jedem verfügbaren Vorsprung herum turnen.

Die Felsen von Étretat

Die Felsen von Étretat

DSC03412

Auf dem Heimweg kommen wir noch an Honfleur vorbei, ein äusserst schönes Städtchen welches nur leider aus allen Nähten platzt. Wir belassen es bei einer kurzen Besichtigung und kämpfen uns dann durchs Verkehrschaos wieder Richtung Creully.
Am letzten Tag in der Normandie besuchen wir das alljährliche Käsefestival in Livarot. Das Festival besteht aus vielen kleinen Ständen, an denen sich hauptsächlich alles um Käse, Fleisch und Wein dreht. Kaum bleibt man länger als 2 Sekunden stehen, wird man so gleich dazu eingeladen etwas zu probieren. Wir kaufen Käse (der fortan dafür sorgt, dass man zum Öffnen unserer Kühlbox eine Gasmaske benötigt), natürlich Cidre und klemmen uns noch ein Baguette unter den Arm. Somit fallen wir schon fast nicht mehr als Touristen auf, den das einzige Vorurteil welches wir über die Franzosen bis anhin bestätigen können ist, dass sie praktisch in jeder Lebenslange, immmer und überall, mit mindestens zwei Baguettes unter dem Arm unterwegs sind.

Ein letzter Sonnenuntergang in der Normandie

Ein letzter Sonnenuntergang in der Normandie

Auf den Klippen bei Arromanches

Auf den Klippen bei Arromanches

Nach einer Woche Normandie ist es Zeit zu packen. Unser nächstes Ziel ist die Bretagne. Auf dem Weg dahin kommen wir am Tourihighlight schlechthin vorbei, dem Mont St. Michel. Über 3.5 Millionen Besucher im Jahr machen den Klosterberg zur meist besuchten Sehenswürdigkeit der ganzen Region. Da sich bereits ein Dorf vor dem offiziellen Parkplatz die Autos stapeln und man von Weitem ein Bus nach dem anderen über die Brücke fahren sieht, beschränken wir uns auf die Aussenansicht…auch schön.

Mont St. Michel

Mont St. Michel

This entry was posted in Bike, Camping, Frankreich, Normandie, Roadtrip 2017. Bookmark the permalink.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *