Irland

Kaum in Irland eingefahren, holt uns die Realität gleich wieder ein. Auf der Suche nach einem Zeltplatz brauchen wir mehrere Anläufe, da die Nordiren über das Wochenende und Sommerferien die irische Region Donegal komplett in Beschlag genommen haben. Die Zeltplätze sind mehrheitlich triste Caravan Parks wo ein Motorhome neben dem anderen steht. Durch einen Tipp kommen wir doch noch für überteuerte 25€ in einer Caravan Siedlung unter. Der “Zeltplatz” ist eine weitere Perle der Kategorie Hinterhof. Das Zeltareal ist ein schmaler Streifen vollgemüllte Wiese, zwischen Zaun und Motorhomes. Duschen kann man nur im benachbarten Leisure Center, welches aber erst um 12:00 Uhr öffnet und um 18:00 Uhr wieder schliesst. Unsere einzigen Zeltnachbarn kommen um 02:00 Uhr vom Pub nach Hause und haben offenbar noch reichlich Rede-und anderen Bedarf. Der nächste Morgen gibt sich Mühe, uns mit schönem Wetter gnädig zu stimmen und fast hätten wir den besoffenen Iren, welcher neben unserem Zelt im Koma liegt, übersehen. Die Region ist eigentlich sehr schön, wenn unser Einstieg nur nicht so holprig verlaufen wäre. Verfolgt von den Nordiren flüchten wir von der Nordküste an die Westküste und nutzen den sonnigen Tag für eine wunderschöne Küsten-Wanderung. Kaum haben wir den Touristenparkplatz verlassen, laufen wir alleine am Rande der 300 Meter abfallenden Klippen entlang und geniessen die warmen Temperaturen und die schöne Wanderung auf den Slieve League.

Die Steilküste Slieve League

Die Steilküste Slieve League

Auf dem Weg zum gleichnamigen Gipfel

Auf dem Weg zum gleichnamigen Gipfel

und oben...

und oben…

Das Zelt schlagen wir wieder auf einem unattraktiven Camping & Caravan Park auf, jedoch mit wesentlich mehr Grünfläche. Das Frühstücks-Highlight bieten unsere selbstgebackenen Scones. Anschlissend fegt der Landcruiser mit 100 Sachen über die irischen Landstrassen und wir fahren gegen Nachmitag in Galway ein. Galway ist die erste britische/irische Stadt, die einen gewissen Charme ausstrahlt. Mit dem Klang von Uillean Pipes und Stepptanz in den Gassen nimmt uns die schöne Kleinstadt in Empfang. Wir schlendern herum, gönnen uns ein Cheeseboard mit Weisswein und in einem touristenarmen Quartier finden wir auch ein Lokal das uns gefällt und bestellen uns ein Irish Beef auf den Teller. Auf dem nach Hause Weg bleiben wir noch bei den diversen Strassenmusikern stehen und geniessen die ausgelassene Stimmung in den lebhaften Gassen von Galway. Die Nacht verbingen wir im B&B Bayview House (allerdings eher mit Wall View als mit Bay View) und schlafen wiedermal richtig schön aus.

Cheese

Cheese

Eine tolle Band namens Bianco Sporco, die irgendwie latino Klänge mit irischem Steptanz verbinden

Eine tolle Band namens Bianco Sporco, die irgendwie latino Klänge mit irischem Steptanz verbinden

Die Strassen sind auch an einem gewöhnlichen Montagabend brechend voll

Die Strassen sind auch an einem gewöhnlichen Montagabend brechend voll

Auch Kayaker gibt's in Galway zu bestaunen

Auch Kayaker gibt’s in Galway zu bestaunen

Als wir uns gegen Mittag auf dem weiteren Weg in richtung Süden machen, kommen wir an den “Cliffs of Moher” vorbei, der wohl bekannteste Sight Seeing Spot in ganz Irland. Dank eines ausgeklügelten Plans sparen wir uns die Parkgebühr und rollen vom benachbarten Kaff mit den Velos ein. Die Steilklippen bieten eine beeindrukende Szenerie, jedoch mit hunderten von Touristen. Allen Warnungen zum Trotz posieren diese gefährlich nahe am Abgrund – uns bleibt nur das Staunen. Bald hat uns jedoch das schlechte Wetter eingeholt und wir düsen auf unseren Fahrrädern zurück zum Auto.

Cliffs of Moher bei sehr undankbarem Fotowetter

Cliffs of Moher bei sehr undankbarem Fotowetter

Cliffs of Moher

Cliffs of Moher

Mit bitzeli vill Lüt

Mit bitzeli vill Lüt

Wir fahren weiter zum Strand Camping Doonbeg, endlich ein Camping-Platz der nach unseren Recherchen auf die Bedürfnisse von Zeltbewohnern eingeht. Als wir ankommen erfahren wir, dass es keine freien Plätze mehr gibt. Katrin ahnt schon böses, geht nun schonwieder die lange Suche nach einem Zeltplatz los?!? Der nächste Camping-Platz liegt zwar nur 20 Minuten entfernt, jedoch ist es bereits 18.30 Uhr. Auf den Britischen Inseln gehört es zum guten Ton, zwischen 16.00 und 18.00 Uhr anzureisen. Purecamping auf der schönen Halbinsel Loop Head hat jedoch noch genügend Platz, sogar für unser Tipi. Mit Schubkarren schieben wir unser Material quer über den Zeltplatz und bauen unser Basecamp für die nächsten Tage auf. Kaum aufgestellt peitscht der irische Sommerregen aus allen Richtungen nur nicht von oben mit bis zu 60km/h auf das Zelt ein, von Nachtruhe keine Rede. Und so ist die stürmische Nacht dann auch das ultimative Thema am Frühstückstisch in der Gemeinschaftsküche.
Dem launischen Wetter zum Trotz machen wir einen Ausflug zum Loop Head Leuchtturm. Nach einem kurzen Versorgungsstop im nächsten Art-Caffee geht es über schmale Hinterlandstrassen zur Spitze der Halbinsel. Selbstverständlich sind wir wiederum geizig und bezahlen keine 7€/Person um den Minileuchtturm zu besteigen. Als wir den Klippen entlang spatzieren, endecken wir endlich Delphine (drei grosse Tümmler). Kaum entdeckt sind die Drei auch schon wieder abgetaucht.

