Petri Heil!

Die schöne Campsite in Dalen haben wir hinter uns gelassen, nachdem wir die Firewall nach den Wünschen des Besitzers angepasst haben, weil selbst visitnorway.no, die offizielle Touriseite von Norwegen, blockiert wurde. Für ein Mal hat sich also auch das IT-Wissen ausbezahlt. Die schöne RV37 brachte uns in einigen Fahrstunden nach Rjukan. Das Dorf liegt tief eingebettet im Talboden, ganz in der Nähe der Hardangervidda, dem grössten Fjell und Naturschutzgebiets Norwegens. Aufgrund der besonderen Lage haben die Bewohner im Winter keine Sonne, dafür ist der Ort sehr geschichtsträchtig. Im zweiten Weltkrieg wurde dort die deutsche Produktion von schwerem Wasser durch Wiederstandskämpfer sabotiert.

Wir konnten es nicht lassen, an der lokalen Konditorei einen Zwangsstopp ein zu legen, um wieder zu Kräften zu kommen. Kleiner Lerneffekt dabei: Cremeschnitte nennt man in Norwegen Napoleonschnitte. Als Zeltplatz fanden wir einen schönen Platz am Tinnsjö mit viiiiiiiel Sonne. Inzwischen gut geübt mit den Einweg-Grills, grillten wir uns köstliche Hot Dogs. Beim letzten Hot Dog Essen gelang es mir ja deren sieben zu verdrücken. Diesmal nur deren drei – ich musste staunen über meinen letztmaligen Fressanfall, bin dieses Mal nicht über die Hälfte gekommen.

Die Nächte werden wieder dunkel

Die Nächte werden wieder dunkel

Der Gaustatoppen ist der höchste Berg der Telemark-Region. Klar, dass wir diesen besteigen mussten. Nach dem Frühstück ging’s los, erst mit dem Auto, dann zu Fuss. In 2h hatten wir die 710 Höhenmeter zurück gelegt und befanden uns auf 1883 Meter Höhe. Der starke Wind hatte inzwischen nachgelassen und wir genossen den verdienten Ausblick über weite teile Norwegens. Beim Rückweg kamen uns ungewohnte Menschenmassen entgegen – offenbar auch bei den Einheimischen ein Highlight, dieser Berg. Da der Rückweg so quasi an Rjukan vorbei führt, nochmals Konditorei – Njam njam… Haben wir uns ja auch verdient.

Blick vom Gaustatop

Blick vom Gaustatop

Da wir früher als erwartet zurück waren, besuchte ich kurzerhand noch MX Sport auf der Suche nach einer neuen Pfanne, da bei unserer die Teflonbeschichtung sich nach bald drei Monaten langsam verflüchtigt. Im Laden gab es Pfannen nur im Set , was nicht meinen Vorstellungen entsprach. Damit ich nicht ganz vergebens in den Laden gelaufen bin, liess ich mich nochmals zum Thema Angel beraten und kaufe mir kurzerhand eine Frischwasser-Angel mit zweierlei Köder. Vor lauter Aufregung vergass ich, dass ich noch im Supermarkt einkaufen wollte und bin wie ein freudiges Kleinkind “nach Hause” geeilt. Tja, das passiert, wenn man mich unbeaufsichtigt lässt :)

Nach dem Abendessen war es so weit, ich griff mir die Angel und ging an’s Wasser. Es heisst, als Angler ist man immer in Gesellschaft – so war’s auch bei mir. Da bereits ein älterer Norweger am Fischen war, gesellte ich mich zu Ihm und liess mir gleich noch die Grundlagen des Angelns erklären. Da er nur wenig Englisch und ich etwa gleichviel Norwegisch konnte, war es äusserst unterhaltsam für beide. Mit der Zeit klappte es immer besser mit dem Auswerfen des Köders, hin und wieder gabs auch Hänger. Schnell lernte ich, als Fischer braucht es vor allem Geduld. Die ersten Angelstunden verstrichen und kein Fisch hat angebissen. Auch bei meinem neuen Kollegen ergab sich nichts, so zogen wir erfolglos von dannen.

