Untwegs in den Highlands

Nach einer erholsamen Nacht, obwohl uns morgens um vier ein wunderschöner Sonnenaufgang geweckt hat, der direkt in unser Bett schien, machen wir uns auf zum Zmorgenbuffet des Hotels. Bis wir begreifen, dass wir da ja in Schottland sind. Somit ist Zmorge a la carte angesagt. Adrian wagt sich mutig an Haggis, ich wage mit French Toast eher weniger Experimente. Gut gestärkt fahren wir entlang der Küste Richtung Inverness. In Inverness ist richtig viel los an diesem Samstag Nachmittag und hier findet man die ganze Bandbreite an schottischem Tourikram. Kilts und Tweed an jeder Ecke und egal wo man gerade ist, irgendwo ist bestimmt jemand am Dudelsack spielen. Wir haben jedoch ein ganz anderes Ziel, wir wollen der Kaffeerösterei einen Besuch abstatten. Dort lässt man uns sogleich durchs Sortiment probieren und wir kaufen frische Malabar Bohnen für unsere Bialetti Kanne. Nach der erfolgreichen Kaffeemission schlagen wir unser Base Camp auf der Black Isle, einem kleinen Zipfel oberhalb von Inverness, auf. Der Camping Platz liegt direkt am Meer und ist eigentlich ganz schön…nach einem offenbar etwas geschockten Gesichtsausdruck beim Bezahlen, hat der Besitzer erbarmen und verrechnet uns “nur” den Mitgliederpreis.

Camping mit Strand

Camping mit Strand

Der Wetterbericht meldet für den nächsten Tag Regen ab dem Mittag. Also satteln wir am Morgen unsere Bikes, um noch möglichst trocken eine kleine Tour zu fahren. Wir landen in einem kleinen Bike Park ganz in der Nähe, mit schöner Aussicht über die Moray Firth Bucht. Der Park verfügt über drei Trails, welche sehr schön angelegt und sogar auch total trocken sind. Der blaue Trail macht selbst mit unseren schwach befederten Hardtails richting Laune, so dass wir ihn gleich mehrmals befahren. Andere Biker treffen wir selten und wenn, dann sind es übermotivierte Väter die ihre Kiddies durch den Park scheuchen (PEDAL PEDAL PEDAL!!! RELAX YES GOOD! RELAX!! PEDAL!!). Auf dem Rückweg holt uns dann der prognostizierte Regen ein, gerade richtig für ein intensives Powernap, bis eine Regenpause doch noch das Kochen des Abendessens zulässt.

Bike Park auf der Black Isle

Bike Park auf der Black Isle

Am nächsten Tag ist es Zeit, die Westküste in Angriff zu nehmen. Bis jetzt waren wir ja eher im Osten unterwegs, welcher etwas weniger spektakulär, dafür auch weniger touristisch ist. Nun wollen wir jedoch die “richtigen” Highlands, Isle of Skye so wie die Hebriden erkunden. Dazu fahren wir erst mal vorbei am Loch Ness, welches nicht mehr oder weniger schön ist, als die anderen 2000 Lochs in Schottland, und parken schliesslich am Loch Laggan. Da der Wetterbericht zwei schöne Tage vorausgesagt hat, wollen wir eine Wandertour mit Biwak unternehmen. So schultern wir gegen Abend die schweren Rucksäcke und nehmen die ersten 2 1/2 Stunden bis zu einem Bergsee namens Lochan a’Choire in Angriff. Oben angekommen gibt’s erstmal Trekking Food zum Abendessen…Farfalle mit Spinat und Beef Stroganoff. Urks…zum Glück müssen wir das nur heute Abend essen.

Na ja..

Na ja..

Da es nun erst 19:00 Uhr ist, beschliessen wir den Gipfel noch in Angriff zu nehmen. So können wir am nächsten Tag gleich den Abstieg über den Grat angehen, ohne Umweg über den Munro Creag Meagaidh. Der Weg Richtung Gipfel fürhrt durch eine sehr steile, geröllige Scharte und danach unschwierig über ein sehr breites Plateau zum Gipfel. Dank den langen “Sommer”nächten, reicht das Tageslicht noch für das schöne, aber etwas wolkenverhangene Panorama. Gegen 22:00 Uhr sind wir zurück beim Zelt und verkriechen uns in die Schlafsäcke.