Der stürmische Wind sorgt für hohe Wellen..

Der stürmische Wind sorgt für hohe Wellen..

bringt aber auch das schlechte Wetter mit

bringt aber auch das schlechte Wetter mit

cof

Wind macht lustig

Wind macht lustig

Als der Regen naht, flüchten wir ins Auto und fahren zurück zum Zelplatz. In der Campers-Kitchen ist schon reger Betrieb. Hervorragend geeignet für allerlei zwischenmenschliche Studien, aber auch immer wieder ein Beweis dafür, dass die meisten Menschen einfach Schweine sind. Erschwerend kommt hinzu, dass Briten und Iren beim Fleisch anbraten in der Regel einen dichten Krematoriumsnebel produzieren. Wir verschwinden als die Düfte ungeniessbar werden. Zurück im Zelt stellen wir uns auf eine weitere windige Nacht ein.
Die Nacht ist entsprechend lange und unruhig. Die Wetterprognose für die nächsten Tage lässt kaum auf Besseres hoffen. Mit Windchill reicht es gerade Mal für 10°C – Wow! Ausser Wäsche waschen, Essen einkaufen und eine neue Gas-Flasche besorgen, geschieht an diesem Donnerstag nicht viel. Meine Stimmung ist gedämpft. Etwas demotiviert von Wind und Wetter entscheiden wir uns dafür, die nächstmögliche Fähre nach Frankreich zu buchen. Diese fährt am Sonntag Nachmittag ab Rosslare (am südwestlichen Zipfel von Irland), so haben wir noch knapp 2 Tage Zeit, um die 440km bis dorthin zurück zu legen.
Am nächsten Tag brechen wir bei trügerisch heiterem Wetter gegen Mittag mit Sack und Pack auf. Gerade noch auf den letzten Drücker schaffen wir es auf die Fähre für die Flussüberfahrt vom River Shannon. Auf der anderen Seite angekommen fahren wir weiter nach Kenmare, einem schönen alten irischen Städchen. Wir schlagen unser kleines Zelt auf und schlendern durch das Dörfchen. Eine Verkäuferin erzählt uns, dass Kenmare unter den Top Cities rangiere und sich gar President Trump schon überlegt habe, hier zu wohnen. Im Coachmans Townhouse lassen wir es uns gut gehen bei ungewohnt gut gewürztem Essen und lokalem Ale. Nach der musikalischen Darbietung des Gastmusikers gehen wir müde und zufrieden zu Bett. Da der wind nach drei Tagen etwas nachgelassen hat, freuen wir uns darauf, wieder einmal durch zu schlafen. Unsere Hoffnungen werden um 1 Uhr Morgens durch ein Pärchen zerstört, welches den ganzen Campingplatz an seinen Beziehungsproblemen teilhaben lässt.
In den Tag starten wir dafür im äussers gut besuchten Maison Gourmet. Einem authentischen französischen Caffee mit erstklassigen Backwaran wie wir sie schon lange nicht mehr erlebt haben. Die Vorfreude auf die Normandie steigt sprunghaft an. 8000 Kalorien später sitzen wir wieder im Auto in Richtung Rosslare. Unsere Reise führt uns für einen Zwischenhalt in die zweitgrösste Stadt Irlands, Cork. Als Touristen haben wir keine Parkkarte, also frage Ich den Polizisten wo ich eine solche erhalte. Er: “You have a swiss plate? ah, go away – we can’t find you anyway, can we?”. Aha, hätten wir das von Anfang an gewusst, so hätten wir uns sämtliche Parkuhren sparen können :-)

cof
Cork hat nicht wirklich viel zu bieten und wir fahren nach einem ausgedehnten Stadtspaziergang, Sushi Rollen und Kaffee weiter nach Waterford, genauer nach Dunmore East. Es erwartet uns die quirlige Enda und Bob in unserer ersten Airbnb Unterkunft. Gegen Abend folgen wir Bob’s Tipp und Essen inmitten der Irischen Upperclass im “The Strand Inn”. Mein erster Hummer zu knacken gelingt ziemlich gut. Bis auf die verdammte letzte Schere, welche wie in Zeitlupe in hohem Bogen bis zum Nachbartisch fliegt. Möglichst unaufällig sammeln wir diese wieder ein, s’hets niemert gseh!
Kugelrund gehts dann ab ins Bett.

Nachdem wir sicherheitshalber alle Sharp Objects in den tiefsten Untiefen unserers Autos versteckt habe, verläuft der Checkin diesmal ohne Probleme und wir befinden uns nun bereits auf der Fähre Richtung Frankreich. Irland haben wir leider etwas im Asiatenmodus durchreist. Es ist zweifelsohne ein sehr schönes Land, aber nach 5 Wochen Schottland merken wir, dass uns die vorherrschenden Landschatfsformen nicht mehr genug reizen um jede Halbinsel und jeden Zipfel ab zu fahren. Zudem haben wir einfach langsam Lust auf Temperaturen über 20 Grad und Campingplätze die diesen Namen auch verdienen. Irland hat uns und unsere Ausrüstung wettertechnisch nochmals richtig gefordert. Im Vergleich dazu, erscheinen uns unsere 2 Monte Island wie Ferien in der Südsee. Vielleicht ist unsere Erinnerung aber auch ein wenig verklärt, weil wir die Hälfte des Tages jeweils in einem 42 Grad warmen Hotpot verbracht haben.

