Kungsleden Tag 5 – Weglos in der Geröll-Hölle

Das Wetter ist noch ziemlich düster und wolkenverhangen, aber immerhin regnet es nicht. Nur leider ist von den Bergen nicht mehr viel zu sehen. Wenige Minuten nach der Brücke müssen wir feststellen, dass der schöne ausgetretene Weg leider nicht der unsrige ist.  Kurz das GPS gezückt, haben wir unseren Fehler auch schnell festgestellt. So hat sich also Katrins stundenlange Arbeit doch noch gelohnt, die schwedischen Topos auf das GPS-Gerät zu spielen. Glücklicherweise entdecken wir kurz darauf eine Gruppe farbiger Punkte in etwa 1 km Entfernung, so dass wir schnell wieder auf der richtigen (weglosen) Spur sind. Anfangs ist der Untergrund noch recht angenehm zu bewandern und auch der, auf der Karte namenlose Fluss, ist nach kurzem Suchen einer geeigneten Stelle gut zu überqueren. Hier treffen wir auch die farbigen Punkte vom Vormittag, die sich als eine schwedische Gruppe mit Hund entpuppen. Der Vierbeiner muss noch ein wenig für die Flussdurchquerung motiviert werden, so dass wir sie bald hinter uns lassen.

Das Kaskasvagge hat’s in sich. Keine Markierung, keine Brücken, keine ausgetretenen Pfade und sehr wenig Volk. So queren wir Fluss um Fluss, Geröllhalde um Geröllhalde. Jedes noch so kleine Schneefeld wird dankend angenommen, auch wenn wir dafür zick zack laufen müssen.  Nach dem eher eintönigen Kungsleden ist dieses wunderbare Tal jedoch genau unser Geschmack. In der Hälfte des Tages rasten wir und ergötzen uns am Anblick auf den Enquists Glaciär, den die Wolken kurz vorher frei gegeben haben. Ohne die Rucksäcke finden wir sogar noch die Muse, einen kurzen Abstecher auf den Moränenhügel zu unternehmen um die Sicht auf den Gletscher zu geniessen. Wenig später – Endlich! Rentiere in freier Wildbahn. Nach vielen Sauge-Tieren (Mücken) nun endlich ein Säugetier :-)

Enquists Glaciär

Enquists Glaciär

Das wunderbare Kaskasvagge

Das wunderbare Kaskasvagge..

Beschrieben in einem Bild...GERÖLL

Beschrieben in einem Bild…GERÖLL

ein freundliches Schneefeld

ein freundliches Schneefeld

Gegen Ende des Tages gilt es noch eine steile Geröllpassage zu meistern – Links unten der See, rechts der Berg und vor dem Gesicht eine Insektenwolke – höchste Konzentration ist gefragt. Ich bekomme nun erstmals Probleme mit der linken Achillessehne, die auch merklich angeschwollen ist. Doch zum Glück gibt es auch hier mehr als genügend Möglichkeiten, seine Latschen ins kühle Nass zu tauchen und nach einer längeren Pause inkl. Schnee-Ice-Pack können wir weiter gehen. Dampflokomotive Katrin gleitet zügig und wie auf Schienen in Richtung Anhöhe, mir ging ziemlich die Puste aus, versuche jedoch bestmöglich meine Beine unter die Arme zu nehmen. Woher hat sie all die Energie her?!?

Schlechtwetter im Landeanflug

Schlechtwetter im Landeanflug

Als wir jedoch den Abstieg zum nächsten See in Angriff nehmen bemerken wir, dass Schlechtwetter im Anflug ist. Kurz darauf blasen uns heftige Böen um die Ohren und als wir die ersten Regentropfen spüren ist es aller höchste Zeit den Tag zu beenden und das Zelt aufzustellen. Noch während dem Aufstellen fegen immer stärkere, orkanartige Winde unser Zelt nieder. Wir haben so unsere Mühe, bis das Zelt richtig steht und abgespannt ist. Mehrer Male drückt der Wind während dessen das Gestänge flach auf den Boden. So hält Katrin das Gestänge während ich eine 10 sekündige Böenpause abwarte um das Aussenzelt überzuwerfen. Kaum sitzen wir im Zelt  regnet es sintflutartig auf uns nieder und so müssen wir alles mit ins Zelt nehmen was nicht Niet und nagelfest ist. Da wird es in unserer Hundehütte doch langsam ein wenig eng. Mit vereinten Kräften und allen Vieren müssen wir das Zeltgestänge beim Kampf gegen die Naturgewalten unterstützen. Nach 40 Minuten ist der Spuk vorbei, das Sommergewitter zieht  so schnell von dannen wie es gekommen ist. Nun können wir uns doch noch etwas zu warmes zu Essen machen und den See der sich zwischen Footprint und Zeltboden gebildet hat trocken legen. Die Frage “Du warum hängt das Zelt so komisch durch?” klären wir nicht mehr heute. Am nächsten Morgen werden wir jedoch feststellen, dass der Wind aus unserem Hubba Hubba einen kleinen Quasimodo mit Buckel gemacht hat.

 

Morgens 01:30 in Schweden

Morgens 01:30 in Schweden

Um 1.30 Uhr wache ich zufällig auf und geniesse einen kurzen Blick auf den Nachthimmel – ist aber gar nicht so dunkel. Eine halbe Stunde später beginnt es in der Ferne wieder bedrohlich zu Rumpeln. Angespannt liegen wir im Schlafsack und verfolgen ca 30 Minuten akustisch, wie sich das nächste Gewitter durch das Tal wälzt. Zu unserem Glück ist wesentlich weniger Wind im Spiel. Dafür sind Blitz und Donner um so intensiver und wir harren wie zwei verschreckte Karnickel der Dinge die da kommen. Wir dachten ja, dass uns nach der Sturmwarnung in Landmannalaugar und den heftigen Unwettern letztes Jahr in der Toscana nicht mehr viel schocken kann. Das waren aber definitiv zwei der heftigsten Gewitter die wir beim Zelten je erlebt haben und nach diesem nächtlichen Adrenalinstoss fällt es uns schwer, wieder ein zu schlafen.

Nach der unruhigen Nacht empfängt uns am Morgen dann Himmelblau und wir legen erst einmal die ganze Ausrüstung zum trocknen aus.

Der nächste Morgen als wäre nichts gewesen

Der nächste Morgen als wäre nichts gewesen

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