Late Night Hike

Late Night Hike

Die Nacht ist etwas kühl aber ganz ok, am nächsten Morgen weckt uns jedoch Regen. Ein Blick aus dem Zelt zeigt wolkenverhangene Berge. Wir sind etwas verwirrt. Stand im Wetterbericht nicht etwas von “no rain”, “sunny patches” und so? Mit dem kümmerlichen Edge Empfang prüfen wir den Wetterbericht nochmals, welcher sich offenbar um 180 Grad geändert hat. Am Morgen Regen, am Nachmittag dann vielleicht etwas Besserung. Wir gratulieren uns zu unserer Entscheidung, den Gipfel gestern noch gemacht zu haben und nehmen den Abstieg nicht über den Grat, sondern auf dem einfachen Aufstiegsweg unter die Sohlen.

Biwak am Bergsee

Biwak am Bergsee Lochan a’Choire

Vom Loch Laggan ist es dann nur noch einen Katzensprung bis nach Fort William, sowas wie der Hauport der Highlands, da hier nicht nur der West Highland Way endet, sondern auch der höchste Berg Grossbritanniens steht, der Ben Nevis. Um diesen Berg wird in etwa der gleiche Hype gemacht wie um den Kebnekaise in Schweden. Jeder will da hoch, auch wenn es 200 schönere Munros gibt als gerade diesen. Vorerst holen wir in Fort Williams nur unser Amazon Packet auf der Post und fahren dann weiter ins Glencoe. Unser Zelt bauen wir auf einem Zeltplatz mit dem schönenen Namen “Red Squirrel Campsite” auf. Nach all den durchgestylten Caravan Sites der letzten Wochen eine nette Abwechslung. Der Campingplatz liegt direkt am Fluss, es gibt keine Parzellen, keine Womos und kein Strom.

Auf dem Red Squirrel Camping

Auf dem Red Squirrel Camping

Wir geniessen unser schönes Plätzchen, essen zur Abwechlsung wieder einmal gemütlich draussen und backen Schokobrötchen. Die Briten…sind noch nicht im Zeitalter der Mischbatterien angekommen, aber haben Fertigteig in Dosen.

Es beginnt mit einer Dose..

Es beginnt mit einer Dose..

öffnet man diese, quillt einem der Teig entgegen

öffnet man diese, quillt einem der Teig entgegen

Hat man den Teig aus der Dose befreit..

Hat man den Teig aus der Dose befreit..

macht man Schoggibrötli daraus

macht man Schoggibrötli daraus

Der Omnia erledigt den Rest

Der Omnia erledigt den Rest

Gegen Abend wir dann das Wetter sogar noch richtig gut, wir sehen seit langem wieder ein mal die Sonne und blauer Himmel. So fahren wir nach dem Abendessen spontan noch in eines der schönen Seitentäler des Glencoe und geniessen die Abendstimmung.

Unterwegs in einsamen Seitentälern

Unterwegs in einsamen Seitentälern

und schönen Buchten

und schönen Buchten

Auch der nächste Tag soll wettertechnisch gut werden. Wir entscheiden uns gegen Menschenmassen auf dem Ben Nevis und für Einsamkeit auf dem Bidean Nam Bian. Nach einem eher späten Start in den Tag, starten wir erst gegen 12:00 Uhr zur Tour. Diese führt uns über einen recht angenehmen aber sausteilen Weg und später über gigantische Geröllhaufen zuerst auf Munro Nummer eins, den Stob Coide nan Lochan. Von dort geht es nach einem kurzen Abstiegt über einen ebenfalls ziemlich steilen Grat auf den Munro Bidean nam Bian. Die Aussicht ist auf beiden Gipfeln gigantisch und selbst der Gipfel des Ben Nevis ist heute wolkenfrei (wenn man den Reiseführeren glauben darf, hüllt sich der Gipfel an ca 300 Tagen im Jahr in Wolken).

Gipfelpanorama mit Ben Nevis

Gipfelpanorama mit Ben Nevis

Abstieg durchs Lost Valley

Abstieg durchs Lost Valley

Gipfelselfie

Gipfelselfie

Über einen etwas halsbrecherischen Abstieg gelangen wir ins schöne Lost Valley und von dort zurück zum Parkplatz.

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