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Nordirland

Nach knapp 3 Stunden Fahrt erreichen wir den Fährhafen in Cairnryan. Am Checkin werden wir von zwei Fährmitarbeitern empfangen. Die beiden Kontrolleure nennen wir mal Good Cop und Bad Cop. Bad Cop und Good Cop würden gerne den Inhalt unserer Boxen sehen. Good Cop hätte eigentlich schon aufgegeben, als er erfährt, dass wir den Kofferraum nicht ohne abmontieren der Bikes öffnen können. Bad Cop allerdings reicht das nicht. So entfernen wir Bikes und Spanngurte und dürfen eine Kiste nach der anderen ausladen. “Ah..just camping gear”..ah nei ächt? Während Bad Cop uns rumkommandiert, ist es dem Good Cop ein wenig unangenehm. Zuerst entschuldigt er sich diverse Male für die Unanemhlichkeiten und drückt dann ein wenig verlegen bewundernd an den Bremshebeln unserer Bikes herum, “nice Bikes!”…”really nice bikes!”….den Flugrost den die Bikes mittlerweile angesetzt haben, hat er dabei wohl übersehen. Während wird alles wieder einpacken, nimmt Bad Cop unser Auto im Vorderbereich auseinander und fördert dabei zielsicher Dinge zu Tage, von denen wir selbst nicht mal hätten sagen können, wo in unserem Auto diese sich gerade befinden. Blöderweise befindet sich darunter Adrian’s in Finnland erworbenes Samen Messer. “WHAT DO YOU NEED THIS FOR?”…ähm…cutting..food and…wood?…”WHY DO YOU HAVE THIS IN YOUR FRONT DOOR!”…wilmer villicht sit 5 Wuche mehr oder weniger i dem Auto lebed und oise ganz Hushalt mitschlepped huere siech!!…Bad Cop behandelt uns jetzt erst recht wie ein hochverdächtiges Terroristenpärchen, als hätten wir vor, mit einem finnischen Souvenir die ganze Fähre abzuschlachten. Wir werden noch etwa 5 mal gefragt ob wir andere spitze Gegenstände im Auto hätten..mmm…No?..nur noch etwa 4 Küchenmesser, einen Leatherman, ein Sackmesser und eine…Axt? Bad Cop klärt uns darüber auf, dass unser Messer als dangerous Weapon klassifiziert wird, weil die Klinge länger als 7cm sei, was sie natürlich auf den ersten Blick und ohne Nachmessen erkannt hat (ich werde das zu Hause nach messen). Ein Supervisor müsse nun darüber entscheiden, ob wir es behalten dürfen oder nicht. Echt jetzt?…also wird der Supervisor gerufen, welcher glücklicherweise äusserst gut gelaunt ist und so dürfen wir das Messer behalten. Good Cop entschuldigt sich nochmals ausführlich und dann dürfen wir uns endlich in die Warteschlange einreihen. Mein Güte..wir haben ja schon so einige Fähren genommen auf unseren Reisen. Aber noch gar nie hat sich auch nur irgendwer für den Inhalt unserers Autos intressiert, geschweige den selbiges durchsucht. Ist ja irgendwie auch ein Witz. Wahrscheinlich hat jedes Wohnmobil und jeder Camper Messer mit Klingen um die 7cm an Board. Ja nu…kaum sind wir an Board ist der Ärger verflogen und wir geniessen eine schöne Überfahrt bei Sonnenschein. Nur 2h später sind wir in Nordirland, genauer in Larne, etwa eine halbe Autostunde nördlich von Belfast.

Wir landen auf einem sehr seltsamen Campingplatz wo wir von Nelson mit 4 Zähnen in Empfang genommen werden. Das Zelt schlagen wir neben einem Baucontainer auf. Dafür ist der Platz unschlagbar billig, für 20 £ bleiben wir zwei Nächte. Für den nächsten Tag ist ein Citytrip nach Belfast geplant. Mit dem Zug fahren wir eine knappe Stunde in die Hauptstadt Nordirlands. Belfast ist keine Schönheit…und das ist noch freundlich ausgedrückt. Es ist sicherlich nicht hilfreich für den ersten Eindruck, dass wir als erstes im heruntergekommenen Westbelfast landen. Hier merkt man schnell, dass der Nordirland Konflikt alles andere als Geschichte ist. Dies liegt hauptsächlich darann, dass hier die sogenannten “Peace Walls” stehen. Ein hoher Zaun, welcher die katholischen von den protestantischen Quartiern trennt. Die grossen Tore im Zaun werden auch heute noch in der Nacht geschlossen und ein Grossteil von Belfasts Einwohnern ist der Meinung, dass die Peace Walls nach wie vor nötig sind, um den Frieden zu wahren. Rund um die Peace Walls besichtigt man als Tourist hautpsächlich die Murals, Wandgemälde die zwar sehr schön aussehen, allerdings hauptsächlich für Propaganda und sonstige politischen Parolen gentutz werden. Ob man sich auf der katholischen oder protestantischen Seite der Mauer befindet, merkt man relativ schnell anhand der Botschaften auf den Murals und der gehissten Flaggen. Wir befinden uns auf der katholischen Seite, entsprechend wehen Irland Flaggen und die Parolen sind sehr anti Britisch. Mich persönlich bedrückt dieses Viertel mit seinen Mauern, Zäunen und Stracheldrähten sehr und dass dies eine der Haupttouristenattraktionen Belfasts ist, macht das Ganze nur noch depremierender. 15 Minuten Fussmarsch später finden wir dann noch noch einen ansehnlichen Teil Belfasts und hier ist dann gar nichts mehr von politischen Botschaften zu sehen. Wir landen in einem sehr hippen Cafe, wo wir wieder einmal den Versuch Filterkaffee wagen. Nein, es schmeckt uns immer noch nicht. Danach besuchen wir das Titanic Musuem, welches 2016 zur weltbesten Touristenattraktion gekürt wurde. Überhaupt ist in Grossbritannien immer alles “Award Winning”, vom Glace bis zum Smoke House. Das Museum ist jedoch wirklich sehr aufwändig und schön gemacht und so kommen wir erst 2 Stunden später wieder ans Tageslicht. Nach einem eher faden Abendessen nehmen wir den Zug zurück nach Larne.

Peace Walls eignen sich auch für Werbung

Peace Walls eignen sich auch für Werbung

Aber hauptsächlich für Murals mit politischen Botschaften

Aber hauptsächlich für Murals mit politischen Botschaften

cof

cof

Am nächsten Tag packen wir zusammen und fahren der Küste entlang Richtung Norden. Die Küstenstrasse wurde uns als “schönste Küstenstrasse in ganz Irland” angepriesen, wir findens eher so mässig. In Nordirland gibt es neben Belfast drei Attraktionen, the Giants Causeway (Basaltsäulen), eine Hängebrücke und Game of Thrones Schauplätze. Die Serie wird seit 5 Jahren zu einem grossen Teil in Nordirland gedreht. Darauf ist man hier sehr stolz und es ist ein ganzer Tourismuszweig daraus entstanden. Da wir beide die Serie noch nie gesehen haben, bleiben Basaltsäulen und Hängebrücke. Wir haben allerdings keine Lust 40 Franken Eintritt zu bezaheln und lassen somit beides aus.

