Rigimarsch 2011

Etappe 1, Bremgarten – Restaurant Schoren, 16.5km
Die erste Etappe gestaltet sich anfangs recht mühsam. Zu viele Leute vor, neben und hinter mir. Ich habe extrem Mühe mein eigenes Tempo zu finden, da sich die Beine immer automatisch den Vorderleuten anpassen wollen.
Erste Zweifel, als mich Hausfrauen mit Handtasche im Eilschritt und fröhlich plaudernd überholen. Selbst wenn ich wollte könnte ich nicht schneller laufen, wie machen denn die das bloss?
Der Weg gestaltet sich eintönig, immer geradeaus, immer die Rheuss auf der linken Seite, immer der gleiche Untergrund, immer das gleiche Geschwätz hinter mir..doch dann werden wir vom Fluss weg geleitet und ganz unverhofft taucht bereits der erste Posten auf.

Etappe 2, Restaurant Schoren – Restaurant Zollhaus, 6.68km
Die Leute haben sich nun endlich etwas verteilt, oder es haben mich einfach schon alle überholt.
Egal, es läuft ganz gut auch wenn die Strecke weiterhin sehr eintönig ist. Der zweite Posten ist bald erreicht und der Tee schmeckt hervorragend.

Etappe 3, Restaurant Zollhaus – Rotkreuz, 7.17km
Endlich etwas abwechslung was das Terrain betrifft. Der Weg ist sehr schmal, überholen kaum möglich.
Direkt am Fluss entlang und mit Musik im Ohr geht es flott vorwärts, die Stimmung ist gut und schon bald taucht der Bahnhof Rotkreuz auf. Hier haben wir dann doch das Gefühl am hinteren Ende der Masse zu marschieren. Der Verpflegungsstand ist bereits fast leer gefressen. Die ersten Blasenanzeichen werden behandelt und die Waden massiert. Da es langsam kalt wird, marschieren wir nach kurzer Pause weiter.

Etappe 4, Rotkreuz – Immensee, 9.34km
Die Füsse melden sich langsam zu Wort, die Waden und Oberschenkel sind auch nicht mehr taufrisch, der MP3 hat einen Wackelkontakt der mich in den Wahnsinn treibt und meine zwei Begleiter haben sich abgesetzt.
Kurz: Die Stimmung sinkt langsam. Dann irgendwann ein Wegweiser..noch 45 Minuten bis Immensee. Doch diese ziehen sich ewig dahin. Vorbei am Villenviertel..ah da muss doch der Posten langsam sein..nein doch nicht…gut, da vorne siehts aus wie ein Bahnhof..da wird er sein..nein auch nicht…wie jetzt muss ich noch bergauf? Dann endlich der Posten. Erste krampfartige Schmerzen in den Waden und kaum setzt man sich hin überfällt einem hinterrücks die Müdigkeit. Dass sich ein Drittel unseres Trios stundenlang massieren lässt, führt dazu dass wir anderen zwei Drittel genug Zeit haben um Müde zu werden und uns eingehend mit unseren schmerzenden Muskeln zu beschäftigen.
Nach einer gefühlten Ewigkeit können wir endlich weiter..

Etappe 4, Immensee – Seebodenalp, 6.69km
Nun kommt die Etappe von der ich schon viel gehört habe..Diabolisch ist unter anderem ein Wort, welches benutzt wurde um sie zu beschreiben. Der Anfang geht noch recht gut, doch dann entfaltet diese Teerstrasse ihre volle Boshaftigkeit. Kurve um Kurve immer weiter hoch, endlos schleppen wir uns im feuchten Nebel höher. Ich belausche ein Gespräch hinter mir: “ah gäll da vorne isch grad dSeebodealp” ENDLICH denke ich, ich kann nicht mehr..doch dann erwiedert der Gesprächspartner “neei…das gseht nur ähnlich us..es gaht schono es Wili”..und er sollte Recht behalten. Aber irgendwann, ich bin mittlerweile ziemlich langsam unterwegs, wabert etwas durch den Nebel, dass mir noch sehr bekannt vorkommt von unserer Arschbaggenbesteigung ein paar Monate vorher. Die Teerstrasse from Hell ist besiegt!
Wir lassen uns im feuchten Verpflegungszelt nieder…eine heisse Schokolade muss her.

Seebodenalp – Rigi Staffel, 3.75km
Die letzte Etappe gestaltet sich erstaunlich angenehm (sofern man in diesem Kontext noch von angenehm sprechen kann). Die Füss eund Muskeln sind froh, mal etwas anders belastet zu werden. Aber auch hier schlägt der Serpentinenweg aufs Gemüt, ausserdem ist es neblig, feucht und alles klebt. Langsam aber sicher geht mir die Puste aus. Ich bin froh kann ich mich an meinen Trekkingstöcken den Berg hochschleppen.
Kurve um Kurve geht es höher und will nicht enden…doch dann..irgendwo aus dem Nebel höre ich eine Banhofsdurchsage. Habe ich jetzt schon Wahnvorstellungen?..Nach ein paar weiteren Schritten taucht der Bahnhof Rigi Staffel gleichzeitig mit der Sonne und dem blauen Himmel aus den Nebelschwaden auf. Ein grosses Plakat verkündet: Ziel Rigimarsch! Ich bin ein wenig verwirrt, müssen wir nicht bis Rigi Kulm? Meine beiden Begleiter steuern jedoch bereits auf die bereit stehende Rigibahn zu. Gerne würde ich noch die wohlverdienten Sonnenstrahlen geniessen, doch die beiden Herren ziehts offensichtlich heim ins Bett.
Mein Ziel unter 12 Stunden zu bleiben habe ich ganz knapp geschafft. Nie hatte ich das Gefühl, dass ich es nicht schaffen würde. Man könnte sagen: ich habe es mir schlimmer vorgestellt.

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