Auch schön wenn man nichts fängt

Auch schön wenn man nichts fängt

Neuer Tag, neues Glück. Ich verbrachte den Tag mit Fischen, bald gesellte sich auch Katrin dazu und wollte sich auch im Werfen üben. Nach einigen Würfen blieb ihr der Köder an einer kleinen Tanne in zwei Meter Tiefe hängen und führte zu einer unfreiwilligen Bade- und Berge-Einlage. Ungünstigerweise blieb am Abend auch gleich der schöne rote Köder irgendwo am Grund hängen. Auch die Bergungsaktion vom Boot aus half nicht, der Köder blieb verschollen. Mit Verlust muss wohl früher oder später gerechnet werden, aber schon so früh? Und noch immer hat keine Forelle angebissen.

Am nächsten Tag war es richtig heiss und so gondelten wir mit einem Kanadier über den einsamen See, genossen das tolle Wetter und warfen noch einmal die Angel aus. Aber weiterhin kein Glück. Nach einem kurzen Bad packten wir unsere Sachen und fuhren weiter nach Lunde. In der Nähe der Stadt Nodotten versuchten wir nochmals unser Anglerglück. Vor der Abreise hatten wir nochmals kurz im Sportladen zugelangt und uns nochmals einen roten Köder gekauft, diesmal aber nur 6g. Weiterhin kein Anglerglück, dafür ein wunderschöner Platz für eine kurze Rast. Nach kurzer Weiterfahrt gelangten wir zur Stabkirche Heddal – der Tourismusmagnet in der Region. “Klein aber Oho” beschreiben die Kirche am besten. Bis nach Lunde rollten die Räder unseres Geländewagens, wo wir unter blauem Himmel das Tippi nähe der Schiffsschleuse aufschlugen. Auf Angeln verzichteten wir, da offenbar im nahegelegenen Fluss keine Forellen mehr leben – es wurden alle gefressen?!?

Eine der breühmtesten Stabkirchen Norwegens

Eine der breühmtesten Stabkirchen Norwegens

Gestern versuchten wir uns dann wieder einmal im Klettern, was aber nicht wirklich so ein wahnsinns Erfolg war. Irgendwie war der Fels steil und unglaublich rutschig. So schafften wir mit Mühe und Not knapp mal zwei Routen. Während unserem Aufenthalt stiess ein Pärchen zu uns. Er, oben ohne mit beachtlichem Sixpack, tänzelte mal eben mit einem fröhlichen Lied auf den Lippen die Nachbarroute hoch. Wahrscheinlich wäre er mit einem Bein noch schneller gewesen als wir. Danach jagte er seine Freundin im Vorstieg hoch, die jedoch vor lauter Angst nur verkrampft in der Wand hing. Er gab von unten tolle Ratschläge die in einer solchen Situation kein Mensch hören will. “ich habe Angst!” – “Angst ist nur eine Ausrede!” Irgendwann ging uns das Ganze auf die Nerven und wir zogen weiter nach Bø, um uns im Sportladen den Kletterfrust von der Seele zu shoppen.

Heute ist es wieder ziemlich heiss und wir haben ausser Faulenzen, Einkaufen und Zecken ziehen (somit wäre auch die Frage ob es in Norwegen Zecken gibt geklärt) nicht viel zu Stande gebracht. Dafür werden wir morgen zum Ausgleich mit dem Kanu den Telemark Kanal bepaddeln. Aber irgendwann müssen wir uns schliesslich ein wenig auf dolce far niente einstimmen.

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One Response to Petri Heil!

  1. Markus says:

    Adrian, versuchs doch mal mit einer Brauchwasser-Angel 😉

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