Letze Station ist Derry (eigentlich Londonderry, aber das mögen die katholischen Einwohner wohl nicht so). Auch Derry war ein wichtiger Schauplatz des Nordirland Konflikts. Im katholischen Teil sind wiederum Murals zu sehen, Plakate fordern die Freilassung ehemaliger IRA Mitglieder und riesige Graffitis “End british rule”.

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Doch noch was schönes gefunden

In den Strassen von Derry

In den Strassen von Derry

Murals am Free Derry Corner

Murals am Free Derry Corner

Ich habe nun definitiv genug von dem Ganzen und bin nicht unfroh, dass wir wenig später die Grenze zu Irland passieren. Dies merken wir allerdings nur, weil plötzlich km/h unter der Geschwindigkeitsbegrenzung steht. Nordirland verbuchen wir unter “interessant”.

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Northern Highlands

Wie geplant stehen wir am Freitag um punkt 12:00 Uhr vor dem Checkin für die Fähre. Trotzdem schaffen wir es “nur” auf Platz 2 in der Standby Lane. Die Zeit bis zum Boarding und der Entscheidung ob wir mit dürfen oder nicht, vertreiben wir uns bei Kaffee und Shopping im kleinen Stornoway. Kurz vor 14:00 beginnt pünktlich das Verladen der Fähre und nachdem alle drin sind geht’s ruckzuck, Tickets abgeben und drin sind wir. Heute haben sogar alle Glück und die gesamte Standby Lane findet noch Platz auf der Fähre. So rollen wir 2 Tage früher in Ullapool wieder zurück aufs Festland. Etwa eine Autostunde nördlich von Ullapool schlagen wir unser Basecamp auf. Leider ist das Wetter alles andere als gemütlich und wir müssen wieder einmal im Zelt kochen. Während der Zeltofen unsere Füsse wärmt und den Kaffee kocht beschliessen wir, dass dies der nördlichste Punkt unserer Reise sein wird und wir uns somit langsam Richtung Fähre nach Nordirland bewegen werden. Da diese unterhalb von Glasgow fährt, wird es allerdings noch ein wenig dauern, bis wir die Strecke zurück gelegt haben.
Am nächsten Tag erwachen wir bei 1A schottischem Sprühnebelregen und so ist est einmal Ausschlafen angesagt. Erst gegen Abend wird es dann ein wenig trocken und wir wagen uns doch noch nach draussen um eine kleine Küstenwanderung zu unternehmen, welche uns wie immer durch sumpfige Wiesen zu einer Felsnadel im Meer führt. Danach geniessen wir sogar noch so etwas wie einen Sonnenuntergang beim Stoer Lighthouse, während uns der eiskalte Wind um die Ohren pfeift.

Stoer Lighthouse

Stoer Lighthouse

Ebendieser starke Wind, sorgt dann auch für eine äusserst unruhige Nacht und das Zusammenpacken am nächsten Tag wird zur richtigen Challenge. Irgendwann ist dann alles Material ohne Verluste im Auto verstaut und wir machen uns auf die Suche nach etwas zu essen. Als uns wieder mal nur Closed Schilder begrüssen wird uns klar, dass heute Sonntag ist und so müssen wir vorerst hungern. Da Petrus gerade ein vierstündiges Schönwetterfesnter eingelegt hat, machen wir Halt beim Stac Pollaidh, einem kleinen Berg zwischen Lochinver und Ullapool. Da wir immer noch nichts gegessen haben, müssen wir notgedrungen einfach das essen, was gerade verfügbar ist und sich nicht irgendwo in einer Kiste im Kofferraum befindet. In dem Falle 4 Bananen, eine Tüte Chips und Macadamia Nüsse. Dies reicht vorerst um den Gipfel zu besteigen und der weiterhin heftige Wind schiebt uns freundlicherweise schon fast den Berg hoch. Wir geniessen soweit möglich das schöne Panorama und kämpfen uns dann gegen den Wind wieder runter. Dieser ist allerdings so heftig, dass wir stellenweise fast nicht mehr vorwärts kommen.

Gipfel geschafft

Gipfel geschafft

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Abstieg

Abstieg

Aber irgendwann ist es dann doch noch geschafft und in Ullapool finden wir dann endlich auch noch etwas richtiges zu essen. Nach einer weiteren Stunde sind wir bei unserem Campingplatz für die kommende Nacht angekommen. Das Wetter ist mittlerweile einfach nur scheisse. Orkanwinde, Sprühnebelregen und gefühlte 0 Grad. Brrr! Aber der Wetterbericht verspricht für die kommenden Tage Sonne und motiviert uns zum durchhalten. Den Abend verbringen wir in der Gemeinschaftsküche des Campingplatzes. Man könnte Stunden zubringen, den Briten bei ihren Kochverbrechen zu zu schauen. Verkohlte Fajitas mit Tomatenpüree und Tütenkäse Füllung ist dabei das Highlight.
Am nächsten Tag hat endlich der Wind nachgelassen und wir finden zur Abwechslung ein nettes Cafe fürs Frühstück und siehe da, bis wir fertig gegessen haben werden die blauen Löcher in der Wolkendecke immer grösser und grösser. Liegt wohl darann, dass Adrian mutig seinen Blackpudding (Blutwurst) aufgegessen hat. Bereits eine Stunde später düsen wir bei schönstem Sommerwetter der Küste entlang, von der wir für einmal auch etwas sehen.

