Kungsleden Tag 7 – Die Kebnekaise Überschreitung

6.00 Uhr – Wecker klingelt. Wäre aber nicht nötig gewesen, aufgrund der Hanglage unseres Zeltes und der rutschigen Exped Matte war die Nacht ziemlich unbequem. Also los, aufstehen für die Kebnekaise-Überschreitung! Das Müsli ging irgendwie auch schon mal leichter runter…und so sind wir bereits nach einer Stunde fertig für den Aufbruch. Zügig kommen wir vorwärts und wir ignorieren erfolgreich, dass es beim See oben wunderbare Zeltplätze gehabt hätte. Die Heinzelmännchen Familie ist auch schon auf den Beinen und legt ein irrsinniges Tempo vor. Dank der farbigen Rucksackhüllen sehen wir dafür immer schön wo wir hin müssen. Unsere Route durch das Tal mit dem schönen Namen Kaffedalen ist zwar weglos, aber trotzdem nicht schwierig zu finden.

Früh morgens auf dem Weg zum Kebne

Früh morgens auf dem Weg zum Kebne

Nach ca 2h treffen wir auf die ersten ausgedehnten Geröllfelder, doch zum Glück liegt auf dem Fluss noch eine dicke Schneeschicht auf der wir ungeahnt zügig vorwärts kommen, ja gerade zu vorwärts gleiten. Euphorisch fliegen wir dem Gipfel entgegen..denken wir..Doch jedes Schneefeld hat einmal ein Ende und nun stehen wir vor dem gigantischsten Geröllhaufen den wir je gesehen haben, quasi die Mutter aller Geröllhaufen, und wir haben wahrlich schon viele Geröllhaufen gesehen und bestiegen. Hier holen wir zwei Schweden ein, die in Turnschuhen unterwegs sind. Ich hätte mir ja spätestens nach 5 Minuten schon beide Füsse gebrochen. Respekt..

Der Schneefeldexpresshighway

Der Schneefeldexpresshighway. Der Pass in Bildmitte ist das Zwischenziel.

Gerölling ist inzwischen unser Spezialgebiet

Gerölling ist inzwischen unser Spezialgebiet

Wir lassen uns etwas von der Heinzelmännchen Familie in die Irre leiten und steigen erst einmal gerade hoch, bis uns der Schweiss in Sturzbächen das Gesicht runter läuft. Bald queren wir aber hinüber zum Sattel wo sich die beiden Aufstiegsrouten treffen und deponieren dort unsere Rucksäcke. Schnell noch einen Wegpunkt im GPS setzen, damit wir sie im Steinmeer auch wieder finden. Danach reihen wir uns in die Menschenkette ein, die sich im Einklang gen Gipfel keucht. Von der schweren Last befreit, hüpfen wir wie zwei junge Rehe (naja) nun noch die restlichen 400 Höhenmeter zum Sydtoppen hoch. Nach etwa einer Stunde taucht er dann urplötzlich aus den Wolken auf, der Gipfel! Endlich am Fusse des Eises angekommen trauen wir unseren Augen kaum. Wir wussten ja, dass die Schweden ein wenig spinnen wenn es um den Kebnekaise geht, aber solche Menschenmassen auf dem Gipfel haben wir nun wahrlich nicht erwartet. Leider ist der Sommer schon soweit fortgeschritten, dass die letzten 20 Höhenmeter nur noch aus Blankeis bestehen. Da wir keine Lust hatten für 20 Meter Steigeisen durchs Fjell zu schleppen, bleibt uns somit der definitive Gipfelerfolg verwehrt..

Gipfelfreuden, leider nicht für uns

Gipfelfreuden, leider nicht für uns

Wir bleiben noch etwas oben und beobachten das bunte Treiben aka wie  viele Schweden passen auf einen 2qm grossen Gipfel. Viel anderes gibt es nämlich nicht zu bestaunen. Wir und die skandinavischen Landeshöhepunkte, das wird in Sachen Aussicht keine Erfolgsgeschichte mehr. Man könnte sagen die Aussicht unterschied sich kaum zur derjenigen vom Galdehöppigen, lediglich die Grautöne waren vielleicht etwas heller.  Macht aber nichts, wir haben trotz allem grosse Freude an unserer Kebnekaise Besteigung und erst als es uns zu kalt wird, nehmen wir euphorisiert den Abstieg unter die Füsse. Wieder bei unserem Rucksäcken machen wir erst einmal ausgedehnte Pause. Müsliriegel und sonstige Körner können uns langsam nicht mehr begeistern, die Chili Würstchen mit dem klangvollen Namen “Lucifers Love” dagegen machen müde Wanderer munter. Beim Kauen können wir schon einmal den Ausblick auf den bevorstehenden Gegenanstieg “geniessen”. Der sieht von unsrem Pausenplätzchen her gesehen einfach unbezwingbar steil aus. Aber es hilft nichts, wir müssen da hoch. Schlussendlich ist es dann aber schneller geschafft als gedacht und auf der anderen Seite geht es natürlich genauso steil wieder runter.

Blick zurück nach dem Gegenaufstieg: Kebnekaise aka Mutter aller Geröllhaufen

Blick zurück nach dem Gegenaufstieg: Kebnekaise aka Mutter aller Geröllhaufen

Mit dem schweren Rucksack und auf dem rutschigen Terrain ist noch einmal aller höchste Konzentration gefordert. Etwas weiter unten fragen wir uns, warum plötzlich so viele Leute vom Weg abweichen und auf die andere Talseite wechseln. Etwas später ist auch dieses Rätsel gelöst. Dort wo der Weg durchgeht ist der Gletscherfluss wesentlich tiefer und somit schwieriger zu queren. Zum Glück gehören wir zu den wenigen privilegierten die ihren gesamen Hausstand mitschleppen und somit Wadtschuhe dabei haben, die wir nun zum ersten Mal benötigen. An einer geeigneten Stelle reihen wir uns ein. Unser Vordermann ist in seinen Crocs etwas langsam…kalt kalt kalt kaaalt mach vorwärts kaaaaaaaaaalt MACH VORWÄRTS! ah endlich drüben. Die Kneipptour tut richtig gut, denn ab hier läuft fast keiner der Gipfelaspiranten mehr wirklich rund und wir eiern unisono Richtung Tal. Nach gut 12 Stunden, ca 2km vor der Fjällstation, finden wir ein schönes Plätzchen für unser Zelt.

Schönes Plätzchen für die letzte Nacht

Schönes Plätzchen für die letzte Nacht

Da wir nun viel Proviant übrig haben, (fr)essen wir uns quer durch den Rucksack. Es gibt ein vollwertiges Abendessen mit Nüssen, Suppe, Fleischkäse & Speck-Stocki, Broccoli-Stocki und Schokolade. Nach so einer genialen Tour schmeckt alles gleich doppelt so gut. Nun fehlt nur noch der dringend nötige Schönheitsschlaf für die letzte Etappe nach Nikkaluokta.

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