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Unser Zwischenziel heisst Applecross, ein Miniort der eigentlich nur aus zwei Restaurants und einem Campingplatz besteht. Wir beschliessen hier zu bleiben und geniessen für einmal einfach nur das schöne Wetter bei Bier, Lachsbrötchen und Steinpilz Polenta. Sogar die kurzen Hosen kommnen zu ihrem ersten schottischen Einsatz. Nahtlos geht es am nächsten Tag mit Sonne weiter. Nachdem wir endlich wieder einmal draussen frühstücken können, machen wir noch eine kurze Wanderung. Dazu befahren wir den Bealach na Bà, einer der höchsten Strassenpässe Grossbritanniens. Dies klingt spektakulärer als es ist, aber die Aussicht rüber nach Skye ist phänomenal. Nur gerade 15 Minuten nach dem wir den Rummel auf dem Parkplatz des Passes hinter uns gelassen haben, finden wir uns in absoluter Bergeinsamkeit wieder. Unser Ziel ist ein weiterer unausprechlicher Berggipfel namens Sgurr a’ Chaorachain welchen wir über einen sehr schönen Grat nach gut einer Stunde erreichen.

Der heutige Bergpreis

Der heutige Bergpreis

Mit schönen Weit..

Mit schönen Weit..

und Tiefblicken

und Tiefblicken

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Für einmal ist es sogar warm genug für eine Gipfelrast und wir geniessen noch ein wenig das weitreichende Panorama über die Highlands und die Isle of Skye, ehe wir uns wieder auf den Rückweg machen. Den restlichen Nachmittag liegen wir faul an der Sonne und nach einer Schüssel Pasta Carbonara geht’s zum Sundowner ins Pub, wo wir sogar bis um 22:00 Uhr im T-Shirt draussen sitzen können. Ach Schottland, hättest du doch nur ein paar Tage mehr wie diesen, wir würden es noch viel länger bei dir aushalten. Der Wetterbericht prognostiziert jedoch bereits das Ende des kurzen Ausfluges in den Sommer.

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Auch auf dem Weg ins Pub?

Sad Hochlandrind

Von Applecross geht es, unterbrochen von einem kurzen Seafood Dinner Stop in Oban, zurück an den Loch Lomond, wo wir uns wieder einmal in einem Hotel einmieten. Hier in den Trossachs startete vor fast 5 Wochen unser Schottland Abenteuer und hier ist es wieder fast zu Ende. Nur noch 2h Fahrt trennen uns von der Fähre nach Nordirland.

Es waren tolle Wochen in diesem Land mit seiner wilden Natur, den schön geformten Munros, den türkisblauen Stränden, den äusserst freundlichen Menschen und dem (meistens) beschissenen Wetter :) Aber jetzt ist es Zeit für etwas (halbwegs) Neues. Wir freuen uns auf Nordirland und Irland!

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Äussere Hebriden

Der erste Tag auf North Uist bringt erst einmal Regen, obwohl der Wetterbericht nur Sonne vorausgesagt hat. So verbringen wir den Vormittag mit Auto aufräumen, Wäsche waschen und Blog schreiben. Am Nachmittag trifft dann der Wetterbericht doch noch ein und wir verbringen ein paar Stunden an den schönen Stränden von Northern Uist. Kaum haben wir dann unser Znacht gekocht, wird es dann auch recht schnell ziemlich kühl und wir verkriechen uns bei kuschligen 9 Grad in unsere Schlafsäcke.

Südseefeeling..

Südseefeeling..

auf den äusseren Hebriden

auf den äusseren Hebriden

cof

Ebbe

Ebbe

Am Dienstag packen wir dann unser Tipi bereits wieder zusammen und nehmen die paar Meilen nach Eriskay unter die Räder. Am Fährhafen lassen wir unser Auto stehen und fahren für einmal nur mit zwei Rädern und unserer leichten Zeltausrüstung auf die Fähre nach Barra, einer kleinen Insel unterhalb von South Uist. Das Wetter ist für einmal prächtig und so rollen wir 40 Minuten später mit unseren Bikes gut gelaunt von der Fähre. Erstes Ziel ist der Flughafen von Barra, wo die Flieger auf einem flachen, langen Strand landen. Wir haben Glück und nur wenige Minuten nach unserer Ankunft fliegt eine Twin Otter weniger Meter an uns vorbei um zu landen. Wir genehmigen uns noch ein Sandwich im Flughafen Cafe und strampeln dann weiter auf die Ostseite der Insel, bis wir im stetigen auf und ab am südlichsten Zipfel der Insel angekommen sind. Einen der Strände suchen wir für unser Nachtlager aus. Wir wähnen uns schon in totaler Einsamkeit, als am späteren Abend noch eine ca. 20 köpfige Jugendgruppe auftaucht und ihre Zelte direkt neben uns aufbaut. Das war’s dann mit unserer Einsamkeit..jä nu. Wir schauen aus unserem Zelt noch eine Weile dem Sonnenuntergang zu, bevor wir begleitet vom Wellenrauschen einschlafen.

Twin Otter im Anflug, Glasgow - Barra

Twin Otter im Anflug, Glasgow – Barra

Der Flughaven von Barra

Der Flughaven von Barra

Vorbei an Traumstränden..

Vorbei an Traumstränden..

zu unserem Nachtlager

zu unserem Nachtlager

Der nächste Morgen weckt uns früh, weil es zu warm wird im Schlafsack. Wir packen zusammen und pedalen zurück Richtung Fähre. Die vielen Steigungen bringen uns in unseren langen Hosen dann doch recht ins Schwitzen, ehe wir knapp 2 Stunden später am Fährhafen eintrudeln. Zuürck auf South Uist fahren wir einmal quer über die Insel um am anderen Ende die Fähre nach Harris zu erwischen. Wir haben für einmal Glück und unser Auto passt gerade noch als Letztes auf die kleine Fähre.

Glück gehabt..

Glück gehabt..

Da für die nächsten Tage Schlechtwetter angesagt ist, schlagen wir wiederum nur unser kleines Zelt auf. Wir wollen möglichst bald wieder zurück aufs Festland, von Stornoway fährt eine weitere Fähre nach Ullapool. Doch im Ticketoffice in Tarbert heisst es wieder einmal: Sorry, fully booked. Der nächste freie Platz gibt’s erst am Sonntag! Uff…wir lassen uns auf die Sonntagsfähre buchen und beschliessen, trotzdem mal Richtung Stornoway zu fahren. Bis am Sonntag können wir uns theoretisch zweimal täglich in die “Standby Lane” stellen und hoffen, dass es doch noch Platz hat.
Heute ist es zudem recht schwierig, irgendwo ein Cafe zu finden. Die wenigen Möglichkeiten rund um Tarbert empfangen uns alle mit einem “Closed” Schild. Heute ist irgend eine Agrikultur Show, an deren sich offenbar die halbe Insel befindet und daher hat niemand Zeit, die Touristen zu bedienen. Dafür treffen wir auf einem Parkplatz auf einen Schotten, der Fisch aus seinem Kofferraum verkauft. Wir erstehen geräucherte Makrelen und “because you’re on vacation you buy 1 and get 2!”…für schlappe 2.50£ erstehen wir also 2 Packungen und unser Znacht steht somit auch schon fest. Aufgrund des Wetters schlafen wir heute für einmal in einem “Bunk House”, also sowas ähnliches wie eine Jugendherberge. Morgen wollen wir es dann doch einmal mit der Standby Lane versuchen. Wir werden sehen!

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Isle of Skye

Wie immer stehen wir auf und zählen als erstes unsere neuen Stiche, welche uns Midges über Nach zugefügt haben. Diesmal habe ich wohl meine Hände nicht im Schlafsack gehabt, ein Dutzend neuer Stiche kommen hinzu.
Wir packen zusammen und stärken uns für die Reise zur Isle of Skye bei einem Zwischenhalt in Fort William. Unsere Reise führt über eine wunderschöne Küstenstrasse vorbei am legendären Glenfinnan-Viadukt (Harry Potter Filme) – sorry, der Parkplatz war uns zu teuer – bis zum Fährhafen Mallaig. Wir können ohne warten gleich in die Fähre fahren, welche uns wenig später in Armadale auf der Isle of Skye wieder auslädt. Das Wetter wird zunehmend schlechter, die Fahrt zum Camping Platz fühlt sich an wie eine Reise ans Ende der Welt. Bevor der strömende Regen anfängt, haben wir das Tipi nahe dem Meer aufgestellt, kochen bei gemütlicher Ofenwärme während es draussen stürmt und lassen so den Tag ausklingen.

Kurz vor dem Sturm noch ein wenig blauer Himmel

Kurz vor dem Sturm noch ein wenig blauer Himmel

Die Isle of Skye hat Parallelen zu Island, zumindest Wettertechnisch. Es wechselt ständig von bewölkt zu Regen und zurück. Hin und wieder sind vereinzelt blaue Löcher zu erkennen, jedoch nicht für lange. Für eine lange Bergwanderung ist es uns zu wechselhaft, wir entscheiden uns Heute für die Quiraing, eine wilde Steinlandschaft auf der Halbinsel Trotternish. Nach einem kurzen Abstecher in die Brauerei des Isle of Skye Bieres müssen wir schön ein wenig suchen, um auf dem übervollen Parkplatz noch irgend eine Lücke zu finden. Anfängerhaft entscheide ich mich für die Halbschuhe mit abgelaufenem Profil und so wird der Aufstieg auf den nahegelegenen Sumpfhügel zu einer ziemlichen Rutschpartie für mich und die anderen optimistischen Halbschuhtouristen. Katrin hingegen hat sich für die Wanderschuhe entschieden und hat keine Probleme dem Pfad voller Matschlöcher zu folgen. Auf dem Hügel angekommen hat sich die ganze Matscherei jedoch gelohnt, es umgibt uns eine wunderschöne Landschaft mit hervorragender Weitsicht. Zudem machen die wenigsten Touristen die ganze Umrundung und so sind wir für eine Weile sogar recht einsam unterwegs.

cof

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cof

Am Samstag Morgen sind wir unentschlossen, wie wir den weiteren Verlauf angehen möchten. Voraussichtlich sollte es ein schöner Tag werden. Es ist jedoch bereits am Morgen Schlechtwetter absehbar. Die Bergwanderung ist daher erneut gestrichen. Wir entscheiden uns für eine Küstenwanderung mit Zeltübernachtung weiter Südlich und packen bei (noch) trockenem Wetter all unser Hab und Gut ein und bereiten alles Nötige für die Wanderung vor. Der Weg südwärts führt uns an Talisker vorbei – der weltbekannten Whisky-Distillerie. Wir schauen uns die Raritäten und das besondere Verfahren für den Rauchgeschmack im Whisky an und kaufen eine gute Flasche Scotch für zu Hause ein. Auf den ersten paar Metern nach der Distillerie schlägt das Wetter auf Regen um. Unser Tagesprogramm ist gezwungen, sich am Wetter anzupassen und so wird aus Wandern eine Inselrundfahrt. Auf der Fahrt um Insel kommen wir an einem winzigen Kaffee-Häuschen vorbei, wo wir uns je ein Stück der hervorragenden Kuchenauswahl gönnen. Weiter geht’s zu Skyeskyns, eine der letzen Gerbereien Schottlands. In einer kurzen Tour wird uns erklärt, wie durch aufwändige Handarbeit aus einem blökenden Schaf ein kuscheliges Fell wird. Eigentlich wollten wir ja nichts kaufen, aber im Showroom können wir es dann doch nicht lassen, unserem isländischen Schaf ein Kollege von den Hebriden mitzubringen.

Zwischenzeitlich wird das Wetter im schlechter und am Fährenhafen in Uig beschliessen wir spontan zu versuchen, heute noch auf die äusseren Hebriden zu gelangen. Die Fähre ist allerdings bereits voll, wir reihen uns in die Stand-by Schlange ein und warten, während es Katzen und Hunde regnet. Zwei Stunden später ist klar, heute gibt es keinen Platz mehr auf der Fähre. Da wir bei dem Wetter keine Lust haben zu kochen, geschweige denn das Zelt nochmals aufzubauen, suchen wir die umliegende Gegend nach einem warmen Zimmer ab. Hotel wie auch Bed & Breakfast melden alle “No Vacancies” – seriously?!? Nach sechs gescheiterten Versuchen wird uns klar, dass wir heute kein Zimmer mehr bekommen werden. Also zumindest ein Tisch fürs Abendessen..aber auch das ist schwerer als gedacht. Es scheint, als sei auf der gesamten verdammten Insel jedes Bett und jeder Tisch besetzt. Die Stimmung wir langsam immer bedrückter, als wir gegen 21:00 Uhr doch noch ein Restaurant finden, welches uns aufnimmt. In Portree kehren wir in einem hippen Lokal ein und schlagen uns die Bäuche voll. Wieder etwas besser gelaunt, steuern wir den nächstgelegenen Camping-Platz an, die Platzwartin meint jedoch “we are Full”. Die Argumentation dass unser Zelt gerade mal knappe 2×1 Meter misst zieht nicht, obschon noch viel Grünfläche zu sehen ist wo wir unser Zelt locker noch 10 mal aufstellen könnten. Auch beim nächsten Camping-Platz werden wir abgewimmelt. Im strömenden Regen wir uns erklärt, dass 22.30 Uhr zu spät ist, um noch ein Zelt aufzustellen. Selbst das Wetter und die Tatsache, dass der nächste Campingplatz 30km weit entfernt ist, mögen das Herz der Platzwartin nicht erweichen. Ich verstehe die die Welt nicht mehr und habe auch keine Lust zu argumentieren. Wir kapitulieren und wählen die nächst beste Seitenstrasse und danach die nächst beste Grünfläche, in dem Fall eine vollgeschissene Schafweide, um einfach irgendwo schlafen zu können. In der Dämmerung finden wir die einzigen 2qm ohne Scheisse und immerhin Petrus hat noch ein wenig erbarmen und stellt für kurze Zeit den Regen ab. “Bäääh…”-Laute begleiten uns sanft in den verdienten Schlaf.

Viel Scheisse aber gute Aussicht - im Biwak zum bähenden Schaf

Viel Scheisse aber gute Aussicht – im Biwak zum bähenden Schaf

Um 07:00 Uhr werden wir von drei Seiten gleichzeitig angebäht, Zeit aufzustehen und die Wiese wieder den Schafen zu überlassen. Immerhin ist heute das Wetter schon wieder viel freundlicher und unser “Zeltplatz” hat eigentlich eine ganz schöne Aussicht.
Zurück in Uig stellen wir sicher, dass wir heute definitiv für die 18.30 Uhr Autofähre nach Lochmaddy gebucht sind. Uns bleibt noch viel Zeit und so mischen wir uns unter die anderen Touristen und pilgern zusammen mit ganzen Busladungen an Asiaten und Amerikanern zum Old Man of Storr. Der Aussichtspunkt für die bekannte Felsnadel wird einmal mehr auf äusserst sumpfigen Pfaden erklommen. Wie so oft in Schottland ist es schwierig, bei den herrschenden Lichverhältnissen und unseren limitierten Knipsfähigkeiten, Fotos zu machen, die der Schönheit der Gegend gerecht werden.

The old man of Storr und seine Familie

The old man of Storr und seine Familie

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Je später der Tag desto besser das Wetter. Am äussersten Zipfel von Skye finden wir ein winziges Cafe namens Single Track. Wer hätte gedacht, dass wir hier am Ende der Welt den besten Kaffee seit langem bekommen? Gestärkt mit Kuchen geht’s weiter zu Rubha Hunish & The Lookout, einer schönen Wanderung zum nördlichsten Punkt der Isle of Skye. Von da aus erblicken wir bei (endlich, endlich, endlich) strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel unser nächstes Ziel, die äusseren Hebriden.

 

Feiner Kaffee am Ende der Welt

Feiner Kaffee am Ende der Welt

The Lookout - Bothy (Schutzhütte) mit Aussicht

The Lookout – Bothy (Schutzhütte) mit Aussicht

Wir geniessen noch ein wenig die Sonnenstrahlen und sind zeitig zurück in Uig. Die Fähre bringt uns pünktlich auf die äusseren Hebriden und als eine der ersten verlassen wir die Fähre und zischen über die einzige Hautstrasse der Insel zu Moorcroft Holidays, einem wunderschön gelegenen Campingplatz inklusive Sonnenuntergang. Wir schlafen nach einem langen Tag schnell ein.

Ende gut, alles gut

Ende gut, alles gut

Fazit: Die Isle of Skye ist wirklich wunderschön, aber zur Hauptsaison sehr sehr voll. Wer nicht vorbucht hat schlechte Karten irgendwo spontan etwas zum Übernachten zu finden.

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Untwegs in den Highlands

Nach einer erholsamen Nacht, obwohl uns morgens um vier ein wunderschöner Sonnenaufgang geweckt hat, der direkt in unser Bett schien, machen wir uns auf zum Zmorgenbuffet des Hotels. Bis wir begreifen, dass wir da ja in Schottland sind. Somit ist Zmorge a la carte angesagt. Adrian wagt sich mutig an Haggis, ich wage mit French Toast eher weniger Experimente. Gut gestärkt fahren wir entlang der Küste Richtung Inverness. In Inverness ist richtig viel los an diesem Samstag Nachmittag und hier findet man die ganze Bandbreite an schottischem Tourikram. Kilts und Tweed an jeder Ecke und egal wo man gerade ist, irgendwo ist bestimmt jemand am Dudelsack spielen. Wir haben jedoch ein ganz anderes Ziel, wir wollen der Kaffeerösterei einen Besuch abstatten. Dort lässt man uns sogleich durchs Sortiment probieren und wir kaufen frische Malabar Bohnen für unsere Bialetti Kanne. Nach der erfolgreichen Kaffeemission schlagen wir unser Base Camp auf der Black Isle, einem kleinen Zipfel oberhalb von Inverness, auf. Der Camping Platz liegt direkt am Meer und ist eigentlich ganz schön…nach einem offenbar etwas geschockten Gesichtsausdruck beim Bezahlen, hat der Besitzer erbarmen und verrechnet uns “nur” den Mitgliederpreis.

Camping mit Strand

Camping mit Strand

Der Wetterbericht meldet für den nächsten Tag Regen ab dem Mittag. Also satteln wir am Morgen unsere Bikes, um noch möglichst trocken eine kleine Tour zu fahren. Wir landen in einem kleinen Bike Park ganz in der Nähe, mit schöner Aussicht über die Moray Firth Bucht. Der Park verfügt über drei Trails, welche sehr schön angelegt und sogar auch total trocken sind. Der blaue Trail macht selbst mit unseren schwach befederten Hardtails richting Laune, so dass wir ihn gleich mehrmals befahren. Andere Biker treffen wir selten und wenn, dann sind es übermotivierte Väter die ihre Kiddies durch den Park scheuchen (PEDAL PEDAL PEDAL!!! RELAX YES GOOD! RELAX!! PEDAL!!). Auf dem Rückweg holt uns dann der prognostizierte Regen ein, gerade richtig für ein intensives Powernap, bis eine Regenpause doch noch das Kochen des Abendessens zulässt.

Bike Park auf der Black Isle

Bike Park auf der Black Isle

Am nächsten Tag ist es Zeit, die Westküste in Angriff zu nehmen. Bis jetzt waren wir ja eher im Osten unterwegs, welcher etwas weniger spektakulär, dafür auch weniger touristisch ist. Nun wollen wir jedoch die “richtigen” Highlands, Isle of Skye so wie die Hebriden erkunden. Dazu fahren wir erst mal vorbei am Loch Ness, welches nicht mehr oder weniger schön ist, als die anderen 2000 Lochs in Schottland, und parken schliesslich am Loch Laggan. Da der Wetterbericht zwei schöne Tage vorausgesagt hat, wollen wir eine Wandertour mit Biwak unternehmen. So schultern wir gegen Abend die schweren Rucksäcke und nehmen die ersten 2 1/2 Stunden bis zu einem Bergsee namens Lochan a’Choire in Angriff. Oben angekommen gibt’s erstmal Trekking Food zum Abendessen…Farfalle mit Spinat und Beef Stroganoff. Urks…zum Glück müssen wir das nur heute Abend essen.

Na ja..

Na ja..

Da es nun erst 19:00 Uhr ist, beschliessen wir den Gipfel noch in Angriff zu nehmen. So können wir am nächsten Tag gleich den Abstieg über den Grat angehen, ohne Umweg über den Munro Creag Meagaidh. Der Weg Richtung Gipfel fürhrt durch eine sehr steile, geröllige Scharte und danach unschwierig über ein sehr breites Plateau zum Gipfel. Dank den langen “Sommer”nächten, reicht das Tageslicht noch für das schöne, aber etwas wolkenverhangene Panorama. Gegen 22:00 Uhr sind wir zurück beim Zelt und verkriechen uns in die Schlafsäcke.

Late Night Hike

Late Night Hike

Die Nacht ist etwas kühl aber ganz ok, am nächsten Morgen weckt uns jedoch Regen. Ein Blick aus dem Zelt zeigt wolkenverhangene Berge. Wir sind etwas verwirrt. Stand im Wetterbericht nicht etwas von “no rain”, “sunny patches” und so? Mit dem kümmerlichen Edge Empfang prüfen wir den Wetterbericht nochmals, welcher sich offenbar um 180 Grad geändert hat. Am Morgen Regen, am Nachmittag dann vielleicht etwas Besserung. Wir gratulieren uns zu unserer Entscheidung, den Gipfel gestern noch gemacht zu haben und nehmen den Abstieg nicht über den Grat, sondern auf dem einfachen Aufstiegsweg unter die Sohlen.

Biwak am Bergsee

Biwak am Bergsee Lochan a’Choire

Vom Loch Laggan ist es dann nur noch einen Katzensprung bis nach Fort William, sowas wie der Hauport der Highlands, da hier nicht nur der West Highland Way endet, sondern auch der höchste Berg Grossbritanniens steht, der Ben Nevis. Um diesen Berg wird in etwa der gleiche Hype gemacht wie um den Kebnekaise in Schweden. Jeder will da hoch, auch wenn es 200 schönere Munros gibt als gerade diesen. Vorerst holen wir in Fort Williams nur unser Amazon Packet auf der Post und fahren dann weiter ins Glencoe. Unser Zelt bauen wir auf einem Zeltplatz mit dem schönenen Namen “Red Squirrel Campsite” auf. Nach all den durchgestylten Caravan Sites der letzten Wochen eine nette Abwechslung. Der Campingplatz liegt direkt am Fluss, es gibt keine Parzellen, keine Womos und kein Strom.

Auf dem Red Squirrel Camping

Auf dem Red Squirrel Camping

Wir geniessen unser schönes Plätzchen, essen zur Abwechlsung wieder einmal gemütlich draussen und backen Schokobrötchen. Die Briten…sind noch nicht im Zeitalter der Mischbatterien angekommen, aber haben Fertigteig in Dosen.

Es beginnt mit einer Dose..

Es beginnt mit einer Dose..

öffnet man diese, quillt einem der Teig entgegen

öffnet man diese, quillt einem der Teig entgegen

Hat man den Teig aus der Dose befreit..

Hat man den Teig aus der Dose befreit..

macht man Schoggibrötli daraus

macht man Schoggibrötli daraus

Der Omnia erledigt den Rest

Der Omnia erledigt den Rest

Gegen Abend wir dann das Wetter sogar noch richtig gut, wir sehen seit langem wieder ein mal die Sonne und blauer Himmel. So fahren wir nach dem Abendessen spontan noch in eines der schönen Seitentäler des Glencoe und geniessen die Abendstimmung.

Unterwegs in einsamen Seitentälern

Unterwegs in einsamen Seitentälern

und schönen Buchten

und schönen Buchten

Auch der nächste Tag soll wettertechnisch gut werden. Wir entscheiden uns gegen Menschenmassen auf dem Ben Nevis und für Einsamkeit auf dem Bidean Nam Bian. Nach einem eher späten Start in den Tag, starten wir erst gegen 12:00 Uhr zur Tour. Diese führt uns über einen recht angenehmen aber sausteilen Weg und später über gigantische Geröllhaufen zuerst auf Munro Nummer eins, den Stob Coide nan Lochan. Von dort geht es nach einem kurzen Abstiegt über einen ebenfalls ziemlich steilen Grat auf den Munro Bidean nam Bian. Die Aussicht ist auf beiden Gipfeln gigantisch und selbst der Gipfel des Ben Nevis ist heute wolkenfrei (wenn man den Reiseführeren glauben darf, hüllt sich der Gipfel an ca 300 Tagen im Jahr in Wolken).

Gipfelpanorama mit Ben Nevis

Gipfelpanorama mit Ben Nevis

Abstieg durchs Lost Valley

Abstieg durchs Lost Valley

Gipfelselfie

Gipfelselfie

Über einen etwas halsbrecherischen Abstieg gelangen wir ins schöne Lost Valley und von dort zurück zum Parkplatz.

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